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Medien und Gesellschaft

Daniela Becker
Umweltwissenschaftlerin und Journalistin
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Daniela Becker
Community piq
Montag, 27.05.2019

Gesucht sind Wörter, die Interesse an Natur wecken, statt die Distanz zu ihr zu verstärken

Dieser Text von Johanna Romberg ist wieder einer, den ich am liebsten komplett hier rein kopieren würde, damit ihn auch ja alle lesen. Sie beschäftigt sich damit, wie distanziert die deutsche Sprache mit unserer Umwelt und der Natur umgeht und warum das womöglich ein großes Problem ist.

Wörter erzeugen Bilder im Kopf oder auch nicht, sie verstärken oder relativieren bestimmte Perspektiven. Die Fachsprache der Naturexperten hat die Tendenz, blühendes, krabbelndes, fliegendes Leben in Forschungsobjekte oder Verwaltungsgegenstände zu verwandeln. Aus Hecken, Tümpeln, Büschen, Feldrainen wird „Strukturvielfalt“. Aus Feldern, Wäldern und Mooren werden „Gebietskulissen“. Und die Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, die diese bevölkern, mutieren zu „Naturkapital“, das bestimmte „Ökosystemleistungen“ erbringt.

Der Text ist inspiriert von Buchautor George Monbiot, der selbst ähnliche Überlegungen für die englische Sprache angestellt hat. Drei seiner Vorschläge für Verbesserungen:

• „Fischpopulationen“ für „Fischbestände“ (weil diese nahelegen, dass das Meer ein beliebig wieder auffüllbares Vorratslager ist.)

• „Lebendige Gewässer“ für „saubere Gewässer“ (denn sauber ist schließlich auch ein gechlortes Hallenbad.)

• „Schmutzige Brennstoffe“ für „fossile Brennstoffe“ (das Adjektiv „fossil“ ist zwar auch ok, weil in ihm die Rückwärtsgewandtheit all derer mitschwingt, die nach wie vor auf Öl und Kohle setzen. Aber „schmutzig“ ist eben noch treffender.)

Besonders bedenkenswert finde ich Rombergs Überlegungen zum Wort „Naturschutz“.

Denn „schützen“ heißt ja letztlich nicht mehr, als den Status quo zu bewahren. Das aber käme beim gegenwärtigen Zustand der Natur einer Kapitulation gleich. Die Zerstörungen der vergangenen Jahrzehnte waren so umfassend und (hier passt das Wort) nachhaltig, dass es von jetzt an um mehr gehen muss, nämlich um Wiederbelebung. Und zwar nicht nur der Schutzgebiete, sondern möglichst der gesamten Landschaft.
Gesucht sind Wörter, die Interesse an Natur wecken, statt die Distanz zu ihr zu verstärken
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Kommentare 4
  1. Christoph Weigel
    Christoph Weigel · vor einem Jahr

    danke für's piqn! eine wichtige, schwierige aber lohnenswerte aufgabe, neue worte/begriffe für biologische zusammenhänge zu finden, oder eine neu-aneignung alter begriffe zu fördern. das ganze im bermuda-dreieck von viralen katzenfotos, (neo)romantischer natur-verliebtheit à la biedermeier, und wissenschaftlich gebotener sachlichkeit. george monbiot hat da ganz gut vorgelegt! johanna romberg legt nach, gut so!

  2. Gabriele Feile
    Gabriele Feile · vor einem Jahr · bearbeitet vor einem Jahr

    Danke für diesen schön zu lesenden piq. Mir war nicht bewusst, wie sich Wissenschaftler über die Klimakrise austauschen. Was mir auffällt: Diese Art der Kommunikation wird auch gerne genutzt, wenn man über Menschen spricht: Humankapital, Ressourcen, Konsumenten, Nutzer, Mitarbeiter, Arbeitnehmer etc. Wir können also unsere Sprache grundsätzlich bewusster einsetzen und damit "en passant" Bilder kreieren, die wiederum zum Handeln anregen. Ich glaube daran und tue mein Bestes.

    1. Hansi Trab
      Hansi Trab · vor einem Jahr

      Danke für den schönen Hinweis. Wenn man das weiterdenkt und sich auch die aktuelle Diskusson über Framing ins Bewusstsein ruft, kommt man über die Sprache möglicherweise zu einer neuen Art von Achtsamkeit, Respekt und Wertschätzung. Nicht nur der Natur, sondern auch dem Menschen gegenüber. Das könnte dann eben auch eine ganze Reihe von vergessenen menschlichen Eigenschaften "wiederbeleben" und darüber quasi ohne erhobenen Zeigefinger einen selbstmotivierten ethischen Imperativ zur "Naturwiederbelebung" schaffen.

    2. Gabriele Feile
      Gabriele Feile · vor einem Jahr

      @Hansi Trab Sehr schön. Ja, das kann passieren. Wäre das nicht wunderbar? Bestimmt irritiert man viele damit (so geht's mir zumindest), aber je mehr wir sind, desto "normaler" wird es.

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