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Medien und Gesellschaft

Marcus von Jordan
Marcus von Jordan
Community piq
Montag, 14.01.2019

#JournalistenRaus statt #NazisRaus

Döpfner klingt in diesem Interview wie immer total schlüssig und eindeutig. Er spricht wie gedruckt und ist wirklich ein Genie wenn es darum geht, seine Positionen so zu schildern, dass sie wie selbstverständlich erscheinen.

Die hashtag Aktion "Nazis raus" von letzter Woche kommentiert er so:

Durch solche Aktionen kristallisiert sich ein zunehmend intolerantes Meinungsklima und eine intellektuelle Unfähigkeit, mit anderen Meinungen sowie unterschiedlichen Auffassungen weltoffen und zivilisiert umzugehen.

Kann man jetzt natürlich sagen "ja aber "Nazi" ist eben keine andere Meinung" - aber ist das massenhafte, pauschale Kategorisieren als Nazis nicht doch ein wenig kurz gesprungen? War mir jedenfalls auch viel zu flach, impulsiv und massenhysterisch die ganze Nummer.

Sein Statement zu Journalistinnen in den sozialen Netzen:

Ich empfehle allergrößte Zurückhaltung, wenn nicht gar vollkommene Enthaltsamkeit. Außerdem haben Journalisten doch eine gute Plattform, um sich auszudrücken. Ihr Medium. Warum sollten sie Ihr wertvollstes Gut – ihre Erkenntnisse und Gedanken, ihre Inhalte – verschenken, um Twitter zu Exklusivnachrichten oder Kurzkommentaren zu verhelfen?

Nutzt er es selber?

Nein, das kostet zu viel Zeit, produziert zu viel negative Energie und zu wenig Erkenntnis.

Er argumentiert hier offensichtlich zum einen nur aus der Sicht von Verlag und fest Angestellten und er räumt schon selber ein, das Journalistinnen soziale Netzwerke für Recherche nutzen müssen (Fragezeichen). Irgendeine offene Tür findet das aber auch bei mir...bin allerdings kein Journalist. Funktionieren denn Facebook und Twitter für Journalistinnen noch? Und ggf. wie, außer der natürlich attraktiven, persönlichen Reichweite.

Auch spannend und mir neu: die flächendeckende Zustellung analoger Zeitung ist in Gefahr.

Insgesamt lesens- und bedenkenswert.

#JournalistenRaus statt #NazisRaus
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Kommentare 16
  1. Jens Müller
    Jens Müller · vor etwa einem Monat

    Meines Erachtens greift der Beitrag zu kurz. Es ist weniger eine Frage des Journalismus, als vielmehr die Frage zum Bekenntnis, wo jeder in der Frage Nazis/Neonazis steht. Und für jeden Demokraten gibt es da nur ein Ja oder Nein. Mich persönlich verwundert hierzu die schon fast akademische bzw. wie im Elfenbeinturm sitzende Ansicht, man müsste das diskutieren. Wer dies so meint, verkennt mindestens die heute veränderte gesellschaftspolitische Lage. Als Jahrgang 60 war Nazitum für mich und Alle weiteren Anderen (!) einfach nur Bäh und das begründet. Mehr brauchten wir dazu nicht wissen.

    Und heutzutage ist es kein Problem 24 Stunden am Tag "Dokumentationen" über Nazis, deren Waffen (mit Bewunderung!), Hitler und seine Kriegszüge sogar auf mehreren Kanälen gleichzeitig zu konsumieren. Sei es ZDF in mehreren Spartenkanälen, Phoenix, ntv, N24 usw.. Ist den Intendanten und Journalisten eigentlich bewusst, dass sie damit das Nazitum wieder gesellschaftsfähig machen? Ob bewusst oder nicht, hier ist den Verantwortlichen und Beteiligten der schwerwiegende Vorwurf zu machen, dass sie damit dazu beitragen, erst die Nazis wieder zu ermöglichen. Ich hoffe wirklich, dass das nur (!) Dummheit ist. Hören Sie bitte sofort damit auf. Das hat schon lange nichts mehr mit Aufklärung zu tun. Diese kann nur noch als Deckmantel dienen.

    Das ist die eine Seite. Eine weitere ist, dass viel zu lange, den Nazis/Neonazis die "Spielwiese" der Meinungshoheit unter dem Aspekt "das haben wir doch nicht nötig" überlassen wurde. Deswegen ist es wichtig, ein deutliches und unmissverständliches Zeichen dagegen zu setzen. Dies ist selbstverständlich nicht alleine Aufgabe der Journalisten, aber auch. Alles andere kann, ist und wurde es auch, als stillschweigende Zustimmung gewertet/werden/worden.

    Zudem sollte das jeden Menschen und somit auch Journalisten frei gestellt sein, sich eindeutig gegen das Nazitum zu stellen.

    Wer sich je fragte, wie Hitler passieren konnte, erhält heute die Antwort. Dazu beigetragen haben wohl auch Journalisten, die es nicht für nötig gehalten hatten, sich eben auch lautstark und einfach in ja/nein zu äußern. Und später war es zu spät. Das sollte für Jeden die Lehre aus dieser grausamen Vergangenheit sein.

    1. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor etwa einem Monat

      Hallo Jens,

      danke für deinen Kommentar. Ich glaube, es werden hier zwei Dinge verhandelt, die zu unterscheiden sind. Ich habe da aber keinen Wahrheitsanspruch und kann nur schildern, was mich da abstößt:

      1. Wie stehe ich zu Nazis? Den historischen Nazi gibt es nicht mehr - die geistigen Nachfolger so zu bezeichnen, verharmlost die Greuel des dritten Reiches und macht es den so Bezeichneten einfach sich zu verteidigen oder sich zum Ziel einer Verleumdung zu erklären. Was die historischen Nazis angeht und wenn es um diese ginge, dann wäre ich ziemlich vollständig deiner Meinung.

      2. Wie stehe ich zu all denen, die jetzt und hier zusammengefasst werden unter "Nazis"? "Nazis" mag ich schon nicht als unklare, frei interpretierbare Beschreibung für Neonazis, Faschisten, AfDler und alles was da sonst noch reinpassen könnte verwenden. Ich mag so überhaupt nicht kommunizieren und finde das solch pauschale Kategorisierung und schwarz-weiße Vereinfachung sich verbieten sollte, für gerade diejenigen, die gegen diese "Nazis" stehen wollen.

      "Nazis raus!" ist ein Kampfruf. Er ist unlogisch und ohne intellektuelle Relevanz - methodisch ebenso klug wie "Ausländer raus!". Als Kampfruf mag er legitim sein. Ich würde mich natürlich nicht stören daran, wenn Demonstranten auf einer Kundgebung gegen Neonazis, diesen so etwas entgegenrufen würden. Hab ich selber oft getan.
      Als allgemeines, so in die digitale Sphäre geblasenes Statement, ist es mir mindestens sehr uninteressant. Dieses kollektive, impulsive Kettenreaktion hat aber auch ein eitles, selbstbestätigendes, beifallshaschendes und selbstgerechtes Momentum. Wer genau ist denn nun dieser "Nazi"? Wer darf den definieren? Wie weit rechts von dem, der "Nazis raus!" twittert beginnt denn nun eigentlich "Nazi"? Oder anders gefragt: wie weit rechts davon wollen wir noch gehört werden?
      Ist es mir egal, wer sich davon angesprochen fühlt? Jemand aus meiner Core-Bubble twitterte auch "Nazis raus!" und wies darauf hin, dass wer dazu Bedenken hat sich gleich mit angesprochen fühlen sollte. Es wundert mich, wie viele nicht merken, wie sehr kurz gesprungen das ist und wie sehr es der Methode des Gegners gleicht.

    2. Jens Müller
      Jens Müller · vor etwa einem Monat

      @Marcus von Jordan Vielen Dank für die Antwort. Es gibt den historischen Nazi nicht mehr. Das steht außer Frage und noch sind wir von den damaligen Gräueltaten weit entfernt.

      Jedoch wir sind dem in den letzten fünf Jahren so viel näher gerückt wie ich es wirklich nie für möglich gehalten hätte. Und auch richtig und zu konkretisieren ist, wie sind die neuen Strömungen auseinander zu halten. Ich beziehe mich auf die, die als Neonazis bezeichnet werden müssen. Auch schwierig, weil es fließende Übergänge gibt. In diesem Zusammenhang möchte ich an Joschka Fischer als Außenminister erinnern, der in seinem eigenen Haus Anfeindungen erdulden musste, weil er verstorbenen Mitarbeitern mit Nazi-Vergangenheit einen ehrenvollen Nachruf verweigerte. Namhafte Kritiker des dritten Reiches hatten auch gesagt, man hätte sich viel früher und entschiedener den aufstrebenden Nazis entgegen stellen müssen, um sie zu verhindern. Das sollten wir nicht vergessen.
      Im Gegensatz zu Ihnen halte ich es für richtig und wichtig, klare Kante zu zeigen. Verbal natürlich. Eine süffisante Aussage im Bezug auf den Bremer AfD-Abgeordneten.

      Diese über den rechten Rand hinaus getragenen Strömungen sind zumeist einfach strukturiert, aber dennoch machtvoll und sie erstarken immer weiter. Wie ich vorhin schon schrieb, tragen die Medien mit ihren "Dokumentationen" einen nicht unerheblichen Anteil daran. Hier vermisse eine Bewusstsein dafür und dass endlich Verantwortung dafür übernommen wird. Es sind bestimmt die gleichen Ansichten wie auch Ziele für die Zukunft der Gesellschaft vorhanden. Dennoch sehe ich die Gefahr, dass mit dieser Art der Ansicht, was Journalisten sollten und was nicht, sehr deutlich am Beispiel der Journalistin Frau Diekmann. Manche ihrer KollegInnen hatten doch tatsächlich, dass Frau Diekmann selbst Schuld an dem ihr entgegen gebrachten Hass sei. Wie bitte? Und hier passierte genau das, wovor ich eindringlich warne - die nach innen gerichtete Selbstreglementierung anstatt sich auf die "Gegner" zu konzentrieren.

    3. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor etwa einem Monat

      @Jens Müller ...natürlich ist das bull, dass sie selber schuld ist. Und Selbstreglementierung anstatt konzentrierte Gegnerschaft wäre natürlich auch Quatsch. Aber dieses "anstatt" wird doch nur aus Bequemlichkeit behauptet. Wieso denn "anstatt"? Ganz im Gegenteil: zur klaren Kante gegen Rechts gehört unbedingt, dass man sich den Schnabel sauber hält von dem pauschalen, simplifizierten, kollektiv-aggressiven Stil, der eben gerade die Methode der Faschisten auszeichnet. Dass man versucht auch der Bessere zu sein, anstatt sich ständig gegenseitig an der eigenen Besserartigkeit aufzugeilen. Mich hindert das bestimmt nicht daran, sehr sensibel zu sein für alle Spielarten des Faschismus und nachdrücklich und wenn nötig auch kämpferisch dagegen zu stehen.

    4. Jens Müller
      Jens Müller · vor etwa einem Monat

      @Marcus von Jordan Hier unterscheiden wir uns. Müssen wir vielleicht, weil die rechtsaußen Szene auch nicht homogen ist. Gefährlich ist/sind sie oder nicht? Mich interessiert noch die Einstellung eines Profis zur 5000. "Dritte Reich Dokumentation".

    5. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor etwa einem Monat

      @Jens Müller Brandgefährlich. Um so gefährlicher, wenn es ihr gelingt die gesamte Debatte mit in einen durchpolarisierten Strudel aus Parolen und Gegenparolen zu ziehen.
      Ich sehe übrigens auch das nicht so polar, wie es vielleicht jetzt scheint - Diekmanns Reaktion und Tweet hätte ich zb gar nicht moniert - das massenhafte Hinterhergewatschel und die damit einhergehende Selbtbeweihräucherung schon.

      Danke für den Profi :) - bin ich aber leider gar nicht, weil ich schon seit Jahren nur sehr wenig TV sehe. Und gerade 3. Reich Dokumentation ist nicht mein Fachgebiet - bin auch studienhalber und durch persönlichen Bezug relativ gut informiert über das Thema und fand das wenige, was ich gesehen habe auch oft zu reißerisch. "Bewundernd" kann ich mich jetzt nicht erinnern, aber wenn ich an die Dokus von Guido Knopp seinerzeit denke, so war mir schon da der Nationalsozialismus und seine Protagonisten zu sehr zu einem beliebigen "Unterhaltungsthema" verkommen.
      Gegen "viele" Dokus in der Sache wäre aber nichts zu sagen oder? Ich meine, wenn sie deutlich genug sind im Bezug auf die Menschenverachtung, das Grauen, die Unterdrückung und das Leid, dann könnten es ja kaum genug sein oder?

    6. Jens Müller
      Jens Müller · vor etwa einem Monat

      @Marcus von Jordan Kritiker sind flach und hysterisch .... wenn man da mal nicht überrollt wird .... wollte ich nur zusätzlich anmerken.

    7. Jens Müller
      Jens Müller · vor etwa einem Monat

      @Jens Müller Ich halte das für viel zu viel, um das Dritte Reich einzuschätzen, da reicht auch deutlich weniger. Und so wird es ins Wohnzimmer gebracht und hoffähig gemacht. Es wird als selbstverständlich konsumiert und natürlich tritt eine Normalität ein, es gehört dazu. Und die Bewunderung wurde für die Waffen ausgesprochen, was man schon nicht so früher konnte.

      Übrigens Danke für die Kontroverse.

    8. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor etwa einem Monat

      @Jens Müller ebenfalls! :)

    9. Jens Müller
      Jens Müller · vor etwa einem Monat

      @Jens Müller Habe heute zum Journalismus ein m. E. gutes Statement gefunden: http://m.spiegel.de/ne...

      Viele der angesprochen Punkte teile ich und einige berühren unseren Diskurs.

    10. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor etwa einem Monat

      @Jens Müller Danke sehr!

    11. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor etwa einem Monat

      @Jens Müller Hier direkt der passende piq:)
      https://www.piqd.de/me...

    12. Christoph Weigel
      Christoph Weigel · vor etwa einem Monat

      spannend, euer ping-pong zu lesen. danke @jens + @marcus. wen es um brüllbare parolen geht, möchte ich daran erinnern, daß vor gefühlt ewigen zeiten "atomkraft – nein danke" ganz eindeutig war + durchaus wirkung entfaltete, obwohl es denkbar un-aggressiv daherkam.

    13. Christoph Weigel
      Christoph Weigel · vor etwa einem Monat

      @Christoph Weigel */wenn (keine möglichkeit, posts zu editieren)

  2. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · vor etwa einem Monat

    Ich finde auch dieses Zitat sehr wichtig:

    "Wie will man denn in Zukunft mit anderen Enthüllungen umgehen – von der Neuen Heimat bis zu „Dieselgate“ – wo doch mit harten moralischen Maßstäben gemessen und schnell nach personellen Konsequenzen gerufen wird. Wer soll das denn noch ernst nehmen? Es steht hier also sehr viel auf dem Spiel."

    Das betrifft für mich auch den Umgang mit sozialen Netzwerken wie Facebook. So sehr ich mich über Kritik an FB freue. Eine Branche, die selbst keine Verantwortung übernimmt für ihre Berichterstattung, kann sich moralisch nicht so eindeutig über andere "Aufmerksamkeitshändler" stellen.

    1. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor etwa einem Monat

      Döpfner ist dafür natürlich das beste Beispiel. Wie der gute Mann sich völlig ironiefrei in seiner BDZV-Rolle als Bewahrer alles Guten und Schönen im Journalismus aufspielt, während die Produkte des eigenen Hauses Tag für Tag die Art von Journalismus betreiben, den er auf Podien kritisiert.....Höchst postfaktisch das alles:)