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Medien und Gesellschaft

Simon Hurtz
SZ-Journalist, Bildblogger, Vielleser

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piqer: Simon Hurtz
Dienstag, 26.09.2017

Was der Wahlsieg der AfD für eine Mutter bedeutet, deren Kinder nicht deutsch aussehen

Ich bin ein weißer, heterosexueller Mann ohne Migrationshintergrund. Ich wurde in meinem Leben noch nie aufgrund meiner Hautfarbe, meines Geschlechts oder meiner Herkunft diskriminiert.

Die AfD ist für mich ein Luxusproblem.

Sophie Sumburane hat Kinder mit einem Mann aus Mosambik. Im Zoo hört sie: "Schau, da ist einer aus dem Affenhaus abgehauen." Auf der Straße wird sie gefragt, "ob sich mein Schwarzer fröhlich das Visum ervögelt hat und nun in Saus und Braus auf Staatskosten lebt". Vor fünf Jahren ist sie aus Leipzig nach Potsdam gezogen, weil sie den Alltagsrassismus nicht mehr ertragen hat.

Für Sophie Sumburane ist die AfD kein Luxusproblem. Wenn 35,5 Prozent der Menschen in der Sächsischen Schweiz für eine Partei stimmen, die aus ihrem Rassismus keinen Hehl macht, dann ist das eine reale Bedrohung.

Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der es Orte gibt, an die ich nicht gehen darf. In der ein kleines Kind ein Aggressor ist, ein Ding, das man anfassen und bestaunen kann. (...) Ich habe Angst vor der AfD, vor dem Menschenbild, das diese Partei schürt, vor dem Feuer, dass sie legt.

In Deutschland leben ein paar Millionen Menschen, denen man ansieht, dass ihr Eltern nicht aus Deutschland stammen. Lest diesen Text, wenn ihr wissen wollt, wie es diesen Menschen jetzt geht.

Was der Wahlsieg der AfD für eine Mutter bedeutet, deren Kinder nicht deutsch aussehen
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Kommentare 11
  1. Daniela Becker
    Daniela Becker · Erstellt vor mehr als einem Jahr ·

    Die AFD will auch aus allen Klimaschutzabkommen aussteigen. Die AFD ist ein Problem für alle! (Und nein, ich will mit diesem Kommentar nicht den schrecklich ausgelebten Rassismus vieler AFDler kleinreden).

    1. Simon Hurtz
      Simon Hurtz · Erstellt vor mehr als einem Jahr ·

      Die AfD will außerdem die gleichgeschlechtliche Ehe abschaffen, verfolgt eine Familienpolitik aus dem 19. Jahrhundert und propagiert eine zutiefst neoliberale Agenda. Von ihrer Sozial- und Bildungspolitik gar nicht erst zu reden.

      Das ist aber egal, weil die AfD auf absehbare Zeit eine Oppositionspartei ohne reale Gestaltungsmacht bleiben wird. Und weil das nicht der Hauptgrund ist, warum sie 12,6 Prozent der Stimmen erhalten hat (im Gegenteil: viele ehemalige Wähler der Linkspartei wären entsetzt, wenn sie wüssten, wie elitär und neoliberal das Wahlprogramm der AfD ist).

      Menschen stimmen für die AfD, weil sie gegen Flüchtlinge sind. Nicht alle Wähler sind Rassisten, aber sie haben eine Partei stark gemacht, die Rassisten und Nazis in den Bundestag schickt. Das macht mir Sorgen, aber es betrifft mich nicht unmittelbar. Die Autorin bekommt den Alltagsrassismus dieser Menschen dagegen täglich zu spüren. Und die fühlen sich jetzt gestärkt. Das ist beängstigend.

    2. Daniela Becker
      Daniela Becker · Erstellt vor mehr als einem Jahr ·

      @Simon Hurtz Genau, deswegen habe ich mich an dem Begriff "Luxusproblem" gestört. Das ist es nämlich eben gerade nicht. Auch und insbesondere der Alltagsrassismus.

    3. Simon Hurtz
      Simon Hurtz · Erstellt vor mehr als einem Jahr ·

      @Daniela Becker Ich verstehe, warum du den Begriff unpassend findest. Was ich damit ausdrücken wollte: Das, was mich an der AfD momentan am meisten besorgt (die Tatsache, dass mehrere Millionen Menschen in Deutschland eine rassistische Partei wählen - und zwar nicht trotz deren Fremdenfeindlichkeit, sondern gerade deswegen), betrifft mich im Alltag so gut wie gar nicht. Ich wohne in Haidhausen (linksliberales Akademikermilieu) und bin in jeder Hinsicht privilegiert (weiß, männlich, deutsch). Auf mein Leben und meinen Alltag hat das Wahlergebnis keinen Einfluss (nur auf meine Stimmung). Das meine ich mit "Luxusproblem".

    4. Silke Jäger
      Silke Jäger · Erstellt vor mehr als einem Jahr ·

      @Simon Hurtz Ich glaube auch, dass Menschen für die AfD stimmen, weil sie einer Gruppe angehören wollen, in der sie sich stark fühlen können. Weil sie sich sonst oft als ohnmächtig erleben. Und wenn man diese Stärke nicht nur allein durchs bloße Dabeisein spüren kann, sondern auch mitmachen muss beim Denunzieren und Ausgrenzen, dann pickt man sich zuerst diejenigen raus, die als die Gegner definiert sind – auch wegen ihrer Verletzlichkeit und der Chance auf schnelle "Siege". Aber damit fängt es ja erst an. Der Hunger nach dem Sich-stark-Fühlen wird identitätsbestimmend. Aussteigen wird undenkbar, weil man damit zu den anderen gehört, zu den Ohnmächtigen, zu denen man auf keinen Fall mehr gehören möchte.
      Dieses Denken ist nicht dumm. Das ist eine Falle, die einem Gefühle stellen, die man sich nicht angucken will.
      Und wenn das um sich greift, dann wird es dazu führen, dass es uns früher oder später alle erreicht. In ganz unterschiedlichen Zusammenhängen werden wir gezwungen sein, eine Meinung zu haben und uns zu positionieren: als Freund oder Feind.
      Ich weiß nicht, wie genau es gehen kann, aber man muss sich weigern, beim Freund-oder-Feind-Spiel mitzumachen. Und Trauerhilfe leisten vielleic

    5. Simon Hurtz
      Simon Hurtz · Erstellt vor mehr als einem Jahr ·

      @Silke Jäger Ja, volle Zustimmung. Das deckt sich mit meinen Eindrücken aus den Gesprächen, die ich (analog wie digital) in den vergangenen Monaten mit AfD-Wählern bzw. Sympathisanten geführt habe. Leider gilt das auch für deinen letzten Satz ("Ich weiß nicht, wie genau es gehen kann, aber man muss sich weigern, beim Freund-oder-Feind-Spiel mitzumachen."). Ich habe auch keine Lösung.

      Klar ist für mich nur: "Nazis!" zu schreien, ändert gar nichts. Aber es ist auch wichtig, eine klare Grenze zu ziehen und bestimmte Äußerungen nicht unwidersprochen stehen zu lassen. Deshalb: Dialog, aber kein geheucheltes Verständnis oder Mitgefühl. Gefühlte Benachteiligung ist für die Betroffenen Mist, aber kein Grund, die Schuld bei Menschen zu suchen, denen es noch schlechter geht (Geflüchteten).

    6. Silke Jäger
      Silke Jäger · Erstellt vor mehr als einem Jahr ·

      @Simon Hurtz Ja, genau, Kontakt halten, irgendwie, und Dialog versuchen. Da bewundere ich deine Arbeit sehr.

      Ansonsten finde ich Wolf Lotters Gedanken über Offenheit ganz hilfreich, um an der richtigen Stelle ausreichend wehrhaft zu sein (fällt mir schwer, zugegeben): https://www.brandeins....

    7. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · Erstellt vor mehr als einem Jahr ·

      @Silke Jäger Sehr schöne Beschreibung der "Dynamik", die auch Daniel schon als den eigentlichen Kern des Problems in den Kommenatren zu diesem piq beschreibt: https://www.piqd.de/se...

    8. Silke Jäger
      Silke Jäger · Erstellt vor mehr als einem Jahr ·

      @Frederik Fischer Ah, danke für den Hinweis, das hatte ich noch gar nicht entdeckt.

    9. Judka Strittmatter
      Judka Strittmatter · Erstellt vor mehr als einem Jahr ·

      Warum denkst du, dass du mit deiner richtigen Anmerkung den ausgelebten Rassismus der AfDler kleinredest? Tust du nicht. Ich finde es schlimm, dass man diesen vorauseilende Absicherung heute immerzu mitliefern muss.

  2. Bernd Oswald
    Bernd Oswald · Erstellt vor mehr als einem Jahr ·

    da der Artikel ja in der Sächsischen Schweiz spielt, empfehle ich diesen SZ-Artikel empfehlen: Fünf Gründe, warum die AfD in Sachsen stärkste Kraft geworden ist: http://www.sueddeutsch.... Speziell zur sächsischen Schweiz heißt es dort: "Die Wahlkreise, in denen sie Direktmandate gewonnen hat - in Bautzen, Görlitz und der Sächsischen Schweiz/Osterzgebirge -, sind sehr ländlich und strukturell schwach. "Hier ist das Gefühl, abgehängt zu sein, noch stärker als anderswo", sagt Träger. Frauke Petry habe ihren Wahlkreis in der Sächsischen Schweiz bewusst ausgewählt."

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