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Medien und Gesellschaft

Simon Hurtz
SZ-Journalist, Bildblogger, Vielleser

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piqer: Simon Hurtz
Sonntag, 12.05.2019

Julia Bönisch muss bei der SZ auch Managerin sein – doch ein Teil der Branche versteht das nicht

Die Reihe "Mein Blick auf den Journalismus" ist eine verlässliche Quelle für diesen Kanal: Alexander Sängerlaub hat den Beitrag von Georg Mascolo gepiqt, ich habe Texte von Hannah Suppa und Daniel Drepper empfohlen. Nun lege ich euch den "Blick auf den Journalismus" von Julia Bönisch ans Herz.

Das tue ich nicht, weil Julia meine Chefin bei der SZ ist, sondern weil sie Dinge anspricht, die in allen Verlagen selbstverständlich sein sollten – und es noch lange nicht sind. Dieses Zitat veranschaulicht das gut:

Wenn es um andere Branchen geht, sind wir stets ausgezeichnet darin zu erklären, was nun unbedingt getan werden müsse. Denken Sie nur an VW und den Dieselskandal. Geht es aber um uns selbst, zeigen wir noch stärkere Beharrungskräfte als die katholische Kirche.

An ihrem eigenen Beispiel erklärt Julia, warum sich Chefredakteurïnnen mit Dingen befassen müssen, die in der Branche lange Zeit vernachlässigt wurden. Gut zu schreiben sei keine hinreichende Qualifikation. Es gehe darum, aus Verlagen digitale Organisationen zu machen und die Grenzen zwischen Redaktion, Verlag, IT und dem Produktmanagement aufzuheben.

Was banal klingt, wird von vielen immer noch als Affront empfunden (auch bei der SZ). Das Ergebnis schildert Julia treffend:

Denn lässt man Journalistïnnen allein darüber bestimmen, welche Inhalte sie wie veröffentlichen wollen, spielen Interessen von Leserïnnen, Nutzerïnnen – oder gar der Anzeigenkunden ("Um Himmels Willen, müssen wir etwa Geld verdienen?") – manchmal eine untergeordnete Rolle. Und dann kommt dabei heraus, was wir in der ganzen Branche beobachten: sich selbst verwirklichende Journalistïnnen, aber sinkende Auflagen und sinkende Einnahmen.

Genauso wichtig wie Verantwortung fürs Produkt ist Verantwortung fürs Team. Denn niemand ist zum Chefïn-Sein geboren: Führen kann – und muss – man lernen. Auch diese Erkenntnis kommt in vielen Verlagsspitzen nur langsam an.

Ich glaube, dass es mehr Julias und weniger Chefredakteure vom alten Schlag braucht.

Julia Bönisch muss bei der SZ auch Managerin sein – doch ein Teil der Branche versteht das nicht
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Kommentare 9
  1. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · Erstellt vor 9 Tagen ·

    ...neulich hörte ich eine kurze Rede von Herrn Prantl - danach hätte ich meine SZ Aktien verkauft, wenn ich welche gehabt hätte. Nach diesem Text würde ich wieder zurückgekauft haben.

  2. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · Erstellt vor 8 Tagen ·

    Schwer nachvollziehbarer Aufruhr bei der SZ wegen diesem Text. Klingt sehr nach einer Vorgeschichte, die hier zur Wirkung kommt. Man kann sich von außen schwer vorstellen, warum dieser Text so einen Wirbel macht. http://www.taz.de/!559...

    1. Simon Hurtz
      Simon Hurtz · Erstellt vor 8 Tagen ·

      Ich würde dir gern mehr darüber erzählen, aber ich glaube, das fänden einige Kollegïnnen keine so gute Idee. Deshalb sage ich öffentlich nur: ja, das hat (auch) eine Vorgeschichte. Aber die Eskalation war trotzdem für viele in der Redaktion nur schwer nachzuvollziehen. Zum Schlusssatz dieses Piqs stehe ich jedenfalls.

    2. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 8 Tagen ·

      @Simon Hurtz ja das ist ja auch nicht so wichtig für mich...der style ist aber jedenfalls unglücklich, wie immer wenn Sachen so semitransparent passieren...ich wünsche baldige Einkehr der Ruhe.

  3. Harald Knill
    Harald Knill · Erstellt vor 8 Tagen ·

    Ich würde mit der SZ gerne eine Qualitätszeitung kaufen, die den Namen verdient. Bei Aktien weiß ich besseres. Und wenn Sie sich den Wirbel nicht vorstellen können, dann fehlt es am Vorstellungsvermögen. Es muss nicht nur einen geben, es gibt einen Journalismus jenseits einer Kultur dauergekränkter narzistischer Edelfedern (Theo Sommer oder F. Raddatz als schauerliche Beispiele) und dem dümmlichen neoliberale Gerede vom Leserinteresse, vom Leser als Kunden (der liest nix, der kauft nur). Wenn die Zeitungen zum Waschpulver verkommen, dann gibt es zwar sicher noch ein paar (wenige) Marken, aber die waschen alle alles gleich weiß. Gut, dass piqd keine Aktien anbietet.

    1. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 8 Tagen ·

      ...sie bringen mich da auf eine Idee...

  4. Felix Schwenzel
    Felix Schwenzel · Erstellt vor 8 Tagen ·

    ich bin bestimmt nicht der einzige der bemerkt hat, dass du subtil die zitate deiner chefin mit dem trema inklusiviert hast. aber bisher scheine ich der einzige zu sein, der es kommentiert: hut up!

    1. Simon Hurtz
      Simon Hurtz · Erstellt vor 8 Tagen ·

      Hihi, meine Gedanken der vergangenen drei Minuten:
      - Trema? Er muss Thema meinen.
      - Wie kann man ein Thema inklusivieren?
      - Und wenn er doch Trema meint?
      - Gibt "trema" in die Adresszeile ein und wartet auf das Aucomplete: tremalzo, trematoda, tremaine edmunds, threema
      - Aber mit Thema ergibt das doch keinen Sinn!
      - Googlet "trema" schließlich doch.
      - Aha!

      Ich kannte den Ausdruck bislang nicht. Das Symbol nutze ich, seit ich dieses Interview mit Luise Pusch gelesen habe: https://www.jetzt.de/h...
      Dort sagt sie:
      "Mein Kompromissvorschlag ist, dass wir den Genderstern auf das kleine i setzen. Das löst alle Probleme: Das Wort hat immer noch eine weibliche Anmutung, das Sternchen ist da, zerreißt aber nichts. Ein i mit Stern gibt es auf den Tastaturen noch nicht, aber wir haben auch das @-Zeichen irgendwann auf die Tastaturen bekommen."

      Das fand ich eine schöne Idee, also habe ich nach Sonderzeichen gesucht, die so ähnlich aussehen – und offenbar das Trema entdeckt. (Ich habe mir eine Tastenkombination gebastelt, damit es automatisch eingefügt wird, wenn ich "i#" tippe. Jetzt muss ich keine Sonderzeichentabellen mehr durchsuchen.)

    2. Felix Schwenzel
      Felix Schwenzel · Erstellt vor 7 Tagen ·

      @Simon Hurtz ich hab vom trema hier gelesen und drüber gepiqt: https://www.piqd.de/me...

      auf dem mac, wie bei ios, bekommt man das trema über langes drücken des i angeboten.

      in meinem piq habe ich erklärt warum ich das trema mag, aber nicht alle mögen es, vor allem weil es ja schon so viele optionen aus den communities der betroffenen gibt. ich finde den einwand valide, sehe es aber wie auch sonst beim schreiben und speziell der rechtschreibung: schreibt so wie es euch gefällt, ich schreibe so wie es mir gefällt (und möglichst niemanden verletzt, ausgrenzt oder diskriminiert).

      wenn es irgendwann mal ein i mit aufgesetztem stern geben sollte, werde ich das auch gerne benutzen, aber das trema gibt’s halt schon, es sieht toll aus und ist subtil.