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Medien und Gesellschaft

Hass im Netz

Rechtsextreme Hetze, frauenfeindliche Äußerungen, Cybermobbing und Shitstorms - das Internet kann eine raue Umgebung sein. Im Internet kann Hass schnell enstehen. Man muss die Ursachen verstehen, lernen damit umzugehen und lernen zu verhindern.

Weitere Informationen zum Thema Hass im Netz

Cybermobbing, Shitstorms, rechtsextreme Hetze. Das Internet bietet viele Möglichkeiten zur freien Meinungsäußerung, welche aber oftmals unter dem Deckmantel der vermeintlichen Anonymität missbraucht werden. Der stetig wachsende Hass im Netz in seinen vielfältigen Erscheinungsformen betrifft uns alle – als Opfer, Beobachter oder Täter. Hasserfüllte Postings sind inzwischen keine Seltenheit mehr und wecken in einigen extremen Fällen sogar mediales Interesse.

Die Ursachen, die zu Eskalationen einfacher Meinungsverschiedenheiten und somit zur Verbreitung von Hass im Netz führen, sind relativ simpel: Oftmals werden von Privatpersonen gepostete subjektive Inhalte, die viel Konfliktpotential in sich tragen, nicht ausreichend auf objektive Korrektheit geprüft. Dazu kommt, dass sich Menschen mit extremen Randmeinungen auf sozialen Netzwerken wie z.B. Facebook in Gruppen organisieren, welche von der österreichischen Autorin Ingrid Brodnig als „Echokammern“ beschrieben werden: Die eigene Meinung und die damit verknüpften Emotionen würden durch die Zustimmung vieler Gleichgesinnter verstärkt.

Interessant in diesem Zusammenhang sind auch zwei psychologische Phänomene, welche unter den gegebenen Umständen einer Konfliktsituation im Internet die Entstehung von Hass im Netz begünstigen: John Suler, ein US-amerikanischer Psychologe untersuchte 2004 den „online disinhibition effect“, also die Kohärenz zwischen der tatsächlichen Unsichtbarkeit des Konversationspartners und der Hemmung, diesen verbal zu verletzen. Es stellte sich heraus, dass das Fehlen nonverbaler Kommunikation das Verhalten von Menschen im Internet maßgeblich enthemmt. Wir sehen weder unseren Gegenüber, noch seine Reaktionen auf unsere Worte, was es uns vereinfacht, Hass im Netz zu verbreiten.

Das andere Phänomen lässt sich zur Zeit besonders gut auf rechtsextreme Hetze in sozialen Netzwerken beziehen: Der englische Psychologe Peter Wason entdeckte bereits in den 1960er Jahren den sogenannten „Bestätigungsfehler“, welcher den Vorgang der Selektion und Verifikation von Informationen beschreibt, die genau in das Weltbild eines Menschen passen, während gegensätzliche Meldungen weitestgehend ignoriert bzw. als unwahr abgetan werden. Gelesen, wahrgenommen und als wahr empfunden werden nur Informationen, die mit der eigenen Ideologie übereinstimmen. Zusätzlich entscheiden die Algorithmen vieler Websites anhand unserer Vorlieben, was wir zu sehen bekommen und was nicht.

Wir umgeben uns online mit Menschen, Meinungen und Meldungen, die unserem Weltbild entsprechen – wenn wir in diesem von uns selbst geschaffenen und für uns sicheren Raum „angegriffen“ werden, fühlen wir uns schnell in eine Ecke gedrängt: Wir setzen eine Spirale aus Hass im Netz in Gang, an deren Spitze in vielen Fällen die totale Eskalation bis zur Aufgabe aller guten Manieren steht.

Viele Websites haben mit einer Deaktivierung der Kommentarfunktion reagiert, um der Entstehung von Hass im Netz präventiv entgegenzuwirken. Experten schlagen als Lösung Gesetzesentwürfe bzgl. der Transparenz der Algorithmen vor; manche fordern, dass User sie je nach Belieben deaktivieren können. Facebook ermuntert zur sogenannten „counter speech“ gegen Hass im Netz, also zum Ergreifen persönlicher Initiative und stellt zudem Moderatoren ein, die das Geschehen im sozialen Netzwerk überwachen sollen. Initiativen wie z.B. www.mimikama.at entlarven in Zusammenarbeit mit der Polizei, Medien und sozialen Netzwerken Falschmeldungen, Betrugsversuche und andere Erscheinungsformen von Hass im Netz. Als persönliche Reaktion auf emotional geladene Internetdebatten wird allgemein Humor empfohlen, da dieser die Hassspirale unterbrechen und somit einen Ausweg bieten kann.