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Medien und Gesellschaft

piqer: Felix Schwenzel
Donnerstag, 19.09.2019

Die bedauerliche ad hominemisierung der Politik und Medien

Kurt Krömer hat offenbar eine neue Sendung im RBB, was ich aber nur weiß, weil Twitter mir das vor die Augen gespült hat. Das auf Twitter von Ralf Heimann empfohlene Gespräch von Kurt Krömer mit Kevin Kühnert habe ich mir, ebenso wie das mit Philipp Amthor, angesehen und halte beide für empfehlenswert (es gibt derzeit noch ein weiteres). Das neue Format von Krömer ist klar auf flache Unterhaltung, Ironie und Metaebenen ausgerichtet, ist aber stellenweise mit quasi-journalistischen Einsprengseln und kritischen Fragen durchwirkt. Für Politiker ist das natürlich ein Minenfeld und ein großer Teil der Attraktivität des Formats ist Politikern beim Tänzeln auf Krömers Minenfeldern zuzusehen.

Wirklich interessant wird das ganze aber deshalb, weil das Format eben nicht wirklich einen journalistischen Anspruch erhebt aber trotzdem vielen anderen Formaten ähnelt, die genau diesen Anspruch geltend machen. Genau wie sehr viele Qualitäts- und Boulevard-Medien, reitet Krömer ohne Ende auf dem Alter von Kühnert und Amthor rum. Genau wie manche politischen Kommentatoren verbeißt sich Krömer darin, dass Kühnert kein abgeschlossenes Hochschulstudium oder abgeschlossene Berufsausbildung hat. Kühnert hatte dazu folgendes zu sagen:

Dieser Vorwurf kommt ja häufig, ich weiss immer nicht wo er hinführen soll. Das macht meine Argumente nicht schlechter, wenn man die falsch findet, dann muss man die inhaltlich widerlegen. Das ist ja  das schöne an einer Demokratie, [Argumente] funktionieren ohne Ansehen der Person.

Die Tendenz, statt Argumenten Personen zu debattieren, statt inhaltlicher Positionen die persönlichen Eigenschaften, Äußerlichkeiten, (CO₂) Fußabdrücke oder die Rezeption und Popularität von Personen in den Mittelpunkt zu stellen, ist eben nicht mehr nur Quatsch- und Unterhaltungsformaten wie Chez Krömer vorbehalten, sondern findet auf der ganzen Breite des Medienspektrums statt — und zunehmend auch in der politischen Debatte selbst.

Die bedauerliche ad hominemisierung der Politik und Medien
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Kommentare 2
  1. Maximilian Rosch
    Maximilian Rosch · Erstellt vor 3 Monaten ·

    Wirklich unterhaltsam, aber auch inhaltlich immer wieder ansprechend, genau, wie du schreibst.

    Kühnerts Antwort auf die "Abschluss"-Frage finde ich gelungen, allerdings funktioniert es im herrschenden Diskursrahmen momentan (wie du ja auch schreibst) nicht ganz so gut, damit, dass Argumente unabhängig von den sie äußernden Personen funktionieren.
    Gerade hinsichtlich Fridays for Future höre und lese ich immer wieder "zu jung, nichts geleistet, die sollen mal ihren Abschluss machen und arbeiten...", und das von Menschen, denen ich eigentlich eine gewisse Reflektion zutraue. Auf dem "zu jung" reitet bspw. auch Krömer für meinen Geschmack auch etwas zu sehr im Gespräch mit Amthor rum, bevor er dann doch inhaltlich einsteigt.

    1. Felix Schwenzel
      Felix Schwenzel · Erstellt vor 3 Monaten ·

      die parallelen zu fridays for future oder dem abarbeiten an greta thunberg hätte ich auch gerne noch in den piq gepackt, wenn ich mehr zeichen gehabt hätte. zum beispiel die exegese dieser scheinbar harmlosen bild-meldung: https://twitter.com/ni...

      bild überschreibt eine meldung zu einer umfrage mit: „Mehrheit der Deutschen glaubt an Greta“ was ungefähr dreifach perfide ist und doppelt ad hominem angreift: einerseits sollen menschen die die forderungen von fridays for future unterstützen als verblendete schafe dargestellt werden, die irgendwas glauben (statt eine klare, wissenschaftlich fundierte position zu vertreten), andererseits wird greta thunberg implizit unterstellt, dass sie bewunderung und (glaubens-) folgschaft fordert (statt einer sache zu aufmerksamkeit zu verhelffen wollen) und drittens wird wissenschaftlicher konsens, ganz im sinne fossiler- und rechter-propaganda-bemühungen, als eine glaubens- oder meinungssache geframed.

      das wäre jetzt nicht weiter erwähnenswert, weil die bild ein drecksblatt ist, wenn genau dieses framing eben nicht auch in der konservativen „qualitäts“-medien oder von politikern aus dem rechten oder FDP-spektrum übernommen würde. und das ist in dieser massivität und vernunftsdistanz schon auch ein neues phänomen — und wahrscheinlich auch eine art intellektueller kapitulation vieler konservativer, die nicht nur mit der gegenwart überfordert sind, sondern auch angesichts der brillianz, der reichweite, dem konstruktiven pragmatismus und glaubwürdigkeit der jugend überwältigt sind. diese (intellektuelle) kapitulation geht dann einher mit defensiv-strategien unterhalb der gürtellinie.

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