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Medien und Gesellschaft

Simon Hurtz
SZ, VOCER Millennial Lab, Social Media Watchblog

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piqer: Simon Hurtz
Mittwoch, 13.11.2019

Fast alle Medien kritisieren Facebook. Fast alle Medien sind auf Facebook. Muss das sein?

An der Vorgeschichte dieses Texts bin ich zumindest indirekt beteiligt. Die Facebook-Seite von jetzt läuft seit vergangener Woche gedrosselt, weil Facebook zwei Postings als Clickbait einstuft – eins davon enthält vorsichtig formulierte Kritik an Facebook. Zusammen mit jetzt-Chefin Charlotte Haunhorst habe ich die Hintergründe geschildert und erklärt, warum Facebooks Vorgehen Fragen aufwirft. Noch mehr steht beim Social Media Watchblog.

Interessanter als meine Texte ist der Kommentar von Matthias Eberl, den ich hier empfehle. Er nimmt den aktuellen Vorfall zum Anlass, um "grundsätzlich darüber nachzudenken, wie Journalistïnnen auf die Dauerprobleme mit Facebook reagieren sollen."

Dabei verfällt er nicht in plumpes Facebook-Bashing, sondern legt differenziert dar, warum so viele Medien ihre Inhalte auf einer Plattform verbreiten, deren Vorgeschichte Matthias so zusammenfasst:

Facebook fördert Ungleichheit, gefährdet das freie Netz, vermeidet Steuern, hat ein Monopol, ist unsozial, intransparent, bewusst irreführend und verstößt gegen Gesetze, insbesondere natürlich beim Datenschutz. Lügen bis zum Gerichtsprozess – so geht das nun seit über zehn Jahren. Allein 2018 wurden wieder sechs große Verfahren gegen Facebook eröffnet. Wer hier kein System erkennt, ist naiv.

Kein Facebook, kein Problem? Die Realität ist komplizierter. Der Rundfunkstaatsvertrag sieht etwa vor, dass die Öffentlich-Rechtlichen "allen Bevölkerungsgruppen die Teilhabe an der Informationsgesellschaft" ermöglichen sollen. Dazu zählen auch externe Social-Media-Plattformen.

Es gibt also auch eine Pflicht, bei Facebook Journalismus zu betreiben. Und ich denke, was für die Öffentlich-Rechtlichen Pflicht ist, kann man auch den anderen Medien zugestehen.

Auf der einen Seite steht eine problematische Plattform – auf der anderen Seite gibt es gute Gründe, auf dieser Plattform präsent zu sein, um Menschen zu erreichen, die sonst wohl kaum den Weg auf die eigene Webseite fänden. Was tun? Matthias wünscht sich zwei Konsequenzen:

Als erstes sollten Journalistïnnen dieses Dilemma, in dem sie sich mit Facebook befinden, transparent gegenüber der Öffentlichkeit machen. Es muss klar werden, dass die naive Förderung von Facebook, Instagram und Whatsapp ein Fehler war.

Noch wichtiger sei der zweite Schritt: Bestehende, unproblematische Plattformen mit dem eigenen Angebot zu fördern und Facebook-Nutzerïnnen gezielt auf diese Plattformen umzuleiten. Matthias nennt dabei Plattformen wie Twitter und Snapchat (wobei ich nicht weiß, ob Twitter wirklich verantwortungsvoller handelt als Facebook – es steht nur weniger in der Öffentlichkeit und bekommt deshalb weniger Kritik ab), aber auch Mastodon, RSS und Newsletter.(*)

(*) Ergänzung: Ich verweise an dieser Stelle nachdrücklich auf den Kommentar von Marcus.

Dann muss aber auch die größere Debatte beginnen, wie der Journalismus sich und seine Leserïnnen dauerhaft aus dieser Zwangslage befreien kann. Auch Googles Engagement auf dem Mediensektor muss transparent hinterfragt werden und dessen Monopolisierung zum strategischen Thema werden. Wie sollen die Plattformen in der demokratischen Gesellschaft der Zukunft aussehen?

Diese Frage finde ich zentral. Ich unterstelle Facebook keine böse Absicht und glaube tatsächlich, dass viele Mitarbeiterïnnen nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass es keine gute Idee ist, einen Großteil der weltweiten Kommunikation in die Hände eines einzelnen Unternehmens zu legen.

Dazu tragen Medien bei, die ihre Inhalte auf Facebook teilen und sogar Videos extra für Facebook produzieren. Das wird sich auf absehbare Zeit wohl nicht ändern, aber vielleicht bringen Kommentare wie der von Matthias die eine oder den anderen zum Umdenken.

Um kurz zu träumen: Richtig schön wären Aktionen, bei denen Medienhäuser gemeinsam alternative Plattformen fördern, die dem Journalismus gut tun. Auch (...) dadurch Mehraufwand entsteht, wird das journalistische System dadurch insgesamt gewinnen.
Fast alle Medien kritisieren Facebook. Fast alle Medien sind auf Facebook. Muss das sein?
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Kommentare 9
  1. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · Erstellt vor 23 Tagen · Bearbeitet vor 23 Tagen

    ich wüsste ja welche Plattform sie fördern könnten, die dem Journalismus gut tut...
    aber ich glaube, ich frage lieber facebook, ob sie uns helfen...

    1. Simon Hurtz
      Simon Hurtz · Erstellt vor 23 Tagen ·

      Haha! Ich habe mir mal erlaubt, das (ganz dezent gefettet) im Text nachzutragen.

    2. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 23 Tagen ·

      @Simon Hurtz fahre übrigens gerade nach Hause von einer facebookfinanzierten Journalistenkonferenz...long story short: sie raffen das schon auch langsam, dass sie ein systemkritisches Problem sind, dass die Politik es nicht lösen wird und sie es ihrerseits nicht fixen, in dem sie ein wenig Journalisten pampern...

    3. Simon Hurtz
      Simon Hurtz · Erstellt vor 23 Tagen ·

      @Marcus von Jordan Ja, total. Persönlich sehe ich Facebook auch weniger kritisch als Matthias und halte einen Großteil der moralisierenden Leitartikel, die Facebook als das Böse schlechthin darstellen, für selbstgefällig und scheinheilig (Stichwort: Tracking, Werbenetzwerke). Ich glaube, dass die meisten Menschen, die dort arbeiten, sehr wohl wissen, welche politische und gesellschaftliche Verantwortung sie haben.

      Nur gibt es eben auf viele Fragen keine eindeutig richtigen oder falschen Antworten, und wenn Facebook anders entscheidet, als sich das Journalistïnnen wünschen, dass meckern sie (zum Beispiel aktuell bei politischer Werbung, wo ein Verbot auch nicht alle Probleme löst, wie es oft dargestellt wird).

      Facebook macht da eine Entwicklung durch, die Google vor einigen Jahren vollzogen hat. Diese Lokaljournalismus-Förderung ist ja durchaus mit der Google News Initiative vergleichbar. Da mag ein gewisses Eigeninteresse mitschwingen, aber ich denke nicht, dass sich Facebook damit in erster Linie freundlichere Kommentare kaufen will.

    4. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 23 Tagen ·

      @Simon Hurtz ja da bin ich sogar etwas kritischer als du glaube ich. Nicht weil die Menschen da böse sind, aber weil sich eben am Ende die Frage stellt: kann das für Demokratie und pluralistische Gesellschaft überhaupt irgendwie funktionieren, dass ein großer Teil der Öffentlichkeit "geowned" wird von einem intransparenten Unternehmen, dass seine wirtschaftlichen Partikularinteressen vertritt. Und da diese Frage erstmal sehr eindeutig mit "nein" zu beantworten ist, stellt sich die Anschlussfrage, ob so ein Unternehmen in der Lage ist, quasi "autoaggressiv" einen Teil der Selbstbestimmtheit aufzugeben.
      Besser wäre wirklich eine Summe x von alternativen Plattformen, die klein starten, agil entwickelt werden und massiv von den Verlagen und den ÖRRs unterstützt würden. Aber leider ist immer noch nicht durchgedrungen, wie sehr das Problem ein infrastrukturelles ist und wer so was vorschlägt, ist immer noch nicht sicher vor platter Häme.

    5. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · Erstellt vor 21 Tagen ·

      @Marcus von Jordan ja das Eigentum. Facebook muss entweder zgrT in die öffentliche Hand übergehen oder eine von vielen großen Plattformen werden

  2. Daniela Becker
    Daniela Becker · Erstellt vor 23 Tagen ·

    Das Problem ist doch, dass Facebook, Twitter et. al. völlig intransparent schalten und walten können, wie es ihnen passt. In der Wirtschaft werden solche Monopole aus gutem Grund reguliert.

    1. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 23 Tagen ·

      ja...tatsächlich ist Intransparenz das zentrale Problem. Und alle Regulierung, die nicht genau das zum Thema hat, ist mir deshalb relativ egal. FakeNews und fact-checking und auch die ganze Anti-Hate-Speech Debatte gehen letztlich ins Leere.

  3. Monika Kienle
    Monika Kienle · Erstellt vor 22 Tagen ·

    Vor einigen Jahren kam Human Connection ins Spiel als Konstrukteur von Social Media Plattform der Menschen und nicht der Unternehmen oder der Politik.
    Ich frage mich wie kurzsichtig Journalismus geworden ist, wenn, wie Human Connection kolportiert, einzig KenFM über Human Connection berichtete.
    Mir ist das Ganze um die Ohren geflogen, als ich anmerkte, dass allein aus der Tatsache, dass KenFM berichtete und Support generierte, der Umkehrschluss "nur KenFM Leser" wollen ein unabhängiges soziales Netzwerk, ihrem eigenen Unterfangen keinen Gefallen tut.
    https://www.facebook.c...

    Die Diskussion muss über "Hass im Netz" und welche Plattformen, welche Übel hervorbringen oder verstärken, hinausgehen.
    Und der Journalismus als solcher stellt sich dabei wirklich ungeschickt an.

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