Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge - um den Dienst bereitzustellen, Seitenzugriffe zu analysieren und auch um Werbung zu personalisieren. Informationen über die Nutzung von piqd werden dabei auch an Dritte weitergegeben.

Osteuropa

Ukraine-Krise

Seit Anfang der Ukraine-Krise im November 2013 haben die gewaltsamen Auseinandersetzungen in dem nach Russland zweitgrößten Staat Europas über 9.000 Tote gefordert. Obwohl seit Februar 2015 offiziell Waffenruhe gilt, kommt es immer wieder zu schweren Gefechten. Die UNO hat im März 2016 darauf hingewiesen, dass die Konflikte im Osten des Landes nach wie vor das Leben aller ukrainischen Bürger schwer belasten. Es sind jedoch nicht nur die kriegsähnlichen Zustände, sondern auch Korruption, Willkür der Justiz und innerpolitische Konflikte, die den Staat in Richtung Ruin treiben. Unsere Experten des Netzwerks für Osteuropa-Berichterstattung n-ost liefern euch nicht nur aktuelle News, sondern beleuchten für euch auch die Chronologie und die komplexen Gründe der Ukraine-Krise.

Weitere Informationen zum Thema Ukraine-Krise

Die Ukraine-Krise stellt sich heute als bewaffneter Konflikt zwischen prorussischen Separatisten auf der einen und ukrainischen Militäreinheiten auf der anderen Seite dar. Begonnen hat sie allerdings mit Massenprotesten in der Ukraine gegen die frühere Janukowitsch-Regierung im Jahr 2013. Angeheizt wurde die Ukraine-Krise schließlich durch die Annexion der Krim-Halbinsel durch Russland im März 2014. Die erste Waffenruhe wurde im September 2014 auf der Basis des Minsker Abkommens (Ukraine, Russland, OSZE) ausgerufen, sie blieb aber seither brüchig.

Schritte der Eskalation verstetigten ab Februar 2014 die Ukraine-Krise, Zentren waren die ostukrainischen Oblasten Luhansk und Donezk. Dort sammelten sich aus historischen Gründen die prorussischen Kräfte, viele der Bewohner sprechen Russisch und fühlen sich seit Sowjetzeiten eigentlich Russland zugehörig. Die prorussischen Kräfte möchten Donezk und Luhansk als proklamierte “Volksrepubliken” von der Ukraine abspalten. Russland unterstützt diese Bestrebungen mehr oder weniger offen, was die Ukraine-Krise ohne Aussicht auf Entspannung verschärft. Weitere betroffene Städte sind Charkiw, Odessa und Mariupol, hier konnte die ukrainische Regierung allerdings die Lage beruhigen.

Nach Einschätzung von Beteiligten und unabhängigen Experten sind verdeckte russische Sondereinheiten für das Andauern der militärischen Handlungen und damit das Fortdauern der Ukraine-Krise verantwortlich. Selbst Kommandanten solcher Einheiten, die sich anonym gegenüber Journalisten äußerten, schätzen ein, dass ohne ihre Beteiligung die Ukraine-Krise bald enden könnte. Die Donbass-Bewohner sind nach solchen Einschätzungen nicht nachhaltig am militärischen Konflikt interessiert, der sie sehr belastet. Russland lässt jedoch nicht nur Freischärler einsickern, es unterstützt auch prorussische Militärs in der Ukraine mit schweren Waffen.

Inzwischen hat die Ukraine-Krise vor allem in der Ost-Ukraine zu einer Atmosphäre der Angst geführt. Tötungen, Folterungen und weitere Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung, wobei internationale Beobachter keine Seite frei von Schuld sprechen. Allerdings haben die prorussischen Milizen inzwischen in einigen Regionen eine Terrorherrschaft errichtet. Dazu gehören auch Freiheitsberaubungen und Entführungen, wodurch inzwischen mehrere Hunderttausend Menschen auf der Flucht sind. Betroffen sind auch vollkommen unbeteiligte Personen, so die 298 Insassen des Malaysia-Airlines-Flug 17, der im Sommer 2014 über der Ost-Ukraine abgeschossen wurde.

Nach dem Minsker Abkommen vom September 2014 sollte ein Waffenstillstand in Kraft treten und damit die Ukraine-Krise wenigstens militärisch entschärfen. Er wurde jedoch so oft verletzt, dass seither mehrere Tausend Todesopfer (Militärs und Zivilisten) zu beklagen sind. Die OSZE verwies schon ab Januar 2015 in unüblicher Deutlichkeit darauf, dass die prorussischen Separatisten die Hauptverantwortung für den andauernden militärischen Konflikt tragen. Russland verweigerte gar den OSZE-Beobachtern die in Minsk vereinbarte Überwachung der ukrainisch-russischen Grenze. Ein erneuerter Waffenstillstandsvertrag (Minsk II) wurde im Februar 2015 geschlossen, auch dieser wird nicht eingehalten. OSZE-Beobachter verweisen darauf, dass es noch keinen Tag ohne Feuergefechte seit Beginn der Ukraine-Krise gegeben habe.

Ihren Anfang hatte die Ukraine-Krise durch die Absetzung des bis Anfang 2014 amtierenden Präsidenten Janukowytsch genommen, der sofort unter russischen Schutz gelangte. Russland bezeichnete seine Absetzung als illegal, was die politische Basis für die Ukraine-Krise bildete. Erst dadurch konnten sich prorussische Kräfte sicher genug fühlen, um den Konflikt auch militärisch anzuheizen. Das ukrainische Parlament reagierte nach den nachfolgenden Wahlen ebenfalls nicht ausgleichend, russlandfreundliche Parteien verloren ihren Einfluss und gingen in die Opposition, selbst eine Herunterstufung des Status von Russisch als zweite Amtssprache in einigen Landesteilen hatte das Parlament beschlossen. Das Änderungsgesetz hierzu scheiterte am Veto des Übergangspräsidenten Olexander Turtschynow, jedoch verschärften solche Schritte auch von ukrainischer Seite aus die Ukraine-Krise.