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Medien und Gesellschaft

Frederik Fischer
Sub-, Pop- und Netzkulturkorrespondent
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piqer: Frederik Fischer

Die fragmentierte Gesellschaft ist der Normalzustand. Die letzten 60 Jahre waren die Ausnahme.

Rico hat gestern einen Text von Paul Graham zur Ungleichverteilung von Vermögen in Amerika gepiqt. Nach Paul Graham, dem Möchtegern-Volkswirt, lernen wir in seinem Essay "(Re)Fragmentation" nun Paul Graham, den Möchtegern-Soziologen kennen.

Der legendär erfolgreiche Startup-Gründer und Investor verzettelt sich bei seiner groß angelegten geschichtsphilosophischen Gesellschaftsanalyse meisterlich, beweist aber wieder ein ausgesprochenes Talent für "Storytelling" und Themenwahl. 

Aber zur Kernthese des Texts: Unsere Gesellschaft verliert zunehmend an Kohäsionskraft. Sie zerbröselt in viele kleine Interessen- und Schicksalsgemeinschaften. Das mag für uns ungewohnt sein, ist aber eigentlich der Normalzustand von Gesellschaften. Die Konformitätsgesellschaft der Nachkriegszeit war die Ausnahme, hervorgerufen durch 

1.) den zweiten Weltkrieg, der wie eine Reset-Taste das Vermögen eines großen Teils der Gesellschaft auf null bis wenig reduzierte

2.) einige wenige riesige Konzerne, für die wiederum nahezu alle arbeiteten, die nicht im Staatsdienst beschäftigt waren. 

Graham hält die durch das Internet beschleunigte Fragmentierung (und damit auch die Ungleichverteilung von Vermögen) für unumkehrbar und entsprechende Versuche für gefährlich. 

I worry that if we don't acknowledge this, we're headed for trouble. If we think 20th century cohesion disappeared because of few policy tweaks, we'll be deluded into thinking we can get it back (minus the bad parts, somehow) with a few countertweaks. And then we'll waste our time trying to eliminate fragmentation, when we'd be better off thinking about how to mitigate its consequences.
Die Analyse ist falsch aber wichtig und zudem ein schönes Beispiel für das moralphilosophische Prinzip einer "natural fallacy" (auf Holperdeutsch: Naturalistischer Fehlschluss). Eine "natural fallacy" beschreibt (zumindest in einer Lesart) folgende irrige aber populäre Annahme: Was dem "natürlichen" Gang der Dinge entspricht, muss automatisch auch gut sein. 

Die fragmentierte Gesellschaft ist der Normalzustand. Die letzten 60 Jahre waren die Ausnahme.

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Kommentare 2
  1. Sebastian Werner
    Sebastian Werner · vor 11 Monaten

    Nur weil es vielleicht der historische Normalzustand war, ist er ja noch lange nicht gut oder erstrebenswert. Ich denke, dass unsere Gesellschaft/Gemeinschaft mehr Kohäsion braucht und als Zivilgesellschaft mehr füreinander tun sollte. Alles andere wäre für mich ein Rückschritt. Gerade die neuen Medien sind doch ein gutes Mittel, um gemeinsame Kommunikations- bzw. Diskursräume zu schaffen. Das Problem ist wohl das fehlende Geschäftsmodell für eine Zivilgesellschaft und verantwortungsvolle Bürger.

    1. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor 11 Monaten

      Volle Zustimmung. Gut auf den Punkt gebracht.

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