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Medien und Gesellschaft

Frederik Fischer
Sub-, Pop- und Netzkulturkorrespondent
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piqer: Frederik Fischer
Donnerstag, 17.08.2017

Journalisten sind in ihrer eigenen Filterblase gefangen. Zeit das zu ändern.

Barbara Hans, die Chefredakteurin von Spiegel Online, spricht ein Thema an, das uns auch bei piqd betrifft. Die Rede ist von Journalisten als in sich geschlossene Community, die keinen Weg aus ihrer Filterblase findet. 

Es ist einfach so: JournalistInnen sind in vielerlei Hinsicht ein erschreckend homogener Haufen. Sicher, in dem Haufen finden sich Männlein und Weiblein, jung und alt, bettelarm und stinkreich. Was sich aber eher nicht findet: Flüchtlinge, Arbeiter, Arbeitslose, sowie 99,9% der Bevölkerung.

Hans ruft daher zu mehr Vielfalt in den Redaktionen auf und hat dazu zehn lesenswerte These formuliert. 

Alles was Hans schreibt unterstütze ich. Ich bin aber der Überzeugung, dass es nicht ausreicht, die Redaktionen diverser zu besetzen, denn diese Diversität hat notwendigerweise eng gesteckte Grenzen. Wer in Deutschland als Journalist arbeiten möchte, muss die Sprache perfekt beherrschen. Er oder sie muss sich ferner so ausdrücken können, wie es den eingeschliffenen Standards entspricht. Er oder sie muss Kontakte in die Redaktionen haben, kulturelle Codes verstehen und, und, und. Solange wir das Handwerk und die Strukturen im Journalismus nicht radikal neu denken, werden Journalistinnen und Journalisten weiterhin hauptsächlich aus studierten MuttersprachlerInnen bestehen, die an einer der wenigen anerkannten Journalistenschulen ausgebildet wurden. Im besten Fall lockern wir so die unwiederbringlichen Scheuklappen. Los werden wir sie nicht. 

Ich glaube daher, dass es ergänzend einer neuen journalistischen Dienstleistung bedarf. JournalistInnen müssen denjenigen in der Gesellschaft eine Stimme geben, die sich nicht selbst artikulieren können. Nicht in der Funktion als stereotype Zitatgeber, sondern als Experten für einen Teil der Realität, zu der wir keinen Zugang haben. Wir versuchen mit gutem Beispiel voran zu gehen. Bald mehr dazu. 

Journalisten sind in ihrer eigenen Filterblase gefangen. Zeit das zu ändern.
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Kommentare 4
  1. Dirk Liesemer
    Dirk Liesemer · vor fast 3 Jahre

    Mehr Diversität braucht es keineswegs nur im Journalismus. Aber mehr Diversität bei der Besetzung von Stellen allein reicht nicht aus. Wir müssen auch über Framing, Meinungskorridore und Korrespondentenstellen sprechen, die in den vergangenen Jahren bekanntlich ordentlich zusammengestrichen wurden. Wenn alle nur noch in Hamburg, München und Berlin hocken, dort womöglich auch aufgewachsen sind und ihr Büro - aus welchen Gründen auch immer - kaum noch verlassen können, muss man sich nicht über Blasen bei der Meinungsbildung wundern.

  2. Ralph Diermann
    Ralph Diermann · vor fast 3 Jahre

    Klar, mehr Diversität in den Redaktionen würde der gesellschaftlichen Debatte auf jeden Fall gut tun. Aber: Warum sollte nicht auch ein weißer Berliner mit Hochschulabschluss in der Lage sein, die Lebenswelt derjenigen abzubilden, die sich in den etablierten Medien nicht wiederfinden? Das genau ist doch Journalismus: Hinfahren, mit Menschen reden, beobachten, aufschreiben. Und zwar so, dass die Menschen nicht Stichwortgeber sind, sondern als Experten für ihre Realität auftreten, wie Du schreibst. Das ist doch letztlich eine Frage des Handwerks - wozu auch gehört, die eigenen Vorurteile zu überwinden und das Sendungsbewusstsein hintan zu stellen. An der Bereitschaft der Redaktionen scheitert das sicher nicht. Gibt ja genug Beispiele, wie sie den Perspektivwechsel versuchen. Zumindest Medien wie SZ oder Zeit.

    1. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor fast 3 Jahre

      Ich behaupte nicht, dass dieser Perspektivwechsel unmöglich ist. Unmöglich aber ist, die eigene Persönlichkeit, Sozialisation, etc. zu vergessen. Das hat notwendigerweise Einfluss auf die Fragen, die ich stelle und die Interpretation der Antworten, die ich erhalte. Viele Leserinnen und Leser interessiert unsere Interpretation einfach nicht. Das müssen wir anerkennen. Ich fabuliere hier aber nicht von einem Ende des Journalismus, wie wir ihn kennen. Das Wort "ergänzend" ist entscheidend.
      Gleiches gilt für konstruktiven Journalismus. Es ist völlig albern zu fordern, dieser müsse klassischen Journalismus ersetzen (macht auch niemand, soweit ich weiß). Aber als Ergänzung ist er notwendig. Gute Lektüre zum Thema allgemein (nicht nur bezogen auf konstruktiven Journalismus): https://www.cjr.org/to...

    2. Ralph Diermann
      Ralph Diermann · vor fast 3 Jahre

      @Frederik Fischer Danke für den Lektüre-Tipp!

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