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Medien und Gesellschaft

Alexander von Streit
Digitale Schreibmaschine mit anarchistischem Ansatz und bürgerlicher Lebensform
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piqer: Alexander von Streit
Freitag, 10.06.2016

Warum Crowdspondent einem veränderten Deutschland nachspüren will – und was wir damit zu tun haben

Journalisten sollten ihre Arbeit eigentlich schon lange nicht mehr als Einbahnstraßen-Modell verstehen, als ein System, in dem sie die Leser als reine Konsumenten begreifen, ihnen lediglich fertige Geschichten präsentieren und dann zur nächsten Recherche übergehen. In der Praxis sieht das leider meist anders aus – gerade in den Redaktionen großer Verlage. Wie es auch geht, haben 2013 die Journalistinnen Lisa Altmeier und Steffi Fetz in einer sehr konsequenten Form gezeigt, als sie ihr Projekt Crowdspondent starteten. 

Drei Monate lang recherchierten sie in Brasilien, wie sich das Land ein Jahr vor der Fußball-WM veränderte – und ließen ihr Publikum entscheiden, worüber sie berichten sollen. Während ihrer Recherche blieben sie kontinuierlich im Kontakt mit ihrer Community, präsentierten ihre Ergebnisse und diskutierten ebenso über nächste Schritte wie über Verbesserungsmöglichkeiten. Das alles immer auf Augenhöhe mit den Menschen, für die sie unterwegs waren. Während ihrer Reise 2014 wiederholten sie dieses Prinzip der „persönlichen Reporter" mit einer dreimonatigen Deutschland-Tour, aus der auch das Buch „Nix wie Heimat!" und ein zweiteiliger Film bei EinsPlus entstanden sind. Im vergangenen Jahr setzten sie ihren Dialog-Journalismus von Japan aus fort und produzierten am Ende eine Video-Reportage. Und auch die Finanzierung ihres Projektes ist ein Gemeinschaftsprojekt mit ihrem Publikum, das die Recherchen per Crowdfunding möglich machte. 

Jetzt geht Crowdspondent in die vierte Runde. Zwei Jahre nach ihrer Deutschlandreise habe sich das Land verändert – sie wollen nachspüren, was das konkret bedeutet. Nicht zuletzt, weil 2017 die nächste Bundestagswahl ansteht: „Wir glauben, es ist wichtig, dass wir alle uns mehr mit Politik beschäftigen und zwar nicht in einer Hass-Kommentarschlacht, sondern konstruktiv und offen." Ein wichtiges Projekt, das sie erneut per Crowdfunding finanzieren wollen. Ob wir den Journalismus bekommen, den wir verdienen, liegt also an uns.

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