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Rezos Rant – (m)eine Meinung

Marcus von Jordan
piqd cofounder
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Marcus von JordanDienstag, 06.04.2021

Ich sags gleich: ich so #teamrezo.

Zum Inhalt ist nicht so viel zu sagen und es ist ja auch vergleichsweise kurz diesmal. Rezo zerlegt die Corona-Politik bzw. das politische Versagen im Kontext mit der Krise.

In den sozialen Medien streitet man sich über die Angemessenheit und Qualität dieses Videos und viele ärgern sich über die dieses Mal mäßige Struktur, fehlende Quellenangaben und den nackten Zorn, den Rezo hier abfeiert.Und, ja klar – das ist anders und insofern vielleicht weniger pädagogisch wertvoll oder so.

Aber: Die Wahrheit braucht auch mal ein Ventil, sag ich mal. Und mir hat dieser Wutausbruch gefehlt, mir fehlt diese totale Empörung. Auch für mich steht die Politik so nackt da wie noch nie und es ist kein schöner Anblick: Ahnungslosigkeit, Wissenschaftsfeindlichkeit, keine Agilität, keinerlei Kreativität, krasse Korruption und tolldreiste, asoziale Lobbypolitik. 

Katrin Rönicke schrieb auf Twitter über die Kritik an Rezos Video...

denke gerade bei jedem zweiten Tweet zu dem Video: es ist nicht für dich. du bist nicht die Zielgruppe. Get over it.

... und das wäre dann vielleicht auch meine einzige Kritik oder mein einziger Wunsch: Können wir diese Klarheit, diesen heiligen und gerechten Zorn nicht auch in eine Form bringen, die Ältere und Andere verstehen?

Rezos Rant – (m)eine Meinung

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Kommentare 26
  1. Dierk Himstedt
    Dierk Himstedt · vor einem Tag · bearbeitet vor einem Tag

    Nun, man soll die Stars in seinem Land nicht nieder machen. Weil es nicht so viele Menschen gibt, die herausstechen. Rezo sticht heraus. Er ist ein junger Kritiker, der politisch auf den Putz haut. Möglicherweise ein deutscher Internet-Jonathan Pie. Auf eine andere Art, allerdings auch nicht so gut.
    Dennoch kann ich mit dieser Form der politischen Kritik wenig anfangen. Das mag an meinem Alter von 55 Jahren liegen. Das kann auch daran liegen, dass neue Formen oft inneren Protest erzeugen, weil sie das Gewohnte und Geschätzte gefährden könnten. Jedoch was mir einfach widerstrebt, ist das Zuhören eines 15-minütigen - oder beim ersten Coup noch viel längeren - Meinungsmonologs. Mal abgesehen von der Sprache, die nicht meine ist, ruft es irgendwann in mir laut nach einer anderen Stimme, die Rezo widerspricht. So ist das, wenn man Monologe hält - sei es im Freundeskreis oder auf einem Social Media-Kanal.

    1. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor einem Tag

      Danke Dierk. Alles auch richtig.

  2. Anna Wittmann
    Anna Wittmann · vor 5 Tagen

    Ich will nur mal ein bisschen Liebe dalassen für die Diskussion unter diesem piq und auch für das Worttrio "tolldreiste, asoziale Lobbypolitik". Danke.

    1. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 5 Tagen

      Danke Anna! <3

  3. Maximilian Rosch
    Maximilian Rosch · vor 7 Tagen

    WDR aktuell sendete gestern eine kurze Reaktion von Mirko Drotschmann, der u.a. hinter dem Youtube-Kanal "Mr. Wissen2Go" steckt: https://www.youtube.co... Im Ansatz könnte das die Form für "Ältere und Andere" sein, obwohl es keinesfalls ein wütender sondern eher ein enttäuschter Kommentar ist.

    Bzgl. der Inkonsequenz und des Maßnahmenchaos fand ich diesen Thread des Politikberaters Erik Flügge treffend. Er bezieht sich explizit auf Laschets widersprüchliche "Strategie": https://twitter.com/er...

    1. Christoph Zensen
      Christoph Zensen · vor 5 Tagen

      Der Thread von Erik Flügge ist für mich eher das Gegenteil.

      Ich hätte noch Friedemann Karig anzubieten. Folge 30 im Podcast Piratensender Powerplay.

      https://podcastaddict....

    2. Maximilian Rosch
      Maximilian Rosch · vor 5 Tagen

      @Christoph Zensen Das Gegenteil von dem was Marcus sich wünscht oder das Gegenteil einer treffenden Analyse von Laschets Maßnahmen/ Umgang mit der Pandemie?

      Danke für den Podcastfolgentipp. Wird gleich angehört.

    3. Christoph Zensen
      Christoph Zensen · vor 5 Tagen · bearbeitet vor 5 Tagen

      @Maximilian Rosch Flügge ist auf einer Metaebene und analysiert, was ihn wütend macht. Und was ihn da wütend macht, das ist auch sehr prototypisch für Medienpolitologen und Politik-Redaktionen: Es gibt keine falsche Politik, solange sie nur konsequent ist und souverän kommuniziert wird.

    4. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 4 Tagen

      Hier hat mir YouTube noch was angeboten unter dem nicht sehr originellen Titel "Die Zerstörung der CDU" - Korruption Spezial Edition von den Space Frogs (sind auch keine Journalisten). Ich habe es nicht komplett angeschaut. Es geht im Prinzip um all die Korruptionsfälle in der CDU und den Fakt, dass sie sich selbst zerstört: https://youtu.be/gNPv8...

  4. Gabriele Feile
    Gabriele Feile · vor 8 Tagen

    "Können wir diese Klarheit, diesen heiligen und gerechten Zorn nicht auch in eine Form bringen, die Ältere und Andere verstehen?"

    Das finde ich einen schönen Wunsch. Wer ist denn in der Lage, das zu tun? Gibt es ein "älteres Pendant" zu Rezo? Falls nicht, warum eigentlich nicht? Oder ist das gar eine kollektive Aufgabe?

    Ich bin ehrlich: das Video hat mich eher genervt, denn es war nichts Neues dabei. Außerdem ist das einfach nicht meine Sprache. Die fehlenden Quellenangaben etc. stören mich nicht, denn das, was er erzählt, ist ja für alle sichtbar. Und wie ich es verstanden habe, war das ein Live-Video auf einem anderen Kanal, das er später, weil es so gut ankam, auf YouTube hochlud.

    Dennoch: Mir fällt es schwer, eine Klarheit in diese Situation zu bringen, die ähnlich "populär" ankommen würde. Denn: für mich wird immer deutlicher, dass hinter "all dem" (und damit meine ich sowohl die Entscheidungen, das (Nicht-)Handeln und das (Nicht-)Kommunizieren der Volksvertretenden als auch die Forderungen und Erwartungen des Volkes in der gesamten Bandbreite) menschliche "Defizite" stecken, die ich nur allzu gut nachvollziehen kann. Menschen werden von Ängsten gesteuert, manche mehr, andere weniger.

    Ob es die Angst ist, zu versagen, die Angst, nicht gemocht (also auch nicht gewählt) zu werden, die Angst vor Blamage (also Scham), die Angst vor der Verantwortung, die Angst, seinen Status zu verlieren (materiell und ideell), die Angst, sich schuldig zu machen, die Angst vor Schwäche, die Angst, zu verhungern (ja, auch die) und noch viele andere - sie alle entspringen unseren Ur-Instinkten. Ultimativ ist es die Angst vor dem Tod. Aber näher betrachtet ist es eher die Angst, nicht wirklich gelebt zu haben und "unverrichteter Dinge" zu sterben.

    Ich weiß, das spannt einen großen Bogen, aber das ist es, was ich beitragen kann. Denn das ist das "Ding", das ich zu "verrichten" habe. Genau deshalb glaube ich, dass es eine kollektive und globale Aufgabe ist, die Pandemie (und viele andere Herausforderungen) zu lösen. Es gibt aktuell nicht die eine Person, die alles weiß und kann und dafür bereit ist zu sterben. Es gibt uns alle, und wir schaffen es nur, wenn wir zusammen halten und zusammen arbeiten.

    Statt die Menschheit aufzuteilen (in was auch immer: geschlechtlich, nach Herkunft, Hautfarbe, Präferenzen, Bildungsgrad, Parteien, Wohnort, Einkommen etc.), geht es darum, sie zu einen. Wir, also alle, Menschen teilen zu mehr als 99 % unsere Gene. Wie wäre es, wenn wir uns darauf fokussierten, statt auf die weniger als 1 %, die uns unterscheiden?

    1. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 8 Tagen

      ...der Bogen ist mir tatsächlich etwas zu weit. Kann das ja alles nachvollziehen und auch glaube ich unterschreiben.
      Aber was hat das mit Rezos Video zu tun? Auf was hätte er fokussieren sollen? Ja wohl kaum auf Sauters Angst vor dem verhungern? Verzeih die Ironie, aber es geht hier doch um Menschen, die ja antreten, um die Entwicklung eben in einem kollektiven Sinn voran zu treiben und dabei ihr Geld zu verdienen, ihre Spuren zu hinterlassen, ihren Sinn zu finden. Und die nicht funktionieren und zwar tatsächlich fast gar nicht funktionieren. Die gegen Geld oder Machtversprechen oder für ihre Eitelkeit das Gestrige verteidigen, auf der Bremse stehen, alte Geschäftsmodelle vertreten und eben nicht ihren Auftrag verfolgen.
      Diese Menschen dürfen Angst haben und dürfen Fehler machen. Sie dürfen sogar scheitern. Ich finde sogar, dass sie einen Vorschuss verdient haben, dass man ihnen eine ganze Weile den Rücken freihalten sollte und sie stark machen sollte - immerhin sind sie ja in die Verantwortung gegangen und haben sich entschlossen für das Kollektiv und nicht nur für sich selber anzutreten. Wenn sie aber, warum auch immer, scheitern, so muss man doch darauf reagieren. Und wenn sie scheitern, weil sie es gar nicht mehr versuchen, sondern weil sie nur noch ihrer Macht, ihrem Vorteil, ihrem Geldbeuteln und allem und jedem dienen, der ihnen dabei hilft, dann verhindern sie genau das, was du dir wünscht und dann muss man sie "mit da Kackbirschtn bei da Tür naushaun" wie man hier so hübsch sagt.

      Rezos Video ist kein journalistischer Beitrag im klassischen Sinne - es ist ein Wutanfall. Ers ist deshalb wichtig, weil wir ohne schnelle Veränderung sehr schnell mit noch sehr viel mehr, sehr viel unreflektierterer Wut konfrontiert sein werden. Ich würde mir wünschen, dass jetzt nicht eine ganze Klasse etablierter Journalist*innen sagt "och - das ist doch viel zu doll und auch gar nicht so ganz und überhaupt nö", sondern dass sie sich anstecken lassen von diesem Zorn und radikaler werden in ihrer Kritik. Ein wenig spüre ich das auch eh schon (Lobo, Lanz), aber noch nicht genug.

    2. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 8 Tagen

      @Marcus von Jordan Ja, ich kann das nachvollziehen, dass dir der Bogen zu groß ist. Und auch das, was du dir wünschst mit einem kollektiven "Wutausbruch". (Mir wäre ein Mutausbruch lieber ;-). Warum tun es die etablierten Journalist:innen wohl nicht? Wovor haben sie denn Angst? Ist das nicht "eigentlich" ihr Job? Oder "müssen" sie neutral bleiben und ihre Emotionen raushalten aus ihrem Job? Ich möchte das wirklich verstehen, denn ich kenne mich in diesem Metier nicht wirklich aus. Deshalb: danke für eine Auf-Klärung.

    3. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 8 Tagen

      @Gabriele Feile ...vielleicht ist der Mutausbrauch nicht so weit weg vom Wutausbruch. Vielleicht fehlt auch vielen etablierteren Kräften wirklich der Mut zum Zorn und zu klaren, offensiven und fordernden Abgrenzung gegen ein häufig ziemlich degeneriertes, politisches Establishment. Vielleicht sind diese Kräfte aber auch zu oft, zu sehr Teil dieses Establishments.
      Aufklären kann ich dich da auch nicht. Aber nein - niemand würde einer journalistischen Kraft einen Strick daraus drehen, wenn sie zB. entschlossen und umfangreich darüber berichten würde, welches unmoralische Ausmaß das Handeln von Herrn Sauter hat, ob es nicht auch strafrechtlich relevant ist oder sein müsste und wer ihn und Nachahmer rückwirkend und auch weiterhin schützt, weil man sich weigert die Regeln und die Transparenz grundsätzlich zu verändern.

    4. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 8 Tagen · bearbeitet vor 8 Tagen

      @Marcus von Jordan Zum Thema Sauter hat mich dieser ZEIT-Beitrag angesprochen. Zeigt allerdings auch, wie das System läuft: alle wissen es, aber sagen nichts: https://www.zeit.de/20...

      Und hier ein aktueller Kommentar auch in der ZEIT, weit weg von einem Rant allerdings: https://www.zeit.de/20...

    5. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 8 Tagen

      @Gabriele Feile ja danke.

      der erste Artikel ist eigentlich ein gutes Beispiel. Super Journalismus und ich schlage gar nicht vor, dass da etwas anders gemacht werden müsste. Aber trotzdem fehlt etwas: die klaren Worte, die Wut, das Anprangern. Seit Jahrzehnten besteht dieses System in und um die CSU - Sauter ist scheints die Fleischwerdung. Aber dass ich tatsächlich nochmal in so einem Kontext die Namen Tandler und Hohlmeier lesen musste! Als ich in der SZ den Beitrag zu Gauweilers Machenschaften mit Finck las wurde mir wirklich fast schlecht. Für mich ist das Hochverrat alles und jetzt im Angesicht einer Katastrophe ist es für mich unfassbar, dass diese Dinge nicht justiziabel sein sollen. Ich stelle mir vor, unser Bürgermeister würde hier auf Dorfebene ein verhältnismäßig ähnliches Ding drehen - er könnte nie wieder auf die Straße gehen. Sowieso würde es nie machen, weil es so eine sagenhafte Sauerei ist. Mit diesem Zorn sitze ich nun also da und mit mir der Rest der "Bürger*innen". Seit Jahren, seit Jahrzehnten. Nichts ändert sich. Es wird schlimmer. Diesen Menschen sollen wir vertrauen. Die sollen uns durch die Krise führen. Und durch die nächste. Durch die Klimakrise. Die sollen verantwortlich sein für die Zukunft meiner Kinder und den Wohlstand dieser Gesellschaft.

      Und da reicht einem irgendwann eben diese sachliche, distinguierte Betrachtung nicht mehr.
      Ich will auch in der "Zeit" Kommentare lesen, die zetern wie Rezo. Und die den Kampf ansagen. Die mir jetzt schon versprechen, dass sie den Kanzlerkandidaten Söder durch kein Interview lassen werden ohne immer wieder klarzustellen, dass er Teil dieses Filzes ist und sich bis dato weigert wirklich Transparenz anzubieten und damit aufzuräumen.

      Du schreibst das so schön und du hast recht. Es geht nicht um einen Messias oder um mehrere davon. Es geht um alle. Es geht um Einigung und Einigkeit. Aber wie soll das gehen mit diesen Kartonköpfen als Vortänzer?

    6. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 7 Tagen

      @Marcus von Jordan Ja, es ist unglaublich, dass wir in einer Demokratie leben, die solche Dinge zulässt, ja, die sogar legal sind. Die Tatsache, dass Abgeordnete Nebeneinküfte erst ab 100k p.a. offenlegen müssen, setzt dem ganzen m.E. die Krone auf.

      Wut ist verständlich, und man darf sie auch rauslassen, lieber früher als später, sodass es nicht zu gewalttätigen Exzessen kommt. Dennoch nützt sie meist nicht wirklich was, außer dass, zumindest bei Menschen in der Öffentlichkeit, die Presse tagelang darüber berichtet. Ändert sich deshalb was? Eher selten. Ändern heißt: etwas tun, nicht: sich beschweren.

      Ich glaube, dass es oft eher um Ohnmacht geht. Die Menschen wissen nicht, wie sie dem Ganzen ein Ende machen sollen. Demonstrationen sind schön und gut, aber nützen sie wirklich was?

      Im Grunde ist das einzige Mittel: wählen! In Bayern bin ich recht sicher, dass die CSU weiterhin von sehr vielen unterstützt wird. Selbst Sauter will ja wieder kandidieren. Der wahre Skandal ist also, dass Menschen diese Machenschaften kennen und dennoch weiterhin genau dafür abstimmen (weil sie Angst haben?).

      Alle, die das tun, sind im Grunde mitveranwortlich. Demokratie heißt nicht: Irgendeine:r wird es schon richten für uns alle. Sondern sie heißt: wir sind alle verANWORTlich.

    7. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 7 Tagen

      @Gabriele Feile ich seh es auch schon etwas differenzierter mit etwas Abstand. Schlecht ist, dass Rezo am Anfang wirklich etwas sagt, das nicht stimmt, nämlich, dass der Einsatz von Masken von Anfang an eine unumstrittene, wissenschaftliche Selbstverständlichkeit gewesen wäre. Und schlecht ist auch die Vermischung der Kritik. Vielleicht arbeitet er ja noch nach - das wäre toll.

      Ich weiß nicht, ob wählen das einzige Mittel ist - aber offensichtlich reicht es nicht. Mindestens geht es auch im Journalismus um das andere aufwecken, bevor sie wählen gehen. Und da ist die Beschwerde, der Zorn, die hartnäckige Nachfrage, der informationelle Einsatz eben doch wichtig und richtig.

      Wir sprachen gestern darüber: es gibt doch ein paar Sachen mit der sich der Journalismus gemein machen sollte...Demokratie, Gemeinwohl und die Menschen.

    8. Silke Jäger
      Silke Jäger · vor 7 Tagen

      @Marcus von Jordan Ich fühle mich ein bisschen angesprochen von dieser Diskussion ;) Rezos Video trifft nicht ganz das, was ich mir vorstelle. Ich denke eher an kontrollierte Wut. Wenn ich da mal aus dem Nähkästchen plaudern darf ...

      Alle Wissenschaftskolleg:innen, mit denen ich über Journalismus in der Krise geredet habe, sind sich einig: Teile des Journalismus sind in der Corona-Krise über sich hinausgewachsen, andere haben so weitergemacht, als hätten wir keine, sondern normales Politik-Geschäft. Leider gehören viele etablierte Politikformate zur 2. Gruppe und viele Nischenmedien zur 1. Ich hätte mir gewünscht, dass die großen Formate von den Wissenschaftskolleg:innen lernen, sie ins Boot holen, sie ans Ruder lassen. Es ist wohl offensichtlich, warum das nicht passiert ist.

      Insofern stellt sich die Frage: Wer soll denn eigentlich die Rants schreiben? Es von denen zu erwarten, von denen man sich schon seit Beginn anderes erwartet hatte, ist wohl am Ende naiv. Die Wissenschaftskolleg:innen sind von ihrem Typus her eher kontrolliert. Sie sichern ihre Wut argumentativ eher ab. Und das hat weniger Durchschlagskraft. Zumal die ganze Krise inzwischen viel zu politisiert ist. Weshalb das Ranten eigentlich wieder ein Fall für die 2. Gruppe wäre. Aber ehrlich: Denen kaufe ich es großenteils nicht mehr ab ...

      Vielleicht fehlt vielen der Mut, die Wut öffentlich zu machen. In meinem Fall ist es eher so, dass mir ein bisschen die Kraft fehlt. Ich fühle mich wie eine, die monatelang in einen leeren Eimer gerufen hat und vor allem ihr eigenes Echo hörte. Ich glaube nicht mehr dran, dass irgendjemand durch Journalismus wachgerüttelt wird. Die Leute haben es inzwischen kapiert oder eben nicht. Niemand braucht noch den x-ten Text darüber, dass wir es gründlich verkackt haben.

      Am Anfang habe ich Kommentare geschrieben über zu viel Egoismus, zu wenig Zusammenhalt und zu kurzgreifendes Denken. Und Analysen, warum wir aus früheren Seuchenausbrüchen zu wenig gelernt haben. Ich denke, das hat sich alles inzwischen überholt, weil uns die Wirklichkeit überholt hat. Es geht jetzt nur noch um Schadenbegrenzung. Und darum, wer aufmerksam genug war in der Krise, um im Wahlsommer die Quittungen so schreiben zu können, dass es auch oben richtig weh tut. Da hoffe ich dann schon noch auf die großen Politikformate.

      Der Brexit hat meinen Wortschatz um ein Wort bereichert: underwhelming. Diejenigen, die jetzt so eine unterwältigende Performance abliefern, ihr Amt geringschätzen, es nicht mit der nötigen Demut, sondern unerträglicher Selbstüberschätzung und -bereicherung interpretieren, sollten nicht davonkommen können.

      Darum bange ich im Wahljahr. Dass sie es doch schaffen, weil der Journalismus zu schnell getaktet ist. Und die Wut, die jetzt viele haben, verraucht, vielleicht, weil man keine Kraft mehr dafür hat. Ich wünsche mir, dass es kontrollierte Wut hagelt in den nächsten Monaten. Noch und nöcher ...

    9. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 7 Tagen

      @Silke Jäger super Nähkästchen das Silke: vielen Dank!
      Ich wünsche mir das auch.
      Und vielleicht können ja ein paar unkontrollierte Wutausbrüche auch Mut machen dabei, kontrolliert wütend zu bleiben.

    10. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 7 Tagen · bearbeitet vor 7 Tagen

      @Marcus von Jordan Lobos offenen Brief an Laschet hast du wahrscheinlich schon gesehen, oder? https://www.spiegel.de...

    11. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor 7 Tagen

      @Gabriele Feile ja danke.

    12. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · vor 6 Tagen

      möchte mich hier auch anschließen: so wie mir oft die echte Begeisterung und Mut zur Utopie fehlt heutzutage - so fehlt mir bei wichtigen Themen auch häufig die .... Wut will ich es jetzt mal nicht nennen wegen der Assoziation zum Wutbürger ... die gerechte Empörung! (Die Panik wie es Greta Thunberg beim thema Klimakrise formulierte).
      ich glaube das liegt meist daran dass wir gelernt haben uns zu beherrschen (so banal das klingt) und so realistisch sein wollen. Was ja auch an sich nichts schlechtes ist :-).
      und da dauert es halt eine ganze Weile bis man sich aufraffen kann - oder es aus/f-bricht. Und wie so oft verlieren die als erste ihre Beherrschung die sie entweder nie richtig hatten oder ihre Empörung nicht so gut durch Worte kompensieren können. (Habe ich gerade die neuen Wutbürger und Coronaleugner auf ihren superspreader-Querdenker-Demos beschränkt und unzivilisiert genannt? ähm). Prof. Brinkmann hat ihrer Empörung bei Lanz dann jetzt doch gut gezündet. und es bräuchte jetzt schon mal Politiker°innen die mal Tacheles reden: seltsamerweise hatte Merkel die Chance dazu nach ihrem MeaCulpa und angesichts der Tatsache dass sie eigentlich nichts mehr zu verlieren hat.
      und wie stark könnte das wirken, gerade bei einer Person die eben nicht wie viele andere Politiker zwischen rhetorischem Ausweichen und rhetorischen Pathos hin und her schwirrt.

    13. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor 6 Tagen · bearbeitet vor 6 Tagen

      @Cornelia Gliem Genau, um wirklich Tacheles zu reden, darf man scheinbar nichts (mehr) zu verlieren haben. Und wer hat das schon in der Politik und in den Politikredaktionen? Rezo hat nicht viel zu verlieren, denke ich mal. Er gewinnt durch solche Aktionen.

    14. Christoph Zensen
      Christoph Zensen · vor 5 Tagen

      @Gabriele Feile Politikredakteur:innen können sich leider nur über so Sachen, wie die K-Frage oder den Zustand der SPD empören.

      Bei allen anderen Themen hat die Hajo-Friedrich-Lehre nur graues Ödland hinterlassen.

    15. Christoph Zensen
      Christoph Zensen · vor 4 Tagen · bearbeitet vor 4 Tagen

      @Gabriele Feile "Genau, um wirklich Tacheles zu reden, darf man scheinbar nichts (mehr) zu verlieren haben. Und wer hat das schon in der Politik und in den Politikredaktionen?"

      Danke für die Inspiration. Ich habe gerade einen Piq zu diesem Thema geschrieben:
      https://www.piqd.de/me...

    16. Der Barde Ralph
      Der Barde Ralph · vor 5 Tagen

      Ich danke ihnen sehr für diesen Kommentar, bringt er das zum Ausdruck was ich auch denke.
      Diese Aufregung verstehe ich auch nicht.
      Es ist das was schon immer abläuft und abgelaufen ist.
      Ein Generationen Konflikt.
      Viele vergessen einfach, dass sie in ihrer Jugend auch eine eigene Sprache hatten und freue mich riesig, wenn jetzt etwas aufbricht, was längst überfällig ist.
      Der Aufstand der Jugend gegen die " Alten".
      Ein heilsamer und unbedingt nötiger Prozess für die Weiterentwicklung einer Gesellschaft.
      Wir brauchen dringend wieder so etwas wie die 68er, diese Bewegung hat seinerzeit auch den gesellschaftlichen Stillstand beendet.

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