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Medien und Gesellschaft

Alexander von Streit
Digitale Schreibmaschine mit anarchistischem Ansatz und bürgerlicher Lebensform = Journalist
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piqer: Alexander von Streit
Montag, 13.06.2016

"Ich bin raus aus dieser menschenverachtenden, verlogenen Drecksbranche Fernsehen"

Wenn die Arbeitsbedingungen in der eigenen Branche immer schlechter werden, ist jammern die schlechteste Lösung. Der Kameramann Stefan Nowak hat zwei Jahrzehnte für das Fernsehen gearbeitet und angesichts der immer weiter sinkenden Budgets aktiv gegen die fatale Honorarpolitik der Sender angekämpft – obwohl ihn dieses Engagement nach eigener Aussage Sympathien und auch Aufträge gekostet hat. Jetzt hat er entnervt das Handtuch geschmissen und im Fachmagazin "Film & TV Kameramann" aufgeschrieben, warum er keine andere Möglichkeit sieht. 

Das Fernsehen stirbt einen langsamen Tod, und mit ihm die Produktionsfirmen, Autoren, Kameraleute, Tontechniker, Regisseure. Wem das klar geworden ist, der erkennt, dass es nicht besser werden wird. 

Nowak filmt inzwischen nicht mehr, sondern baut ab: Er zerlegt Gebäudeanlagen mit schweren Spezialmaschinen. Und er sagt, dass es ihm jetzt besser geht. Eine konsequente Entscheidung, die er für sich persönlich getroffen hat. Doch ein Vorbild dafür, wie man mit dem Medienwandel umgehen sollte, ist dieser Schritt nicht – sondern nur eine Möglichkeit. Sein Problem betrifft aber viele Menschen im Medienbetrieb. Manche kennen wie Nowak noch die besseren Zeiten, in denen die Produktionsbedingungen komfortabel waren. Andere haben nie eine andere Arbeitswelt im Journalismus erlebt, als die der kostenorientierten Optimierungen in Sendern und Verlagen. Man kann diesen vergangenen Zeiten nachtrauern und darüber lamentieren. Zurückkommen werden sie nicht mehr.

Man kann aber auch den Medienwandel akzeptieren – und die eigene journalistische Arbeit danach ausrichten. Unabhängig von Verlagen und Sendern zum Beispiel, indem man Journalismus mit eigenen Ideen in neue Geschäftsmodelle überführt und diese selbst ausgestaltet. Ich bin der festen Überzeugung, dass da noch einiges geht. 

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