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Medien und Gesellschaft

Aktivist

Netzaktivisten, Hacker, Whistleblower, online oder offline sind sie aktiv. Gefährden sie die Sicherheit und wenn ja, die Sicherheit von wem?

Weitere Informationen zum Thema Aktivist

Ein Aktivist oder eine Aktivistin ist ein Mensch, der seine Tätigkeiten strebsam und leidenschaftlich auf das Erreichen eines feststehenden Zieles richtet. Die Überzeugung und Handlungsweise eines Aktivisten wird Aktivismus genannt. Mit dem Aktivismus wird meistens nicht nur die eigene Haltung, sondern auch die Ablehnung einer passiven, also tatenlosen Haltung verbunden. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet man dann jemanden als Aktivist, wenn die verfolgten Ziele politischer Natur sind.

Das Wort Aktivist leitet sich vom lateinischen aktivus = tätig, aktiv oder akt = Tat/Handlung ab. Der Aktivist lässt sich nach verschiedenen Richtungen hin von verwandten politischen Akteuren abgrenzen. Der Attentist greift nicht nach eigenen Maßstäben handelnd in eine soziale Situation ein, sondern ist durch seine abwartende Haltung charakterisiert und bildet somit das Gegenteil des Aktivisten. Auf der anderen Seite bezeichnet das Wort Aktionist oder allgemeiner Aktionismus als Haltung abwertend ein engagiertes aber zielloses und unreflektiertes Handeln um des Handelns willen. Ein Aktivist lässt sich weiterhin von einem (Berufs-)Politiker abgrenzen. Ein Politiker ist in die bestehenden gesellschaftlichen Institutionen zur Steuerung und Veränderung der Gesellschaft integriert, also in Parteien, Vereinen oder öffentlichen Ämtern organisiert. Ein Aktivist beschreitet dagegen unkonventionelle oder gesellschaftlich nicht vorhergesehene Wege zur Durchsetzung seines Zieles. Aktivisten agieren entweder allein, verbunden in sozialen Bewegungen oder in Nichtregierungsorganisationen (kurz: NGOs).

Der Aktivismus ist seit dem Aufkommen moderner staatlicher Ordnungen eine politische Größe. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat im deutschsprachigen Raum die Jugendbewegung eindrücklich aktivistische Lebenshaltungen hervorgerufen. Eine Generation von Jugendlichen fühlte sich berufen der industrialisierten und urbanisierten Welt eine Lebensweise entgegenzusetzen, die sich auf eine Rückkehr in die Natur, seine ureigenen Gefühle und Neigungen, sowie die Macht der Sehnsucht besinnt. Moderne Formen des Aktivismus finden sich in der Friedensbewegung, die im Kalten Krieg für Entmilitarisierung, nukleare Abrüstung und friedliche Konfliktlösung zwischen den Blöcken einstand. Die Ökologie- und Anti-Atomkraftbewegung bringen auch heute viele Aktivisten hervor, die versuchen die vorherrschende Einstellung durch die eigenen politischen Überzeugungen umzuformen. Die Bewegung der Globalisierungskritiker und die Tierrechtsbewegung haben sich zum Teil durch umstrittene Aktionen hervorgetan. Hier sei zum Beispiel die Animal Liberation Front genannt, die ihre Ziele auch mit Sachbeschädigung und Brandstiftung zu erreichen versuchten. Ein natürlicher Hang zur Gewalt kann dem Aktionismus nicht nachgesagt werden. Jedoch fördert die erschwerte staatliche und öffentliche Kontrolle von politischen Aktivisten eine kontroverse Debatte um den Aktivismus, wobei Argumente, Anschuldigungen oder Verteidigungen in der Regel einen bestimmten Aktivisten oder eine bestimmte Gruppe zum Gegenstand haben.

Eine aktuelle Kontroverse findet über die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden statt. Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Snowden hatte während seiner Arbeit bei der US-amerikanischen NSA Beweise für eine flächendeckende Überwachung des Internets durch amerikanische und britische Geheimdienste gesammelt. Als Preis für seine öffentlichen Enthüllungen musste Snowden seine bisherige Arbeit, seinen Wohlstand und sein gesamtes bisheriges Leben aufgeben. Trotzdem sah er sich zu seiner Aktion genötigt und begründete sein Vorgehen mit der Befolgung seines Gewissens: „Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich tue und sage, aufgezeichnet wird. Solche Bedingungen bin ich weder bereit zu unterstützen, noch will ich unter solchen leben“ (Interview mit dem Guardian vom 09.06.2013). Der Beweggrund, die Hinnahme persönlicher Konsequenzen und die Vorgehensweise, eine Veränderung nicht durch die Beschreitung institutionalisierter politischer Wege, sondern durch eine öffentlich wirksame, individuelle Aktion hervorzurufen, machen Edward Snowden zu einem klassischen Aktivisten. Die gegenwärtige Diskussion beschäftigt sich mit der Frage, ob der Rechtsbruch des Whistleblowers durch das größere Gut der Aufklärung, das er den durch die Überwachung betroffenen Bürgern beschert hat, zu rechtfertigen ist oder ob die stabile staatliche Ordnung vor dem politischen Handlungswillen Einzelner Vorrang besitzt.