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Medien und Gesellschaft

Simon Hurtz
SZ-Journalist, Bildblogger, Vielleser

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piqer: Simon Hurtz
Freitag, 12.04.2019

Sind Medien wirklich überwiegend links? Diese Behauptung ist wissenschaftlich nicht haltbar

Die Studienlage scheint eindeutig zu sein: Ein Großteil der deutschen Journalist*innen verortet sich politisch links der Mitte. Nur neun Prozent neigen der Union zu. Etwa ein Viertel fühlt sich den Grünen verbunden. Das besagt eine Untersuchung der FU Berlin aus dem Jahr 2010. Ähnliche Studien aus den Jahren 2005 und 2017 kommen zu vergleichbaren Ergebnissen.

Diese Zahlen dienen selbsternannten Medienkritiker*innen seit Jahren als Beleg für ihre These: Der deutsche Journalismus sei linksgrün und bilde die Meinung der Bevölkerung nur unzureichend ab. Auch CSU, NZZ und Spiegel verbreiten diese Behauptung. Das Problem: Sie ist falsch.

Die Autoren dieser Studien weisen auf Nachfrage von Katapult darauf hin, dass ihre Ergebnisse häufig falsch interpretiert und bewusst verzerrend dargestellt würden. Belege für eine von Linken dominierte Presse sehen sie in ihren Studien nicht.

In der Folge erklärt Katapult-Autor(*) Sebastian Haupt verständlich und mit Hilfe von schönen Infografiken, warum die Studien keinen Rückschluss auf die politische Ausrichtung der Medienlandschaft zulassen:

  • Studien werden falsch zitiert: Der Großteil der Befragten gibt an, sich keiner Partei verbunden zu fühlen.
  • Linke Journalist*innen machen nicht zwangsläufig linken Journalismus: Mehr als 80 Prozent finden es "sehr/extrem wichtig", ihr Publikum neutral zu informieren.
  • Die individuelle politische Orientierung der Redakteure und die redaktionelle Linie unterschieden sich: Ein Großteil empfindet die Ausrichtung ihres Mediums als etwas oder sogar deutlich weiter rechts ihrer Einstellung.
  • Von Bild bis Krone: In Europa sind die auflagenstärksten Zeitungen oft wirtschaftsliberal oder konservativ.
  • Chefredakteure sind meist rechter als ihre Mitarbeiter – und haben deutlich mehr Einfluss.

(*) Mehr über das wunderbare Katapult-Magazin erzählt Chefredakteur Benjamin Fredrich in diesem taz-Interview.

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Kommentare 1
  1. Alexander Sängerlaub
    Alexander Sängerlaub · Erstellt vor 13 Tagen ·

    Toller piq, Danke! Richtig stark ist auch der Abschlussatz: "Obwohl also wenige Journalisten in Umfragen angeben, sich mit der Politik der Regierung gemeinmachen zu wollen, scheinen sie nicht immer kritisch genug zu berichten. Die Presse selbst kritisch zu hinterfragen, ist deshalb wichtig. Die Behauptung einer von Linken dominierten Presse aber ist vor allem eines: Irreführung. "