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Medien und Gesellschaft

Patrick Breitenbach
Head of Innovation bei ZDF Digital
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piqer: Patrick Breitenbach
Sonntag, 20.01.2019

Wie eine Selbstverständlichkeit wie "Nazis raus" von Journalisten zerschrieben wird

Wir schreiben das Jahr 2019 und wenn man die Überschrift "Nazis rein" bei Google eingibt, erhält man mindestens drei Schlagzeilen von anerkannten deutschen Medienhäusern mit exakt diesem Wortlaut. Wer hätte das gedacht? Margarete Stokowski listet in ihrer Kolumne auf welche Medien und Autoren in diesem Land plötzlich ein scheinbar so klares Signal gegen Rechtsextremismus und -populismus plötzlich mit solch einer Inbrunst anzweifeln. Anlass war übrigens - das muss man sich erneut vor Augen führen - Morddrohungen gegenüber einer Journalistin, die "Nazis raus" getwittert hatte.  Als in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Welle rechter Gewalt das Land erschütterte, wurde jedenfalls nicht öffentlich darüber weitschweifig philosophiert, ob der Ausdruck "Nazis raus" logisch/politisch korrekt sei, den Holocaust verharmlose und damit überhaupt eine Daseinsberechtigung habe. Offenbar herrschte damals in der Gesellschaft ein breiter Konsens darüber, dass dieser Demo-Slogan (mehr ist es ja nicht) einfach nur ein Statement von Menschen ist, die sich von rechtsextremen, rechtsradikalen und rassistischen Gedankengut im öffentlichen Raum deutlich distanzieren. Es war vor 20 Jahren noch selbstverständlich, dass nationalsozialistisches Gedankengut keinen Platz in der deutschen Nachkriegsgesellschaft hat; nicht in den Institutionen (siehe Frankfurter Polizei), nicht im Parlament und auch nicht in den Medien. Es käme ja heute auch niemand auf die Idee "Terroristen raus" differenziert betrachten zu wollen und dennoch bietet das Land Aussteigerprogramme für Terroristen an. Man kann sich natürlich darüber streiten, ob die Verwendung des Begriffs "Nazi" nicht oftmals zu schnell erfolgt, doch dazu bedarf es sicherlich keiner Headline wie "Nazis rein", die von lupenreinen Neonazis feixend als kleiner Teilsieg in ihren WhatsApp-Gruppen geteilt werden. Es wird dadurch erreicht, eine bis dato geltende Selbstverständlichkeit wie "Nazis raus", komplett in Frage zu stellen. 

Wie eine Selbstverständlichkeit wie "Nazis raus" von Journalisten zerschrieben wird
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Kommentare 11
  1. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · Erstellt vor 5 Monaten ·

    Das Problem ist, dass der Begriff "Nazi" wie er aktuell an jeder Ecke gespielt wird, eben ein wachsweicher, höchst ungefährer und dümmlich pauschalisierender ist. Die einen suchen sich aus, wenn sie dazu rechnen und die anderen, ob sie sich angesprochen fühlen.
    Wie weit rechts neben mir fängt "Nazi" an? Wie weit rechts von mir, will ich noch gehört werden, bzw. bin ich noch bereit zu kommunizieren?
    Ich jedenfalls hatte nicht den Eindruck, dass der von mir durchaus höchst ungemochte Fleischhauer findet, dass jetzt 20 Jahre später nationalsozialistisches Gedankengut wieder einen Platz in unserer Gesellschaft haben sollte.

    1. Patrick Breitenbach
      Patrick Breitenbach · Erstellt vor 5 Monaten ·

      Ja, ich verstehe durchaus die Thematik der inflationären Verwendung des Begriffes "Nazi". Darüber kann und sollte ausgiebig diskutiert werden. Dazu muss ich aber doch nicht gleich ein gesamtes Statement wie "Nazis raus" komplett in Frage stellen und dies dann auch noch per Überschrift komplett umkehren. Wir sollten doch langsam wissen wie soziale Medien funktionieren, ein sozialer Raum in dem Headlines und Snippets dominieren und Ironie stets ins Leere läuft.

      Ich unterstelle Fleischhauer nicht, dass er bewusst nationalsozialistisches Gedankengut einen Platz in der Gesellschaft geben will. Ich sage nur, dass er durch sein provokantes Verhalten das billigend in Kauf nimmt. Gerade wenn jemand über mangelndes Feingefühl bei der Verwendung von Sprache und Begrifflichkeiten aufgebracht ist, sollte man doch erwarten können, dass derjenige selbst wenigstens darauf achtet. Ansonsten würde es ja auch gar keine Rolle spielen, ob man "Nazis raus" oder "Nazis rein" auf der Straße brüllt. Doch nichts anderes tut Fleischhauer. Er brüllt "Nazis rein", auch wenn er vielleicht etwas ganz anderes damit meint und damit ja nur eine "differenzierte" Debatte anstoßen möchte. Headlines sind aber wie Slogans.

      Und was bedeutet das am Ende des Tages? Wir disziplinieren uns dazu ein klares, wenn auch plakatives und nicht besonders ausdifferenziertes Bekenntnis gegen (neo)nationalsozialistisches Gedankengut aufzugeben, nur weil manche Menschen zu Unrecht als "Nazi" bezeichnet werden könnten? Und Menschen die "Nazis raus" formulieren, dürfen mit Recht plötzlich mit Mord und Vergewaltigung bedroht werden, weil sie einfach nicht darauf achten, wen sie damit alles zu Unrecht meinen könnten?

      Die Debatte ist übrigens nicht ganz neu. In der Vergangenheit wurden einige Mitglieder von demokratischen Parteien ebenfalls als Nazis tituliert oder gar geohrfeigt. Dann konnte man sich mit dem jeweiligen Fall diskursiv auseinander zu setzen. Aber niemand wäre damals auf die Idee gekommen den grundsätzlichen Ausgrenzungsmechanismus von nationalsozialistischen Ideen und Haltungen per se und prophylaktisch in Frage zu stellen. "Nie wieder Faschismus" und "Wehret den Anfängen" lautete der gesellschaftliche Konsens. Daran kann man diskursiv kratzen, nur muss man sich dann nicht wundern wenn sich durch solche überschwenglichen Umarmungen rechtsextremes Gedankengut eher verstärkt als reduziert.

      Wer Rechtsextremismus ernsthaft verringern will muss sich stets klar von den Ideen distanzieren und gleichzeitig offen sein für Menschen, die den Ideen nicht mehr folgen wollen. So wie wir grundsätzlich im Rechtsstaat Terrorismus und Kriminalität begegnen. Wir lehnen Terrorismus und Kriminalität ab und gewähren allen Tätern eine Chance auf Resozialisierung. Dabei muss aber glasklar kommuniziert sein, dass weder für Kriminalität noch für Terrorismus ein Platz in dieser Gesellschaft ist.

      Karl Popper hat dazu zwei Slogans formuliert: "Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren" und "Lasst Ideen sterben, nicht Menschen!".

      Bei den gelisteten Artikeln werden meines Erachtens erstmal die Ideen verteidigt, damit nicht so viele Menschen dadurch zu Unrecht ausgegrenzt werden. Diesen Ansatz halte ich einfach für grundfalsch und auf Dauer für brandgefährlich.

    2. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 5 Monaten ·

      @Patrick Breitenbach Vorab: ich ertrage Fleischhauers "Nazis rein" auch nur schwer und es war nicht notwendig, um eine entsprechende Kritik zu platzieren. Ich hätte diesen Header niemals freigegeben. Aber auch deine Aussage, er würde billigend in Kauf nehmen, dass nationalsozialistisches (!!!) Gedankengut einen Platz in unserer Gesellschaft bekommt, halte ich für völlig unhaltbar.

      Deine Kritik im ersten Absatz deines Kommentars muss ja fairerweise für beide Seiten gelten. Also auch die Verwender des #NazisRaus müssten wissen wie plakativ und polarisierend social media ist und wie wenig fruchtbar es ist, das zu bedienen.
      Es ist etwas anderes, ob man einen Neonazi auf der Strasse entgegenbrüllt "Nazis Raus!" oder ob man das als unklares, nicht definiertes, nicht zugeordnetes Statement in den virtuellen Raum bläst.

      Ich bitte mal folgende Möglichkeit zu bedenken, nämlich dass es vielleicht dem einer oder anderen Verfasserin dieser Beiträge, die Frau Stokowski hier auflistet, nicht etwa darum geht "tatsächliche Nazis" (oder eben alle, die man unter so einem Label kategorisieren will) vor ungerechtfertigter Ausgrenzung zu schützen, sondern darum davor zu warnen, dass jeder irgendwie Linke in diesem Land sich dreinfindet, dass alles rechts von ihm halt irgendwie "nazi" ist und er deshalb nach rechts nicht mehr kommunizieren müsste.

      Diese Beiträge waren keine Reaktion auf Frau Diekmann und auch nicht auf die Solidaritätsbekundungen in ihre Richtung und nicht auf die rechten Pfosten, die sie so schrecklich angegangen sind. Sondern eine Reaktion auf eine massenhafte, impulsive, nicht definierte, den applausknopfdrückende, polarisierende Pseudostellungnahme.

      Ich jedenfalls will keine "Nazis" schützen und sie auch nicht rechtfertigen oder nicht ausgrenzen. Aber ich will diesen Kampfbegriff sicher auch nicht benutzen, um es mir in meiner Besserartigkeit gemütlich zu machen und nicht mehr drüber nachzudenken, mit wem rechts von mir ich mich wie auseinandersetzen muss. Rechts von mir sind nämlich sehr viele und ich glaube sehr wenige davon sind "Nazis" - das ist vielleicht der springende Punkt.

    3. Jens Müller
      Jens Müller · Erstellt vor 5 Monaten ·

      @Marcus von Jordan @Marcus von Jordan Ohne die Diskussion nochmal zu starten, eines hat Patrick Breitenbach zu Recht aufgezeigt. Vor 20 Jahren hatte es diese Diskussion, ob "Nazis raus" und in welcher Form angebracht ist, nicht gegeben. Und das irritiert mich nachwievor und sehe ich kritisch. Mir erscheint das ein wenig zu akademisch. Es mögen wenige von denen richtige Nazis sein, aber da ist echt was in Bewegung gekommen und viele liebäugeln. Diese Bewegung macht es letztlich auch schwer, das Potential einzuschätzen. Wegen unserer Vergangenheit mache ich es mir dann vielleicht zu leicht. Aber das finde ich vor diesem Hintergrund nicht schlimm und das hatten wir schon ... ;)

    4. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 5 Monaten ·

      @Jens Müller Könnte da noch tagelang drüber streiten, ich finde es sehr interessant und extrem wichtig.

      Also ich weiß nicht, ob das stimmt...ich kann mich erinnern, dass es diese Debatte, ob "Nazis raus" nicht methodisch identisch ist mit "Ausländer raus" schon in den 80ern gab. Ich meine mich sogar zu erinnern, dass Erich Fried sich mal so geäußert hat, aber ich müsste das recherchieren.

      Ich glaube nicht, dass sich das geändert hat, sondern geändert hat sich, dass jetzt eben in kürzester Zeit tausende extrem öffentlichkeitswirksam "Nazis raus" publizieren können. Nicht einer sprüht es an die Wand, sondern sozusagen tausende konzertiert an tausende Wände. Und nicht eine konkrete Gruppe ist auf eine Demo gegangen, um es einem konkreten Adressaten entgegenzurufen, sondern eine diffuse Gruppe brüllt es einer anderen diffusen Gruppe entgegen. Unkonkret. Aus dem Sessel. Das Lifestyle-Accessoire "nicht-Nazi". Platt. Allgemein. Polarisiert. Schwarz. Weiß. Laut. Und immer mehr Betrachterinnen haben das Gefühl sich für die eine oder die andere Seite des Grabens entscheiden zu müssen.

    5. Patrick Breitenbach
      Patrick Breitenbach · Erstellt vor 5 Monaten ·

      @Marcus von Jordan Ja, Social Media ermöglicht es allen Menschen jede Menge Quatsch zu schreiben. Im Vergleich zu handfesten Gewalt- und Morddrohungen ist "Nazis Raus" da für meine Begriffe noch relativ harmlos. Aber auch das legitimiert nicht die inflationäre Benutzung des Nazi Begriffes. Und geht es wirklich allen Journalisten, die in die Richtung geschrieben haben darum? Es werden ja ganz unterschiedliche Dinge angeführt. Mal verharmlose es die Opfer der NS Zeit, mal argumentiert man spitzfindig mit dem Grundgesetz oder fragt sich einfach nur sturznaiv "Ja wohin denn eigentlich raus?". In Summe wirkt das auf mich wie die Abschaffung des einst gesetzten klaren Konsens.

      Und nur weil etwas falsch oder unverhältnismäßig angewendet wird (ich meine hier explizit nur die Verwendung des Slogans, ohne verbundene konkrete Gewaltdrohung etc.), muss man doch nicht plötzlich das Gegenteil für richtig proklamieren und Headlines wie "Nazis rein" produzieren, nur um der Provokation willen oder weil man plötzlich alles mal so richtig differenziert betrachten möchte. Denn das tun Neonazis, Rassisten und Faschisten auch nicht. Sie wettern gegen Political Correctness in jeder Form. Sie machen sich lustig darüber wenn Sprache Gewalt ausdrückt. Und ausgerechnet "Nazis raus" ist jetzt DER große sprachliche Gewaltakt in unserer Gesellschaft? Sorry, dem kann ich gedanklich einfach nicht mehr folgen.

      Können wir uns wenigstens darauf einigen, dass wir Nazis (im Sinne von Neonazis, also Anhängern und Sympathisanten von nationalsozialistischem Gedankengut) in einer freien und offenen Gesellschaft rigoros ablehnen und dass "Nazis raus" bisher im Diskurs ein verbindender Slogan dagegen war, der damals nicht dermaßen öffentlichkeitswirksam kritisch hinterfragt wurde? Er war nicht klüger oder differenzierter, aber er war einfach vom Gefühl her Konsens.

      Ja, Ausgrenzung ist immer ein soziologisches Druckmittel. So wie wir Pädophilie, Mord, Terror, sexuelle Gewalt etc. gesellschaftlich ächten und ausgrenzen wollen. Wie gesagt, niemand würde "Terroristen rein" proklamieren, weil das ein klarer gesellschaftlicher Konsens ist, den niemand in zig Kolumnen kritisch hinterfragen würde, obwohl man das durchaus auch könnte. Sind ja auch nur Menschen mit entsprechender Biografie und diversen Radikalisierungsmechanismen. Und selbst für diese Menschen bietet unsere Gesellschaft Aussteiger- und Resozialisierungsprogramme. Aber das sind alles Extremisten und Islamisten und der Islam gehört ja auch nicht so wirklich zu Deutschland, aber Nazis plötzlich schon?

      Wieso also sind Journalisten plötzlich beim klaren Nazibegriff (ich rede weder von "rechts" noch von "konservativ" oder gar "rechtspopulistisch") so tolerant geworden? Das interessiert mich wirklich.
      Ist es die Angst davor auch mal irgendwann als Nazi benannt zu werden, weil man die Flüchtlingspolitik kritisiert? Will man Menschen, die unter Naziverdacht geraten vor Ächtung schützen? Ich verstehe einfach nicht die Motive sich mit solch einer Inbrunst auf dieses Thema (was noch nicht mal ein brisantes ist, sondern lediglich ein waberndes Gefühl) zu werfen, während die "NSU 2.0" ganz konkret und handfest aus einer staatlichen Behörde heraus Menschen mit dem Tod bedroht. Das geht mir einfach nicht in den Kopf. Vielleicht weil ich das eher im politischen Gesamtzusammenhang sehe und nicht auf der sprachlichen Mikroebene?

    6. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 5 Monaten ·

      @Patrick Breitenbach wir können uns auf ganz viel einigen und damit das klar gesagt ist: ich hätte Hemmungen hier schriftlich zu fixieren, wie bedingungslos und total ich mir Widerstand gegen "echte" Nazis, gegen Faschisten, gegen Menschen und Ideen, die andere kollektiv abwerten und ihnen ihre Grundrechte absprechen, vorstelle.

      Dämlich fand ich sprachliche Spitzfindigkeit mit dem "wohin den raus?" und auch die "Aufforderung zum Gesetzesbruch" ist Schrott und ich habe ja auch so nicht argumentiert. Mit Döpfners Argument, dass so ein pauschaler, diffuser Kampfbegriff den historischen Nationalsozialismus verharmlost, kann ich schon etwas anfangen und habe mich gewundert, dass Margarete Stokowski das gar so pauschal abgewettert hat. Ist aber auch nicht mein Punkt gewesen.

      Was "Neonazis, Rassisten und Faschisten" tun, kann ja nun nicht die benchmark unseres Verhaltens sein oder? Wir wollen doch etwas anders machen. Wir wollen doch wirklich besser sein. Können wir nicht eine Verantwortung für die Debatte übernehmen und dafür dass Gesellschaft nicht immer weiter polarisiert UND uns gegen Neonazis, Faschos und alle anderen Feinde einer offenen, pluralistischen Gesellschaft stellen? Brauchen wir auch schwarz und weiß so wie die?

      Wer hat gesagt, dass Nazis jetzt zu Deutschland gehören? Wo steht das? Ich höre das nicht aus den gelisteten Beiträgen gegen den #NazisRaus. Ich höre: passt auf, dass ihr nicht die Falschen erwischt, passt auf, dass ihr gesprächsfähig bleibt für alle, die vielleicht rechts von euch sind, aber eben keine "Nazis".

      Du fragst, ob man manche Journalistinnen vielleicht Angst haben, selber als Nazis dazustehen oder kategorisiert zu werden, weil sie etwas (vielleicht notwendiges) Kritisches über Flüchtlingspolitik geschrieben haben? Wahrscheinlich liegst du richtig. Ich halte das für ein realistisches und sehr schlechtes Szenario. Ich meine zu sehen, wie der Graben ständig tiefer und breiter wird und, nochmal, wie immer mehr Menschen meinen, sie müssten sich entscheiden für eine Seite.

    7. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 5 Monaten ·

      @Marcus von Jordan ...und danke für den guten Austausch mal an der Stelle und herzlich willkommen bei piqd!

    8. Patrick Breitenbach
      Patrick Breitenbach · Erstellt vor 5 Monaten ·

      @Marcus von Jordan Danke für die lebendige Diskussion. Aber ich denke, ich habe meine Sicht nun ausreichend zu dem Thema dargelegt.

      Noch einmal auf einen Satz zusammengefasst:

      Nur weil manche Menschen zu Unrecht als Nazis tituliert werden, muss man nicht indirekt(!) das Konzept zur Ausgrenzung von nationalsozialistischem Gedankengut in Frage stellen, schon gar nicht mit Überschriften die mit "Nazis rein" implizit das Gegenteil proklamieren.

  2. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · Erstellt vor 5 Monaten ·

    einen habe ich noch:
    @dunjahayali sagt das Klügste @zuendfunk zum Thema Debatte und #NazisRaus 22:50 - 24:50
    https://www.br.de/radi...

  3. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · Erstellt vor 5 Monaten ·

    Sehr schöner erste piq. Vielen Dank! Ich entführe das Thema mal kurz auf die Meta-Ebene. Die Debatte ist ein gutes Beispiel für eine "Ethik der Aufmerksamkeit". Was meine ich damit? Wir werfen Facebook gerne (und zurecht) vor, dass die Plattform keine Verantwortung übernimmt. Journalisten werden dieser Verantwortung aber auch immer weniger gerecht. Zu einer verantwortungsvollen Kommunikation gehört heute auch zumindest der Versuch eine Antizipation der Botschafts-Wirkung. Konkret: Wer Schlagzeilen schreibt wie "Nazis rein" (häufig sind das nicht die AutorInnen, sondern Redakteure) macht im Endeffekt rechtes Content Marketing. Solche Texte werden, wie du schreibst, triumphierend in demokratiefeindlichen Kreisen herumgereicht. Das muss nicht dazu führen, dass solche Texte nicht mehr geschrieben werden, aber zu einer Ethik der Aufmerksamkeit gehört für mich, dass es sich dann eben auch lohnen muss. Was bewirkt die Aufmerskamkeit, die ich erzeuge und steht unterm Strich erwartbar eine positive Bilanz. Diese "Schere im Kopf" ist medien- und demokratietheoretisch problematisch, keine Frage. Aber das Mediensystem hat sich so radikal verändert und lässt sich so leicht instrumentalisieren von allen Seiten, dass eine Reflektion über die Wirkung der eigenen Arbeit als Teil der Arbeit gelten sollte.

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