Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Medien und Gesellschaft

Magdalena Taube
Redakteurin
Zum piqer-Profil
piqer: Magdalena Taube
Freitag, 10.05.2019

Politisch korrekt? Die Geschichte eines Kampfbegriffes und wie ihn die neue Rechte missbraucht

Ein schmales Buch, erstmals erschienen 1996, hat mich bei der Lektüre in Erstaunen versetzt. Diedrich Diederichsen, vermutlich Deutschlands einziger ernstzunehmender Pop-Theoretiker, knöpft sich darin den Begriff Politische Korrektheit vor. Ein Schlagwort, das die meisten hier kennen werden. Oftmals wird es heute in Zusammenhang mit "PC-Terror" genannt, mit vermeintlich "verrückten Sprachregelungen" und "durchgeknallten Feminist*innen". PC scheint gleichbedeutend mit Zensur und Unterdrückung. Ein Fakt, der mich schon immer verwundert hat. Sollte es bei PC nicht genau darum gehen, Sexismus und Rassismus zu bekämpfen, also gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit anzukämpfen? Die Besetzung des Begriffs PC durch die (neue) Rechte ist nicht so neu, wie ich bisher dachte. Wer in Diederichsens Buch stöbert, stößt schnell darauf, wie der Begriff, der in den USA geprägt wurde, rasch von Konservativen und auch Rechten aufgegriffen wurde, um Ängste zu schüren und so den Status quo zu sichern.

Politisch korrekt? Die Geschichte eines Kampfbegriffes und wie ihn die neue Rechte missbraucht
8,8
6 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!

Kommentare 5
  1. Christoph Weigel
    Christoph Weigel · Erstellt vor 3 Monaten ·

    ich meine mich zu erinnern, zum thema PC vor jahren einen sehr guten artikel von diederichsen in der ZEIT gelesen zu haben, vielleicht sogar bevor der begriff hierzulande vom rechten vokabular vereinnahmt wurde.

  2. Dirk Liesemer
    Dirk Liesemer · Erstellt vor 3 Monaten ·

    Ich denke, man sollte dann auch Geschichten wahrnehmen, wo PC offensichtlich überstrapaziert wird und sogar rechtsstaatliche Grundsätze untergräbt https://www.spiegel.de...

    1. Magdalena Taube
      Magdalena Taube · Erstellt vor 3 Monaten ·

      Hallo Dirk, es ist nie schön, wenn irgendwas überstrapaziert wird ... Geduld, Nerven etc. :)

      Aber wenn wir PC als Bewegung* verstehen, bei der es um Antirassismus, Antisexismus und auch Antiklassismus geht - dann kann es doch eigentlich kein "zu viel" geben, oder?

      Ich glaube, man findet immer dieses eine Beispiel, wo ganz offensichtlich irgendwas schiefläuft. Aber das mindert doch nicht den Umstand, dass es nach wie vor Rassismus, Sexismus und Klassismus gibt.

      *in dem Diedrichsen Buch wird schön herausgearbeitet, dass PC eben keine politische Bewegung ist, aber gern als solche stilisiert wird.

    2. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · Erstellt vor 3 Monaten · Bearbeitet vor 3 Monaten

      @Magdalena Taube Hallo Magdalena, ich habe Diedrichses Buch, das ja auch schon zwei Jahrzehnte alt und sicher nicht mehr ganz auf der Höhe der Diskussion ist, bisher nicht gelesen. Ich denke - auch wenn ich das Wort oben ja nicht gebraucht habe -, dass man mittlerweile sehr wohl von einer PC-Bewegung sprechen kann. In den USA zeigte sich diese zuletzt eben an der Harvard-Uni, wo es "massive Studentenproteste" gegeben hat - also nicht eine einzelne Person, die sich über dies oder jenes aufgeregt hat. Und ja, es kann ein "zu viel" an politischer Korrektheit geben, wenn eben - wie in Harvard - dafür rechtsstaatliche Verfahren offen in Frage und sogar Misskredit gestellt werden. Da überschreiten die Verteidiger der PC ganz klar Grenzen. Über derartige Fälle sollte man aus meiner Sicht nicht schweigen, sondern sie offen thematisieren. Dass es zugleich Rassismus und Sexismus gibt, muss hier nicht ausgeführt werden. Besten Gruß, Dirk

    3. Magdalena Taube
      Magdalena Taube · Erstellt vor 3 Monaten ·

      @Dirk Liesemer Hmm, ich glaube, dass es trotzdem ein Ungleichgewicht gibt. Über den US-Campus und das vermeintliche Ausufern der PC-Bewegung dort, gibt es meinem Empfinden nach unzählige Texte und eine große mediale Wahrnehmung - gerade in deutschsprachigen Medien. Das steht in keinem Verhältnis zu der Bedeutung des US-Campus für die US-Gesellschaft (und erst recht für die BRD). Wenn die PC-Bewegung (die meines Erachtens keine ist) tatsächlich eine so große Bedeutung hat, wo schlägt sie sich dann konkret in der US-Politik auf Bundesebene nieder? Gab es "massive Proteste" dieser Bewegung, die etwa die Benennung von Brett Kavanaugh verhindert hätte?

Bleib immer informiert! Hier gibt's den Kanal Medien und Gesellschaft als Newsletter.