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Medien und Gesellschaft

piqer: Bayern 2 Zündfunk
Donnerstag, 30.04.2020

Kollapsologie – oder die Lehre vom Zusammenbruch

Dürre in Deutschland, brennende Wälder in Australien, schmelzende Pole, mehr Binnenflüchtlinge als jemals zuvor – und jetzt noch Corona. Selbst ausgewiesene Optimisten werden es zur Zeit nicht leicht haben, ihre Zuversicht zu bewahren. Die Kollapsologie, die Lehre von Zusammenbruch, trifft da wahrscheinlich schon eher das Lebensgefühl. 2015 veröffentlichten Pablo Servigne und Raphaël Stevens in Frankreich das Buch „Comment tout peut s’effondrer“, auf Deutsch: „Wie alles zusammenbrechen kann“. Das Buch – inzwischen auch auf Englisch erschienen – versucht zu beweisen, dass ein Kollaps unserer thermo-industriellen Zivilisationen, die seit der Dampfmaschine auf Energie aus Wärme aufbauen, bald bevorsteht. Oder gerade stattfindet? Wie ist der Kollaps definiert? Wenn die staatlichen Institutionen die Grundbedürfnisse auf Wohnen, Wasser, Nahrung, Bekleidung und Wärme nicht mehr bedienen können.

Die Autoren untersuchen einerseits wissenschaftliche Fakten. Der Klimawandel schlägt bereits dramatisch durch, das spüren selbst wir in den gemäßigten Klimazonen immer deutlicher. Das Artensterben schreitet voran. Zusammen mit den großen Tipping-Points wie Eisschmelze an den Polkappen oder Vernichtung des amazonischen Regenwalds könnte das ökologische Erdgleichgewicht so massiv gestört werden. Und dann Peak Oil. Alle Industrienationen dieser Welt sind auf Kohlenstoff gebaut und immer komplexer global vernetzt. Pablo Servigne und Raphaël Stevens nennen es das ultimative Locked-in-System. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses System, das auf ewigem Wachstum basiert, kollabiere, sei größer, als dass wir es rechtzeitig nachhaltig umbauen könnten.

„In der Kollapsologie ist Intuition– die auf ordentlicher Wissenschaft gedeiht – das entscheidende Element. Alle Informationen in diesem Buch, so objektiv sie auch sein mögen, erbringen noch keinen Beweis, dass bald ein Kollaps bevorsteht. Sie erlauben dir aber dein eigenes Wissen vermehren, um auf dieser Basis deine Intuition zu schärfen und schließlich mit Überzeugung zu handeln.“ P. Servigne, R. Stevens, „Comment tout peut s’effondrer“

In Frankreich ist die Kollapsologie spätestens seit 2018 in der öffentlichen Meinung verankert, vermehrt unter dem Wort „l’effondremont“, dem Zusammenbruch. Das Buch hat sich rund 100.000 Mal verkauft, auch der Nachfolgeband „Une autre fin du monde est possible“, „Ein anderes Ende der Welt ist vorstellbar“, läuft prächtig. Der Diskurs wird in Facebook-Gruppen geführt oder in einem Verein wie Adrastia, wo sich die Kollapsologen austauschen. Es beteiligen sich Naturwissenschaftler, Soziologen, Psychologen, Philosophen und Künstler. Der Diskurs ist eher männlich geprägt. Wie ernst ist die Kollapsologie zu nehmen? Welcher Anteil überwiegt: Science Fiction oder Wissenschaft? Florian Fricke nähert sich im Zündfunk Generator dieser spannenden Mischung an und stellt die Theorie vom Zusammenbruch vor. 

Kollapsologie – oder die Lehre vom Zusammenbruch

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Kommentare 1
  1. Du Irrelevant
    Du Irrelevant · vor 7 Monaten

    In diesem Zusammenhang ist sicher auch dsa Buch "Kollaps" von Jared Diamond interessant https://de.m.wikipedia.... Wenn nicht, um aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, wozu sollte Geschichte sonst gut sein? 😉

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