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Medien und Gesellschaft

Des Teufels Anwalt?

Max Fluder
Student

In der Schwebe

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Max FluderDonnerstag, 21.02.2019

Die vier großen Tech-Konzerne (Amazon, Apple, Google, Facebook) sind die "Bösen" und die traditionellen Print-Medien sind die Retter der Demokratie? So einfach ist die Welt nicht.

In einem ausführlichen Interview auf horizont.net beantwortet Jochen Wegner, ZEIT Online-Chef, Fragen zum Umgang mit den relativ neuen Marktteilnehmern und verknüpft die dringenden Fragen mit beruflichen aber auch persönlichen Erfahrungen. Wegner selbst ist in Deutschland eine Koryphäe, was den Online-Journalismus anbelangt, und hat auch heute noch einen optimistischen Blick auf die Entwicklungen im Netz.

Persönlich stimme ich mit seinen Argumenten nicht immer überein; auch als sogenannter "Digital Native" (grässliches Wort) nicht. Volker Schütz, der Interviewer, stellt die Fragen so, dass sich Jochen Wegner immerzu verteidigen muss und sich als Fürsprecher des Teufels sieht. Aber der Chefredakteur macht seine Sache gut und begründet seine Standpunkte schlüssig und ausführlich.

Die Personen die in dem Interview auftauchen sind ein Taxifahrer in Tokio, eine Uber-Fahrerin, die mit dem Chauffieren ihre Farm am Laufen hält und Wegners Kinder, die im Gegensatz zum Vater ihren digitalen Medienkonsum auf ein Minimum beschränken. Die wohl zentrale Figur bleibt aber Wegners Mutter, die in einem Kommentar zur Internetsicherheit in der gedruckten ZEIT (03/19) auch schon einen Auftritt hatte. Sie steht sinnbildlich für einen reservierten Umgang mit dem Digitalen:

Ich lerne wirklich viel von ihr und nutze sie oft als Referenzgröße. Die Redaktion kann das schon nicht mehr hören.

Tenor des Interviews: Nicht die neuen Plattformen sind das Schlechte, sondern sie bringen das Schlechte aus den Menschen hervor. Oder in Wegners Worten:

Twitter und Facebook sind ebenso nicht a priori Schuld an den Inhalten, die Nutzer darauf teilen - auch, wenn wir in den Debatten darüber hin und wieder so tun.

"Zeitungslust und -nutz" ist ein Werk aus dem späten 17. Jh. Wegner skizziert die Ansätze für eine Neuauflage im Digitalen.

Des Teufels Anwalt?

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Kommentare 3
  1. Max Fluder
    Max Fluder · vor mehr als 2 Jahre

    Ein kleiner Hinweis: Der Artikel befindet sich mittlerweile hinter einer Anmelde-Schranke. Kostenlos ist er immer noch.

    Zu den Argumenten, mit denen ich nicht übereinstimme, habe ich tatsächlich einiges zu sagen. Zuerst ist da Wegners Differenzierung von Medium und Plattform. Für mich ist diese Unterscheidung im Bezug auf Onlinedienste wie Instagram, Twitter und Co. nur bedingt nützlich. Richtig ist, dass die Dienste in den seltensten Fällen selber journalistisch arbeiten. Nichtsdestotrotz übernehmen sie eine weitere wichtige Funktion der Medien: die Nachrichten-Aggregation. Sie präsentieren Leser*innen mit Inhalten und wählen aus (bzw. lassen einen Algorithmus auswählen), welche Beiträge wie und wo positioniert werden. Mit dieser Selektion nehmen sie eine ähnliche Rolle ein wie eine Redaktion, die über die Titelseite einer Zeitung entscheidet.

    Auch greifen mir die Überlegungen zu den Monopolstrukturen der Anbieter zu kurz. Sie ermöglichen zwar erwähntem Bonsai-Händler nach ganz Europa zu liefern, zwingen aber den Verkäufer dazu, sich den Bedingungen von eBay, Amazon und Airbnb anzupassen. Wer nicht mit den Geschäftsbedingungen konform ist, hat auf dem Markt nur geringe Chancen. Vor allem die Arbeitsbedingungen bei uber oder die Zwänge, die Amazon den Geschäftstreibenden auferlegt, machen mir hier Bedenken.

    Später im Interview kommt Wegner auf zielgerichtete Werbung zu sprechen. Diese würde mir nicht gefallen, sondern eher Angst machen. Ein Programm glaubt, aus meinen Daten ein Abbild meiner Konsumwünsche zeichnen zu können. Wenn es das nun wirklich kann, weiß es wahrscheinlich mehr über mich, als mir selbst bewusst ist. Solange meine Daten geschützt sind, ist dieser Vertrag mit diskreten Unternehmen auch okay. Nur können diese Daten durch Eingriffe besagter Unternehmen, externer Hacker oder in autoritäreren Staaten auch Regierungen gelesen werden. Privatsphäre ist und bleibt ein hohes Gut für mich.

    Zuletzt möchte ich noch darauf aufmerksam machen, dass der Redakteur betont, ein liberal denkender Mensch zu sein, nur um später eine härtere Strafverfolgung und Kontrolle bei Hatespeech zu fordern. Das wäre ein Liberalismus mit starken Einbußen. Vielleicht ist diese Form aber notwendig.

    Hier soll jetzt aber auch noch einmal betont werden, dass ich viel von Wegner halte und seine Analyse der Situation traditioneller Medien in Zeiten des Instant-Journalismus nur zustimmen kann. Wegner ist sehr reflektiert und wenn ich ehrlich bin, würde ich mich über ein längeres Buch mit Aufsätzen zum Wandel im Journalismus von ihm freuen. Facebook, Twitter und Co. geraten meiner Ansicht nach auch in Verruf, weil es mittlerweile "IN" ist, sie anzuprangern. Dass Websites etablierter Medien meist mit der gleichen Datensammelei arbeiten und mit einem ähnlichen Tonfall auf sich aufmerksam machen, fällt dabei unter den Tisch. Zum Journalismus im Netz gehören mehr als nur Silicon Valley-Konzerne.

  2. Moritz Orendt
    Moritz Orendt · vor mehr als 2 Jahre

    Hi Max,
    spannende Empfehlung und interessante Meinungen von Wegner. Mich würde wie Clara auch interessieren, mit welchen Argumenten du nicht übereinstimmst.
    Ich finde auch, dass in der Facebook und Twitter Diskussion die alten Medien oft zu gut wegkommen und als Bastion desQualitätsjournalismus doch sehr idealisiert werden.

  3. Clara Westhoff
    Clara Westhoff · vor mehr als 2 Jahre

    Mit welchen Argumenten stimmst du denn nicht überein? Bin gespannt, ob das eine Interview-Reihe wird...

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