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Medien und Gesellschaft

Bernd Oswald
Autor, Trainer und Trendscout für digitalen Journalismus
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piqer: Bernd Oswald
Dienstag, 12.06.2018

Warum in jedem Journalisten ein kleiner Verschwörungstheoretiker steckt

Verschwörungstheorien gab es schon immer, im Online-Zeitalter gibt es nur viel mehr Platz für sie. Journalisten, die etwas auf sich halten, entlarven Verschwörungstheorien und sagen, "wie es wirklich ist". Oder? Ganz so einfach ist es leider nicht. Der Mainzer Journalismusprofessor Tanjev Schultz analysiert in seinem Essay auf Journalistik-Online das Verhältnis von Journalismus und Verschwörungstheorien. Er arbeitet heraus, dass manche Journalisten durchaus anfällig sind für narrative Muster, die auch Verschwörungstheoretiker nutzen:

Journalisten erzählen, auch und gerade wenn es um mutmaßlich Skandalöses geht, am liebsten spannend – wie im Krimi. Sie erzählen nicht unbedingt umfassend und vollständig. Sie raffen, straffen und dramatisieren. Damit verbunden ist die bekannte journalistische Vorliebe für eine Personalisierung von Sachthemen. Menschen mit ihren Intentionen und Handlungen werden in den Vordergrund gerückt. Strukturen, Systeme, Zufälle oder nicht-intendierte Handlungsfolgen geraten aus dem Blick. Wie Verschwörungstheoretiker suchen Journalisten nach Schuldigen und einer Kausalkette.

Diese narrativen Muster passen zu einem dualistischen Weltbild, in dem wenig Platz ist für Grautöne, für Zufälle und für die Komplexität sozialer Strukturen und Systeme. Ich glaube, dass auch wir als Publikum mit an dieser Entwicklung schuld sind, weil wir Skandale, dramatisierte und personalisierte Geschichten so gerne anklicken und teilen. Wir wollen Stories und Journalisten produzieren sie. 

Ich habe schon lange keine so kluge Reflexion über die journalistische Arbeitsweise gelesen wie diese hier. 

Warum in jedem Journalisten ein kleiner Verschwörungstheoretiker steckt
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