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Medien und Gesellschaft

Kündigung, Rücktritt, Drama: Was ist los bei der New York Times?

Simon Hurtz
Journalist, Dozent, SZ, Social Media Watchblog

Mag es, gute Geschichten zu erzählen.
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Mag es, gute Geschichten zu teilen. Das tut er hier.
Mag es gar nicht, in der dritten Person über sich zu schreiben.

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Simon HurtzMontag, 15.02.2021

14. Juli 2020: Bari Weiss, Redakteurin im Meinungsteil der New York Times, kündigt ihren Job und veröffentlicht einen Abschiedsbrief, der hohe Wellen der Empörung schlägt. Mittlerweile verschickt sie einen Substack-Newsletter und schreibt Gastbeiträge in der Welt, in denen sie "die grotesken Auswüchse des neuen Antirassismus" beklagt.

23. Januar 2021: Lauren Wolfe, Mitarbeiterin am Newsdesk der New York Times, verliert ihren Job. Sie hatte auf Twitter geschrieben, dass sie bei der Ankunft Joe Bidens in Washington "Gänsehaut" empfinde. Die Geschichte ist ähnlich kompliziert wie die von Weiss. Auch Wolfe hat sich einen Substack-Newsletter zugelegt. Bislang hat sie keinen Gastbeitrag in der Welt veröffentlicht.

Weiss wirft der Times vor, zu progressiv, zu "woke" zu sein. Genau diese Haltung verkörpert Wolfe, die ihrem Ex-Arbeitgeber offenbar zu forsch war.

Das sind keine Einzelfälle. Im Juni eskalierte der Streit um ein Op-ed, der in der Kündigung des Chefs des Meinungsressorts James Bennet mündete. Im November vergangenen Jahres verschärfte die Times ihre Social Media Guidelines. Das ist die wichtige Vorgeschichte zu dem Text, den ich piqe. Medienkolumnist Ben Smith geht darauf nur implizit ein:

I assure you, there are interesting personnel dramas playing out at The Wall Street Journal and The Washington Post, but somehow they don’t explode as public morality plays, with emotional Twitter debates, social media cheering sections and dueling public letters. But The Times’s singular status has left its leaders, in a period of high-profile firings and departures, vainly insisting that the exits reflect the normal, confidential and complex workings of human resources.

Smith schreibt über das jüngste Drama, das sich in- und außerhalb der Redaktionsräume der renommiertesten Zeitung der Welt ereignet: den Abgang des Reporters Donald McNeil Jr., der seit 1976 für die Times arbeitete und sich im vergangenen Jahr zu einer der prägenden Stimmen der Berichterstattung über das Coronavirus entwickelte.

Erst veröffentlichte The Daily Beast brisante Details über eine Bildungsreise mit Studierenden. Unter anderem nutzte McNeil in einer Diskussion über Rassismus das N-Wort. Es folgten großer Aufruhr, ein offener Brief, eine Recherche der Washington Post, eine Entschuldigung und schließlich der Rücktritt. Damit war die Geschichte aber noch lange nicht zu Ende: Die New York Post veröffentlichte einen Kommentar, in der Times-Kolumnist Bret Stephens seinen Kollegen verteidigt – und den die Times nicht drucken wollte.

All das arbeitet Smith auf, ohne diese Ereignisse im Einzelnen zu erwähnen. Er schildert, was auf der fraglichen Reise wirklich geschehen ist und warum es um viel mehr als das N-Wort ging. Smith beschreibt McNeil als schwierigen Charakter, der in der Vergangenheit gern mal aneckte: mit seiner Sturheit und politischen Ansichten, die dem jungen und progressiven Teil der Times-Belegschaft so gar nicht schmecken.

Vor allem zeigt der Text, warum es gut ist, dass sich Medien Reporterïnnen leisten, die Kontroversen im eigenen Haus aufarbeiten – und warum ich mir solche Transparenz in eigener Sache auch von deutschen Verlagen erhoffe:

I think it’s a sign that The Times’s unique position in American news may not be tenable. This intense attention, combined with a thriving digital subscription business that makes the company more beholden to the views of left-leaning subscribers, may yet push it into a narrower and more left-wing political lane as a kind of American version of The Guardian — the opposite of its stated, broader strategy.

Die Fragen, die Smith hier aufwirft, werden nicht nur die Times noch jahrelang beschäftigen. Es sind existenzielle Fragen, die am Kern des journalistischen Selbstverständnisses rühren und auch deutsche Redaktionen spalten:

The questions about The Times’s identity and political leanings are real; the differences inside the newsroom won’t be easily resolved. But the paper needs to figure out how to resolve these issues more clearly: Is The Times the leading newspaper for like-minded, left-leaning Americans? Or is it trying to hold what seems to be a disappearing center in a deeply divided country? Is it Elizabeth Warren or Joe Biden? One thing that’s clear is that these questions probably aren’t best arbitrated through firings or resignations freighted with symbolic meaning, or hashed out inside the human resources department.
Kündigung, Rücktritt, Drama: Was ist los bei der New York Times?

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