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Medien und Gesellschaft

Prognosen, Statistik und die öffentlichen Wahrnehmung

Gabriel Koraus

•Ausbildung als Sinologe und Religionswissenschaftler
•Arbeit in der Outdoorbranche mit Fokus auf soziale Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung in globalen Lieferketten

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Gabriel KorausMittwoch, 09.06.2021

Der Artikel ist schon älter, muss aber noch sein.

Problematisiert wird darin die allgemeine Veranlagung, wissenschaftliche Erkenntnisse, "evidente" Schlussfolgerungen und statistisch basierte Prognosen und Modulierungen zu unreflektiert und in absoluter Deutungsmächtigkeit zu rezipieren. 

Vordergründig ging es um die Frage, worauf denn nun z.B. der Ausbruch der dritten Corona-Welle hier in Deutschland zurückzuführen sei und welcher Grad an Regulierung dies hätte verhindern können. In Anbetracht der Komplexität der gesellschaftlichen und virologischen Konstellationen und unter Berücksichtigung der Infinität der zu beachtenden Faktoren und Variablen kommt der Autor zum Schluß, dass die Platitude "viel hilft viel" wirklich nicht mehr ist, als das: eine Platitude 

"Normbefolgung ist ein komplexes Problem (...) Es ist bis dato schlicht unklar, welche Stellschrauben gedreht werden müssen, um Infektionen zu senken, aber die öffentliche Debatte nimmt sich diesen Fragen kaum an. Stattdessen scheinen viele Menschen nur nach der Bestätigung ihrer vor längerer Zeit gefassten Meinung zu suchen."

"Gewiss, Modelle können nicht mit Sicherheit die Zukunft vorhersagen. Sie müssen vereinfachen und dürfen nicht als bare Münze genommen werden. Aber es ist ein Problem, wenn Modelle mit sehr großer praktischer Bedeutung weder in den Medien noch in der Öffentlichkeit vertieft diskutiert werden. Der Öffentlichkeit muss bewusst sein, dass die Ergebnisse von Modellen stark von den zugrunde liegenden Annahmen abhängen; sie muss auch die Annahme selbst verstehen. Ohne diese Vorkenntnisse sind Modelle für die Öffentlichkeit eine Blackbox."

"Statt kritischer Recherche zu schwierigen technischen Fragen stellen Medien oft Nebensächlichkeiten in den Mittelpunkt. #allesdichtmachen, überfüllte Skigebiete oder Reisen nach Mallorca sind Beispiele für solche Nebenschauplätze. Statt Fachleuten Paroli zu bieten und Regierungsvertreterinnen und -vertretern mit bohrenden Nachfragen zu interviewen, werden häufig schablonenhafte und vorhersehbare Fragen gestellt – jeweils mit der Folge, dass wichtige Punkte offenbleiben. Anstatt Fakten zu berichten, scheinen viele Journalistinnen und Journalisten eher das Anliegen zu haben, Meinung zu bilden und der eigenen Überzeugung Gehör zu verschaffen."


"Auch fehlt der öffentlichen Debatte der starke Wille, den Dingen auf den Grund zu gehen. Die Debatte ist oft ritualisiert und von Schlagworten geprägt."





Eigentlich aber geht also um ein viel grundsätzlicheres Problem: um den Prozess der Berichterstattung und Meinungsbildung angesichts nahezu kontingenter, also eigentlich in ihrer Gänze nicht mehr vollumfänglich erfassbarer Prozesse und Dynamiken. 

Denn gerade in diesen Situationen scheint sich ein Bedürfnis nach Deutungssicherheit und Kontrollmöglichkeit auszudrücken, welches, wenn es an "die Wissenschaft" adressiert wird, gänzlich dysfunktional ist.

Relativierung und Interpretationsvarianz sind wesentliche Operationen, denen sich die Resultate guter wissenschaftlicher Arbeit stets zu unterwerfen haben. Allerdings stehen sie der Formulierung eindeutiger und unbestreitbarer Aussagen eben leider diametral im Wege.

Der Wunsch, im Kriterium der "evidenzbasierten Entscheidungsfindung" einen neuen, gewissermaßen sakralisierten und dogmatisch wirksamen Diskursmodus gefunden zu haben, verstellt den Blick auf die absolutistische (und autoritäre) Beschaffenheit einer solchen Diskussions- und Kulturpraxis. Und er lässt den Blick auf die Leerstellen, Unwägbarkeiten und Multi-Interdependenzen, welche den Betrachtungen solch großformatiger, sozialer Prozesse wie einer globalen Pandemie inhärent sind, völlig verlieren. 

Am Ende nichts Neues: vermittelbare Deutungskonzepte benötigen stets eine drastische  Reduktion von Komplexität. Die Abwesenheit einer eindeutigen Handlungsanleitung scheint eine kollektiv wirksame kognitive Dissonanz auszulösen, welche nur durch Rückgriff auf simplifizierende, ritualisierte und pauschalisierende Deutungskonzepte zu entschärfen ist...









Prognosen, Statistik und die öffentlichen Wahrnehmung

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Kommentare 5
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 6 Monaten

    Natürlich stimme ich den Aussagen im o.g. Text zu - jeder Wissenschaftler täte das.
    Allerdings verspüre ich Unbehagen, was den gesamten Text betrifft.
    der Tenor verdichtet sich zu "Wissenschaft Evidenz gleich Dogmatik" etc. Das wirkt ... einseitig.

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 6 Monaten · bearbeitet vor 6 Monaten

      Das lese ich da nicht raus. Es geht ja mehr um die mediale Darstellung. Und viele Medien haben sich doch wirklich nicht mit Ruhm bedeckt. Komplexität war eigentlich noch nie wirklich ihr Ding. …. Und wissenschaftliche Evidenz ist eIn (sozialer) Prozess, wie die ganze Wissenschaft. Manchmal wird sie auch zum Dogma erhoben.

    2. Gabriel Koraus
      Gabriel Koraus · vor 6 Monaten

      Interessanter Hinweis. So ist es natürlich nicht gemeint. Allerdings fällt mir doch schon gerade im Diskurs mit gebildeten Menschen die Tendenz auf, "Evidenz" als absolute Legitimation zu extrapolieren und damit genau dieser Gleichung "Evidenz = Dogmatik" zur Wirklichkeit zu verhelfen.

    3. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 6 Monaten

      @Gabriel Koraus Aber nur wenn die Evidenz die Dogmatik stützt ….

  2. Thomas Wahl
    Thomas Wahl · vor 6 Monaten

    Ein wichtiger Punkt. Wir sollten öfter mal einen Schritt zurücktreten und unsere Gewissheiten hinterfragen …..

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