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Medien und Gesellschaft

Simon Hurtz
Journalist, Dozent, SZ, Social Media Watchblog

Mag es, gute Geschichten zu erzählen.
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Mag es gar nicht, in der dritten Person über sich zu schreiben.

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piqer: Simon Hurtz
Samstag, 14.03.2020

Coronavirus beim Tagesspiegel: Eine Redaktion verzweifelt an den Berliner Gesundheitsämtern

Das Coronavirus verändert alles – auch die Art und Weise, wie Redaktionen arbeiten. Viele große Medien schicken ihre Redakteurïnnen vorsorglich ins Homeoffice, obwohl es noch keinen konkreten Verdachtsfall gibt. Beim Tagesspiegel ist das anders. Am Mittwochmorgen um 6:24 Uhr verschickt die Geschäftsführung eine E-Mail an alle Angestellten des Verlags: "Dringende Mitarbeiterinformation"

Wir haben bedauerlicherweise seit gestern Abend einen bestätigten Coronavirus-Fall im Tagesspiegel-Haus. Alle Kolleginnen und Kollegen, die Kontaktpersonen ersten Grades sind, wurden darüber informiert und bleiben die nächsten zwei Wochen zu Hause. Wir bieten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an, ins Homeoffice zu wechseln.

Binnen Minuten ändern sich alle Abläufe in der Redaktion:

Elf Minuten später kündigt die Chefredaktion an, die morgendliche Planungsrunde auf ein Minimum an Teilnehmern zu reduzieren. Eine für den kommenden Tag geplante Versammlung der Gesamtredaktion wird abgesagt. Das Sportressort meldet als erstes, an diesem Tag komplett von zu Hause aus zu arbeiten. (...) Wer seine E-Mails in der Früh nicht bereits von zu Hause aus abgerufen hat, wundert sich beim Eintreffen, wie still es auf den Fluren ist. Oder stellt zuallererst fest: Die Kantine ist geschlossen.

Maris Hubschmid rekonstruiert den Fall, schneidet die Diagnose mit den Ereignissen in Berlin gegen und schildert anschaulich, wie das Virus die Arbeit der Journalistïnnen auf den Kopf stellt. Früher oder später wird es vermutlich allen Redaktionen so gehen.

Ich piqe diesen Text nicht nur, weil er einen interessanten Einblick in die Reaktion des Tagesspiegels ermöglicht. Am eindrücklichsten finde ich die Absätze, die sich um die Berliner Gesundheitsbehörden drehen. Eine Kollegin des Infizierten will klären, ob sie sich angesteckt hat – vergeblich:

"Ab acht Uhr habe ich versucht, das Gesundheitsamt anzurufen." Das Bezirksamt Mitte hat eine spezielle Coronahotline eingerichtet, aber in Pankow, wo sie lebt, gibt es derlei nicht. "Mein Partner und ich haben beide nebeneinander vor unseren Telefonen gesessen und ununterbrochen versucht, die beiden Nummern, die wir im Internet gefunden haben, anzurufen. Es war immer besetzt." Da, endlich, ein Freizeichen – niemand geht dran.

Auch der Rest des Teams versucht, die jeweiligen Gesundheitsämter in ihren Heimatbezirken zu erreichen:

Zuerst kommt eine Kollegin in Friedrichshain-Kreuzberg durch. Nach zwei Stunden. Ein Test bringe gar nichts, sagt ihr die sehr freundliche Bezirksangestellte. "Ob Sie es haben oder nicht haben, Sie müssen in häuslicher Quarantäne bleiben." Ein Kollege in Moabit gibt irgendwann auf. Der erkälteten Kollegin gelingt es nach zweieinhalb Stunden erstmals, jemanden zu erreichen.

Offenbar sind die Behörden genauso überfordert und ratlos wie alle anderen auch. Das beginnt schon bei der Technik: "Sie sagte, dass sie selber nicht heraustelefonieren könne, weil die Leitungen im Amt zusammenbrächen – wie Handynetze an Silvester."

Eine Journalistin wird an die kassenärztliche Vereinigung verwiesen, deren Notdienst sie anrufen solle:

Auf Aufforderung tippt sie ihre Postleitzahl ein. Im nächsten Schritt soll sie die 1 für den Bereitschaftsdienst drücken. Die 2 für Datenschutzfragen. Egal, wofür die Kollegin sich entscheidet: Sie wird zurückgeworfen an den Anfang des Auswahlmenüs. "Ich bin dann eine Dreiviertelstunde einfach drangeblieben, weil ich dachte, vielleicht passiert noch was." Irgendwann beginnt eine Hintergrundmusik zu laufen. Es passiert nichts.

Zumindest beim Tagesspiegel gibt es eine gute Nachricht:

Am Donnerstagnachmittag bekommen sowohl die erkältete Teamkollegin und ihr Freund wie auch der Mann des Erkrankten ihre Laborergebnisse. Alle drei sind negativ getestet. Die übrigen Kontaktpersonen ersten Grades hatten keine Chance, sich testen zu lassen.
Coronavirus beim Tagesspiegel: Eine Redaktion verzweifelt an den Berliner Gesundheitsämtern

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