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Medien und Gesellschaft

Medienkritik

In Zeiten von Lügenpresse werden die journalistischen Medien kritisiert. Die Medien kritisieren sich ständig gegenseitig. Welche Kritik an Medien ist überzogen, welche notwendig? Welche Fehler menschlich, welche inakzeptabel?

Weitere Informationen zum Thema Medienkritik

Als "Kritik" wird gemeinhin die Beurteilung eines Gegenstandes - einer Person, einer Handlung oder eines anderen Objekts - auf der Grundlage vorgegebener Maßstäbe bezeichnet. Nicht erst sei Immanuel Kants "Kritik der reinen Vernunft" wird das Kritikvermögen dabei zu den wesentlichen Fähigkeiten des menschlichen Denkvermögens gezählt. Medienkritik ist dann die mit Hilfe von Argumenten geführte Auseinandersetzung über Massenmedien. Dazu zählen Printmedien, Hörfunk und Fernsehen, längst aber auch Weblogs und Social Media, zum Beispiel Facebook und Twitter. Gegenstand von Medienkritik können dabei die Massenmedien selbst sein, bestimmte Inhalte, die Arbeitsweise von Journalisten, die die Massenmedien mit Inhalten füllen, aber auch die Struktur der Organisationen, in denen die Journalisten arbeiten.

Medienkritik wird dabei häufig aus dem Publikum heraus formuliert. Kritik-Subjekt sind dabei Philosophen, Politiker und Kabarettisten - Dieter Hildebrandt, Harald Schmidt und Oliver Welke etwa - sowie andere professionelle Medienkritiker. Längst gibt es auch medienkritische Massenmedien, etwa das Bildblog.

Gegenstand von Medienkritik sind dabei häufig tendenziöse Berichterstattung, beispielsweise zu Gunsten oder zu Ungunsten einer politischen Partei, einer Einzelperson oder eines Wirtschaftsunternehmens, unzulässige Simplifizierungen von Sachverhalten und das Ausblenden relevanter Aspekte. Die Maxime, dass nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten seien, weil sie die Aufmerksamkeit der Rezipienten erhöhen und dadurch Auflagen und Einschaltquoten erhöhen, ist ebenfalls regelmäßig Gegenstand medienkritischer Überlegungen.

Kritisiert wird immer wieder die wirtschaftliche Abhängigkeit der Medien und ihrer Macher von (Werbe-)Aufträgen und die damit verbundene Möglichkeit der Einflussnahme auf redaktionelle Inhalte. Dabei geht es häufig um die Grenzen zwischen Journalismus und Public Relations, die spätestens dann verschwimmen, wenn Redaktionen vorgefertigte Textbausteine, Audio- oder Video-Material von der PR-Abteilungen übernehmen. Rabatte, Sonderkonditionen und Preisnachlässe für Journalisten auf Dienstleistungen oder Waren werden ebenfalls immer wieder im Rahmen von Medienkritik thematisiert. Sie stehen nämlich im Verdacht, journalistische Berichterstattung als mögliche Folgen von Vorteilnahme oder Bestechung zu prägen.

Die Geschichte der Medienkritik beginnt bereits mit dem Aufkommen der ersten Zeitungen gegen Ende des 16. Jahrhunderts, ist also ebenso alt wie ihr Gegenstand. Zur neueren Geschichte der Medienkritik in Deutschland zählt die Kritik der Studentenbewegung der 1960er Jahre an der Bild-Zeitung in der Anti-Springer-Kampagne. Günter Wallraff recherchierte im Jahr 1977 undercover, um manipulierende und informationsverfälschende Arbeitsweisen der Bild öffentlich zu machen. Zu den aktuellen Herausforderungen der Medienbranche, gehört die Auseinandersetzung mit dem Schlagwort von der "Lügenpresse", das Medien und ihre Inhalte und Macher polemisch und in herabsetzender Absicht unter Generalverdacht stellt.

Zu den Reaktionen der Medienhäuser auf die gegen sie erhobenen medienkritischen Vorwürfe zählen zum Beispiel die Installation von Ombudsleuten, zu deren Aufgaben es zählt, Medienkritik aus dem Publikum aufzunehmen und produktiv zu verarbeiten. Eine andere Möglichkeit, die etwa die "Zeit" praktiziert, besteht darin, Details zu Recherchen in besonders sensiblen Bereichen in eigenen kleinen Beiträgen für ihre Leser nachvollziehbar zu machen und mögliche Kritik dadurch im Vornherein den Nährboden zu entziehen.