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Medien und Gesellschaft

Johannes Kram
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piqer: Johannes Kram
Montag, 12.02.2018

Hate Speech im Internet: Du bist nicht allein

Vor einigen Wochen schrieb der Journalist und Blogger Richard Gutjahr unter der Überschrift "Unter Beschuss" über die monatelangen Angriffe gegen ihn und seine Familie im Internet und den kräftezehrenden Kampf dagegen.

Der Fall des Bloggers Linus Giese erinnert daran, auch wenn es sich hier nicht um antisemitische und verschwörungstheoretische Hasskommentare wie bei Gutjahr handelt, sondern um transphobe Hetze. Aber das Gefühl des Ausgeliefertseins, die Ambivalenz zwischen dem Sich-öffnen-wollen bei gleichzeitigem Schutzbedürfnis, das Unvorbereitetsein trotz all der digital-medialen Erfahrung verbindet die beiden unterschiedlichen Leidensgeschichten.

Giese:

Andererseits muss ich aber auch erkennen, dass mir das hier gerade passiert, weil ich mich dazu entschieden habe, offen damit umzugehen, dass ich trans bin – ich lebe seit vier Monaten ein neues Leben als Linus und behandle das online mit größtmöglicher Offenheit. Ich entschied mich dafür, um andere an meinem Leben teilhaben zu lassen und gleichzeitig für das Thema Trans zu sensibilisieren. Aber Offenheit macht auch verletzbar. Offenheit macht angreifbar. Fremde müssen nur nach meinem alten Namen recherchieren, mich als Frau bezeichnen oder das falsche Pronomen verwenden.

Doch es gibt noch eine Gemeinsamkeit: Auch wenn es mühsam und frustrierend ist, man kann sich wehren. Gutjahr bietet in seinem Blog sogar einen dezidierten Siebenpunkteplan (Hass-Urheber anzeigen​ / ​Screenshots machen – aber richtig​ / ​Rechtsschutzversicherung abschließen​ / ​Fachanwälte suchen​ /​Professionelle Hilfe konsultieren​ / ​Nicht wegschauen!​ /​Vernetzt Euch!​)​ und auch Giese berichtet, wie wichtig es etwa war, sich bei der Berliner Polizei zu melden, bei der es eigene Ansprechpartner für homo- und transphobe Hasskriminalität gibt.

Plötzlich habe ich nicht mehr den Eindruck, den Beschimpfungen hilflos ausgesetzt zu sein, sondern mich zur Wehr setzen zu können. Und dabei auch noch ernst genommen zu werden.
Hate Speech im Internet: Du bist nicht allein
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