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Causa Relotius: Hinweis in alten piqs
Frederik Fischer
Sub-, Pop- und Netzkulturkorrespondent
Zum piqer-Profil
piqer: Frederik Fischer
Donnerstag, 20.12.2018

Causa Relotius: Hinweis in alten piqs

Wenn man auf piqd nach "Relotius" sucht (man kann übrigens ganz fantastisch auch nach vielen anderen Wörtern suchen - zieh dich warm an, Google!) fällt auf: Über kaum ein anderes Thema wurde in diesem Jahr intensiver diskutiert. Auf den zweiten Blick und nach den vielen aktuellen Beiträgen zum Skandal, fällt aber auch auf: Relotius war Stammgast auf piqd - als empfohlener Autor. Zehn Reportagen von ihm, finden sich in unserem Archiv und alleine die Überschriften sind fast immer das was sie letztendlich waren: Zu gut, um wahr zu sein. Gut, rückblickend ist man immer schlauer. Ich erwarte von unseren piqern nicht, dass sie die Reportagen gründlicher nachrecherchieren als die vielköpfige Spiegel-Dokumentation.

Wir haben jetzt dennoch intern, auch auf Hinweis unseres piqer Fabian Goldmann, diskutiert, wie wir mit diesen piqs verfahren sollen und haben uns dazu entschieden, die piqs nicht zu löschen, sondern mit folgendem Hinweis zu versehen: 

Im Dezember 2018 ist bekannt geworden, dass Claas Relotius, der Autor des hier empfohlenen Textes, eine Reihe von Reportagen zu großen Teilen erfunden hat. Zum Hintergrund der Causa Relotius (verlinkt).

Wir sind natürlich offen für andere Ideen und freuen uns eh immer auf den Austausch mit euch. Diskutiert gerne mit uns, über das richtige(re) Vorgehen in Fällen wie diesen. 

9,3
27 Stimmen
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Kommentare 14
  1. Daniela Becker
    Daniela Becker · Erstellt vor 3 Monaten · Bearbeitet vor 3 Monaten

    Was spricht gegen löschen? Oder zumindest vorerst ausblenden bis die Redaktionen die einzelnen Texte geprüft haben?

    1. Alexander Sängerlaub
      Alexander Sängerlaub · Erstellt vor 3 Monaten · Bearbeitet vor 3 Monaten

      Ich bin für stehen lassen – der Disclaimer ist doch gut – und wenn die Redaktionen die Texte "debunked" haben, gerne auf die Texte verlinken, die Wahrheit mit Fiktion abgleichen – dann kann man sich ein konkretes Bild vom Ausmaß machen.

    2. Daniela Becker
      Daniela Becker · Erstellt vor 3 Monaten · Bearbeitet vor 3 Monaten

      @Alexander Sängerlaub Das war nicht als Vorwurf gemeint, sondern wirklich als Frage, warum sich dagegen entschieden wurde. Einerseits ist es interessant, die Texte nochmal anzusehen. Die NZZ hat beispielsweise ein Interview rausgekramt, bei dem bereits 2014 schon eine Leserin kommentiert hat, dass die Sache nicht stimmen könne und den Link aktiv auf Twitter und damit seit gestern viele Klicks (auch meinen) und Leserkommentare erzielt. Das heißt mit dem Skandal werden jetzt nochmal Klicks und Traffic erzielt. Das SZ Magazin hat eine Pressemitteilung verschickt, dass sie die zwei manipulierten Interviews von der Seite nimmt. Ich bin zwiegespalten, aber die Variante von der SZ fühlt sich für mich korrekter an.

    3. Alexander Sängerlaub
      Alexander Sängerlaub · Erstellt vor 3 Monaten · Bearbeitet vor 3 Monaten

      @Daniela Becker Ich habe das auch als Frage gelesen – nicht als Vorwurf. :) Ich glaube was Journalismus heute dringend braucht, ist Transparenz. Wie funktionieren Arbeitsprozesse, wie entstehen Texte, was führt vielleicht auch heute mehr zu Fehlern als früher?

      "Löschen" ist dabei das direkte Gegenteil von Transparenz. Ich finde jedes Medium sollte sich nun die Mühe machen, die Texte noch einmal durchzugehen und versuchen zu rekonstruieren, was richtig und was falsch war. Und auch überlegen, warum die Faktenprüfung im Haus versagt hat. Es trifft natürlich den SPIEGEL am heftigsten, aber SZ, FAS, Welt, Zeit, NZZ, etc. sind auch betroffen – und waren genauso dem Schwindel aufgesessen. Einen offenen, transparenter Umgang finde ich daher wesentlich besser, als die Texte einfach zu löschen.

    4. Daniela Becker
      Daniela Becker · Erstellt vor 3 Monaten · Bearbeitet vor 3 Monaten

      @Alexander Sängerlaub Nehmen wir an, ein rechtspopulistisches Medium schreibt eine Geschichte über eine geflüchtete Familie, die im Sozialsystem betrügt. Dann stellt sich raus, die Protagonisten sind erfunden. Fände man da gut, die Geschichte stehen zu lassen? Ich glaube, in so einem Fall würde man eher fordern, den Text zu löschen und ausschließlich die Gegendarstellung und die Korrekturen online zu stellen.

    5. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · Erstellt vor 3 Monaten · Bearbeitet vor 3 Monaten

      @Daniela Becker Wir haben das diskutiert und für beide Vorgehensweisen gute Argumente gefunden. Letztendlich kamen wir aber auch zu dem Schluss, das Transparenz schwerer wiegt, als der Umstand Falschinformationen im Netz zu lassen und ein paar Klicks zu produzieren. Insbesondere im Kontext piqd, ist es nahezu ausgeschlossen, dass die LeserInnen den Hinweis überlesen. Wir haben ihn an den Beginn des piqs gestellt. Wer sich dann aus welchen Gründen auch immer dazu entschließt den Text zu lesen, tut dies unter der Prämisse, dass es sich um Falschinformationen handelt. Selbst bei deinem Beispiel oben, wäre ich so verfahren. Insbesondere in dem Fall. Mitunter traurig am Fall Relotius ist ja, dass er eben offensichtlich gar keine Agenda verfolgte außer der, zu gefallen. Wäre er ein populistischer Stimmungsmacher gewesen, wäre die Geschichte längst keine so schöne Bestätigung für die Lügenpresse-Rufer.

    6. Daniela Becker
      Daniela Becker · Erstellt vor 3 Monaten · Bearbeitet vor 3 Monaten

      @Frederik Fischer Interview mit Michele Anderson aus Fergus Falls: "Wir würden es schätzen, wenn die Geschichte unserer Stadt korrigiert würde. Und diese falsche Geschichte verschwindet, schon allein allein aus Rücksicht auf deren Protagonisten. Wenn man bei Google deren Namen eingibt, stößt man bis heute auf all diese Lügen." PDF S. 24
      http://www.spiegel.de/...

    7. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · Erstellt vor 3 Monaten ·

      @Daniela Becker Hm, aber das ist doch hier evident anders. Selbst wer über Google zu unseren piqs findet wird eben zuallererst mit dem Warnhinweis konfrontiert.

  2. Fabian Goldmann
    Fabian Goldmann · Erstellt vor 3 Monaten · Bearbeitet vor 3 Monaten

    (Y)

  3. Reinhard Graeff
    Reinhard Graeff · Erstellt vor 3 Monaten · Bearbeitet vor 3 Monaten

    Ich denke, es handelt sich um ein systematisches Problem: angesichts der vielfachen Verdrossenheit über die Berichterstattung über die und zu den immer gleichen Haupt- und Staatsaktionen mit dem Personal, das so viele nicht mehr sehen mögen, geschweige denn die so vorhersehbaren Äußerungen lesen mögen - angesichts dessen ist alles, was von Lebenswelten "normaler" Leute handelt, schon mal hochwillkommen. Und dann kann ich mir vorstellen, dass es einfach nahe liegt, Geschichten weiter zu spinnen. Das muss ja auch nicht unbedingt gelogen sein, es hätte ja so sein sein können oder so weiter gehen können.
    Und da hilft dann auch keine SPIEGEL-Dokumentationsabeilung.
    Interviewpartner erfinden und dergleichen steht auf einem anderen Blatt ...

    1. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · Erstellt vor 3 Monaten · Bearbeitet vor 3 Monaten

      Ich bin ganz bei dir, dass Alternativen zu dem immergleichen, erkenntnisarmen Verlautbarungsjournalismus willkommen (und notwendig) sind. Aber Geschichten weiterzuspinnen und mit etwas Fiktion aufzuhübschen, ist zutiefst unjournalistisch. Da bin ich altmodisch:) Gerade in Zeiten von "Lügenpresse"-Generalverdacht kann sich Journalismus als Institution so etwas nicht erlauben. Ich glaube auch gar nicht, dass so etwas notwendig ist. Geschichten, in denen sich nicht alles wunderbar fügt und die sich lesen wie Literatur, sind doch spannend. Die Welt ist komplex und diese Komplexität kann man LeserInnen ruhig zumuten. Ich vermute, die goutieren das. Für alle anderen gibt es immer noch unzählige fantastische Bücher und Kurzgeschichten.

    2. Reinhard Graeff
      Reinhard Graeff · Erstellt vor 3 Monaten · Bearbeitet vor 3 Monaten

      @Frederik Fischer Da widerspreche ich Dir nicht. Aber es muss verstanden sein, was passiert ist - in die Richtung zielt mein Kommentar.

    3. Alexander Sängerlaub
      Alexander Sängerlaub · Erstellt vor 3 Monaten · Bearbeitet vor 3 Monaten

      @Reinhard Graeff Die Antworten dazu gibt es als Konzepte ja bereits – constructive journalism zum Beispiel. Nur man kämpft da auch an vielen Stellen gegen Windmühlen und alte Lehren. Da wird wohl auch erst der Generationenwechsel in den Redaktionen helfen, aufgeschlossener für eine Weiterentwicklung des Journalismus zu werden.

  4. Christian Gesellmann
    Christian Gesellmann · Erstellt vor 3 Monaten · Bearbeitet vor 3 Monaten

    Nächstes Jahr Piqd Salon in Ferguson Falls! :) https://medium.com/@mi...