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Medien und Gesellschaft

Was es mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Zitat auf sich hat

Simon Hurtz
Journalist, Dozent, SZ, Social Media Watchblog

Mag es, gute Geschichten zu erzählen.
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Mag es, gute Geschichten zu teilen. Das tut er hier.
Mag es gar nicht, in der dritten Person über sich zu schreiben.

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Simon HurtzMittwoch, 10.11.2021

Es ist eines der berühmtesten Zitate über Journalismus:

Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er nicht bei jeder Gelegenheit Hanns Joachim Friedrich zitiert, auch nicht bei einer guten Gelegenheit.

Na gut, im Original lautet der Satz vielleicht etwas anders. Aber manchmal wünschte ich, von Friedrich sei dieses Zitat überliefert – denn der Satz, der ihm ständig in den Mund gelegt wird, ist grob irreführend:

Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.

Was sich liest wie eine kategorische Absage an den "Haltungsjournalismus", ist das wohl am häufigsten missverstandene Zitat der deutschen Mediengeschichte. Bereits 2018 schrieb Cordt Schnibben, der für den Spiegel das Interview mit Friedrichs führte, in dem ein ähnlicher Satz fiel:

Ich bin Transporteur dieses Zitats, weil ich damals am Sterbebett von Hanns Joachim Friedrichs diesen Satz gehört und nachgefragt habe. Er hat es eingegrenzt in einem sehr politischen, parteipolitischen Sinne: Also, wenn die SPD das Ehegattensplitting abschafft und ich als Moderator einer öffentlich-rechtlichen Newssendung find es gut, dann darf mir der Zuschauer das nicht anmerken. Daraus zu machen, dass ein Journalist quasi ein haltungsloser, emotionsloser Journalist sein sollte, dem man seine Haltung nicht anmerkt, ist eine Pervertierung.

In dem gepiqden Text rekonstruiert Rüdiger Jungbluth, wie es dazu kam, dass der Gemeinmachen-Satz auf der Rückseite von Friedrichs Autobiografie landete, und warum der Moderator bis heute ständig damit zitiert wird.

Tatsächlich war Friedrichs selbst so ziemlich das Gegenteil von dem, was das Zitat vermeintlich fordert: Er zeigte Haltung, ordnete Dinge ein und machte sich sehr wohl mit guten Dingen gemein – etwa mit "einer grünen Botschaft", die er mit seiner Sendung "Wunderbare Welt" weitertragen wollte. Den ZDF-Chefredakteur Reinhard Appel nannte Friedrichs einen "Propheten der Ausgewogenheit, der brotlosen Kunst, es allen recht zu machen".

Jungbluth ist überzeugt:

Heute würde sich Hanns Joachim Friedrichs vermutlich sehr wundern, wenn er sähe, welches Eigenleben dieser eine, ursprünglich gar nicht von ihm selbst stammende Satz entwickelt hat – und wie diese Worte sogar in politischen Auseinandersetzungen immer wieder instrumentalisiert werden.
Was es mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Zitat auf sich hat

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Kommentare 4
  1. Omar Adam Ayaita
    Omar Adam Ayaita · vor 13 Tagen

    Der Unterschied zwischen Wertehaltung und Partei-/Tagespolitik ist wichtig: Man kann grundlegende Werte vertreten, ohne eine parteipolitische Orientierung auszudrücken oder sich in Bezug auf die Tagespolitik zu positionieren. Klar ist aber auch, dass diese Trennung nicht immer zu 100% gelingen wird: Jemandem, der sich für das Klima engagiert, wird wahrscheinlich eine Nähe zu den Grünen unterstellt, und jemandem, der sich für Menschenrechte engagiert, wird wohl eine Distanz zur AfD attestiert.

  2. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor 16 Tagen

    Ich denke, mit "gemein machen" ist nicht gemeint, dass man dem Journalisten nicht anmerken darf, wie er zu der Sache steht. Das hat wohl weder Friedrichs gemeint noch meinen das die meisten Kritiker des heutigen Journalismus. Gemeint ist, dass ein Journalist nicht zum Ideologen werden sollte, nicht zum (radikalen) Aktivisten. Und wenn er so agiert, dann sollte er das als seine Meinung kenntlich machen. Meinungskolumnen sind ja ok. Solange auch andere seriöse Meinungen zu Wort kommen. Es ist m.M. auch ok, wenn man deutlich macht, welcher Einordnung von Fakten man zuneigt, solange man auf andere Deutungen oder entgegenstehende Fakten ebenfalls hinweist. Möglichst mit Erklärungen, die eine Diskussion ermöglichen.

  3. Christoph Zensen
    Christoph Zensen · vor 17 Tagen · bearbeitet vor 17 Tagen

    Leider geht die Neutralitätsfixierung viel tiefer als dieser Satz. Sie hat sich in der zweiten Häfte der 19. Jahrhunderts in den USA und UK etabliert und hat sich von dort in die ganze Welt verbreitet. In Deutschland kam das Paradigma nach dem zweite Weltkrieg an.

  4. Volker Hoff
    Volker Hoff · vor 17 Tagen

    Danke! Insbesondere im Namen der ganz und gar nicht haltungs- und emotionslosen Journalist:innen, die ich sehr schätze.

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