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Medien und Gesellschaft

Extremismus

Von Islamischer Radikalisierung durch das Internet bis zu erfolgreichen deutschen rechten Zeitungen - Medien können Extremismus ermöglichen und dazu motivieren. Auch gilt es zu betrachten, wie sich das Internet mit Anschlägen auseinandersetzt und welche negativen Auswirkungen genau das haben kann.

Weitere Informationen zum Thema Extremismus

Der Gegenstand des Extremismus ist von behördlicher Seite und politikwissenschaftlich betrachtet ein relativ junger Begriff. Er setzte sich seit den frühen Siebzigerjahren durch und bezeichnet im Allgemeinen politische Einstellungen und Bestrebungen, die sich an den äußeren Rändern des akzeptierten politischen Spektrums bewegen oder diese bereits überschritten haben. Verwandt, aber nicht deckungsgleich, ist der ältere Ausdruck Radikalismus. Die beiden Bezeichnungen existieren nach wie vor nebeneinander. In Deutschland wird der Begriff des Extremismus häufig bemüht, um mit ihm Einstellungsmuster, Denkweisen und Gruppierungen zu bezeichnen, die laut öffentlichen Stellen als mehr oder minder gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung gerichtet auftreten.

Wortherkunft und Verbreitung im Diskurs
Das Wort Extremismus leitet sich vom latinischen Superlativ „extremus“ ab und bezeichnet somit „das Entfernteste“ oder „das Äußerste“, im Bezug auf das politische Spektrum also Positionen, die von der politischen Mitte denkbar weit entfernt sind. Die politische Mitte kann in diesem Zusammenhang aufgrund von tatsächlichen oder angenommen Mehrheiten als Normalität betrachtet werden, was gleichzeitig bedeutet, dass der Extremismus stets eine starke Abweichung der politischen „Normalität“ darstellt. Infolgedessen haftet dem Extremismus per Definition eine Gefährdung der politischen Ordnung an, da er als der am weitesten von der „Normalität“ entfernte politische Standpunkt mit dieser stets unvereinbar bleiben muss.

Der Extremismusbegriff entstammt der Notwendigkeit des damaligen westdeutschen Verfassungsschutzes, mögliche verfassungsfeindliche Bestrebungen und Gruppierungen unter einer greifbaren Bezeichnung zusammenzufassen. Der Extremismus stellt somit in gewisser Weise eine Steigerung des Radikalismus dar, welcher auch innerhalb des politischen Spektrums verortet sein kann.

Ausprägungen des politischen Extremismus
Politischer Extremismus kann sich in verschiedenen Ausprägungsformen offenbaren und sich aus ideologischen, pragmatischen, religiösen oder machtpolitischen Motiven speisen. Ursprünglich vor allem für links- und rechtextremistische politische Strömungen verwendet, bezeichnet der Extremismus mittlerweile auch andere Phänomene wie den islamistischen Extremismus oder Ökoterrorismus. Der Extremismus muss nicht notwendigerweise mit Gewaltbereitschaft einhergehen, obwohl dem Begriff an sich grundsätzlich ein gewaltbereiter Unterton anhaftet. In der Soziologie verbreitet ist ebenso der sogenannte „Extremismus der Mitte“, der von der Mitte des politischen Spektrums ausgeht und aufzeigen soll, dass auch etablierte Parteien innerhalb der politischen „Normalität“ durchaus zu extremistischen, radikalem oder diktatorischem Verhalten oder gar Regieren fähig sind, ein Standpunkt, der nach der ursprünglichen Extremismusdefinition eigentlich nicht vorgesehen war.

Kritik am Extremismusbegriff
Eine wesentliche Kritik am Extremismusbegriff ist die Tatsache, dass grundverschiedene politische Ansichten (wie etwa Kommunismus, Nationalsozialismus, Monarchie oder Anarchismus) unter einen gemeinsamen Begriff sublimiert werden. Extremismus beschreibt somit nur den Umstand, dass eine Weltanschauung oder ein politisches Programm abseits des gegenwärtigen Mainstreams steht, nicht aber, wie diese ausgerichtet ist. Nach der gängigen Definition könnte etwa die Protestbewegung gegen das damalige Apartheid-System in Südafrika als extremistisch bezeichnet werden, da ihre politische Weltanschauung abseits der damals vorherrschenden Norm stand (die jedoch nach heutiger Sichtweise stark rassistisch war). Der Extremismusbegriff dient also stets nur als Hilfe, einen politischen Standpunkt innerhalb eines Spektrums zu verorten, nicht aber zur Beschreibung einer Weltanschauung an sich.