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Pop und Kultur

Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
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piqer: Christian Huberts
Montag, 17.09.2018

American Vandal: Wenn True Crime auf Teenager-Streiche trifft

Es ist einfach, die Netflix-Serie American Vandal zu verurteilen. Beginnt die erste Staffel mit Phallus-Graffiti auf dem Lehrer-Parkplatz, dreht die zweite Staffel den Grad an Derbheit mit Abführmittel in der Mensa-Limonade noch einmal deutlich auf. Doch hinter der pubertären Plumpheit von Massen-Durchfall und Penis-Malereien steckt ein überraschend selbstreflektiertes und liebevolles Konzept.

American Vandal ist eine Mockumentary, die sich ganz der Inszenierung von populären True-Crime-Formaten verschrieben hat. Was Serial, Making a Murderer oder Wild, Wild Country können, kann American Vandal schon lange: Detaillierte Recherchen, erzwungene Geständnisse, unglaubliche Wendungen und nervenzerrende Cliffhanger. Aber weil es diesmal lediglich um simple Teenager-Streiche geht, haben wir es quasi mit negativer Fallhöhe zu tun. 

Die emotionale Manipulation und rechthaberische Hybris, die typisch für viele True-Crime-Dokus sind, werden in American Vandal so zum Teil einer klugen Meta-Erzählung. Denn eigentlich ist schnell klar, wer der namengebende Vandale ist. Doch für das erwünschte Drama lassen sich die jungen Filmemacher Peter und Sam immer wieder zu wilden Spekulationen und Verschwörungstheorien hinreißen. Die wachsende Einsicht, dass sie damit langsam von Beobachtern zu Akteuren der Geschichte werden, haben sie ihren echten True-Crime-Kollegen voraus.

Zwar macht sich American Vandal also mit allerhand Albernheiten über True Crime lustig, nähert sich den Protagonisten aber stets liebevoll. Die negative Fallhöhe, sie kommt hier voll zur Geltung. Denn wie Julia Alexander auf Polygon deutlich macht, stecken auch hinter Penis-Graffiti und Abführ-Limonade nur verletzliche Menschen:

Their investigation solves the crime, but it also accomplishes a far more important, unspoken task: giving a group of sad kids, who hide behind their online personas, a chance to be vulnerable, and talk openly about their thoughts without performing for or worrying about a faceless audience.
American Vandal: Wenn True Crime auf Teenager-Streiche trifft
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