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Medien und Gesellschaft

Antisemitische Stereotype - die Lobbyisten-Kampagne gegen Baerbock

Jan Paersch
Autor für taz, NDR, DLF, Jazz Thing und andere
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Jan PaerschMontag, 14.06.2021

"Einen mit großen Mitteln finanzierten Schlammschlachtwahlkampf nach US-Vorbild gab es bei uns bislang nicht", schreibt der Kognitions­psychologe Christian Stöcker in seinem Beitrag für Spiegel Online. Das habe sich nun geändert.

Wer am Freitag die SZ im Politik-Teil aufschlug, dem schaute eine lächelnde grüne Kanzlerkandidatin Baerbock im Moses-Gewand entgegen,

mit zwei Steintafeln, auf denen neun Verbote stehen, die die Grünen sämtlich nicht anstreben, aber das ist ja egal. Daneben steht: »Warum wir keine Staatsreligion brauchen.«

Wer zahlte für diese großformatige Anzeige, die auch in seriösen Medien wie FAZ und ZEIT Online geschaltet wurde? Die Lobbyorganisation "Initiative neue soziale Marktwirtschaft" (INSM), maßgeblich finanziert von der deutschen Metall-, Elektro- und Automobilindustrie. Stöcker reitet eine umfassende Attacke gegen die ultrareichen Initiatoren (und betont, dass diese Reichen in Deutschland 20 Prozent allen Vermögens besitzen), die mit "Diffamierung, Desinformation und sympathieheischendem Augenzwinkern in Richtung rechts außen" Einfluss auf eine künftige Regierung nähmen.

Was ist das Problem an der Anzeige? "Baerbocks ganze alttestamentarische Aufmachung, unterstreicht, dass sie keine von uns ist", schreibt der Politologe Michael Koß bei ZEIT Online (die natürlich darauf hinweisen, dass Redaktion und Anzeigenabteilung getrennt arbeiten). Koß führt aus, wie Antisemitismus definiert wird und meint, dass der grünen Kandidatin ihr vermeintlich jüdischer Messianismus vorgeworfen wird.

Das Infame an diesem antisemitisch konnotierten Vorwurf ist, dass Baerbock und den Grünen damit die Zugehörigkeit zur politischen Gemeinschaft bestritten wird.

Antisemitismus funktioniere als kultureller Code:

Als ich die Anzeige des INSM zuerst sah, wirkte sie bereits auf mich, ohne dass ich die antisemitischen Implikationen schon genauer nachvollzogen hatte.

Schwere Vorwürfe, doch Koß bleibt nüchtern und spricht von nun wieder sichtbar werdenden vordemokratischen Kategorien: die Initiatoren würden das Feindbild Ökosozialismus beschwören, und nebenbei alte wie Juden und Frauen, die Gleichberechtigung einforderten.

Antisemitische Stereotype - die Lobbyisten-Kampagne gegen Baerbock

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Kommentare 5
  1. Wolfgang Neumann
    Wolfgang Neumann · vor 4 Monaten

    Ehrlich gesagt, braucht es für mich hier keinen "Antisemitismus"- Vorwurf um zu sehen, dass diese Kampagne eine neue Dimension der Geschmacklosigkeit und der Würdelosigkeit bedeutet. Ich bin als langjähriger Grünen-Wähler ehrlich gesagt auch nicht so wahnsinnig überzeugt von Baerbock und Habeck und hätte mir eher den Hofreiter oder Özdemir gewünscht. Das Klima-Problem wird letztlich von Wissenschaftler/Innen und Ingenieuren (auch irgenwie "Innen") gelöst werden müssen, wenn dabei auch Wohlstand erhalten werden soll. Die andere Lösung für die Menschheit heisst dummerweise Krieg!. Ob das ein Wirtschaftskrieg oder ein militärischer Krieg sein wird, ist offen, aber wir sollten davon ausgehen, dass unser Schicksal in Deutschland sehr stark von den grossen Mächten wie China und USA bestimmt werden wird. Ich fürchte, dass China eine Frau Baerbock nicht besonders ernst nehmen wird und wie es um Rassismus , Menschenrechte und Antismitismus in einem um Weltherrschaft bemühten China aussieht, können wir uns lebhaft ausmalen.

    1. Jan Paersch
      Jan Paersch · vor 4 Monaten

      Ich glaube sehr wohl, dass eine Baerbock ernst genommen werden könnte. Ein Xi Jinping führt auch nicht durch halbnackte Reitbilder oder seinen nicht endenwollenden Händedruck. Man misst sich ja nicht durch Machogesten oder schiere Ausstrahlung, sondern durch Handlungen. Aber das ist alles Zukunftsmusik.
      Das Thema hier ist Wahlkampf. und da wünsche ich der Frau vor allem ein kompetenteres Team, wie hier von der SZ eingefordert: https://blendle.com/i/...
      "Baerbock braucht neben mehr Kaltblütigkeit auch professionelle Redenschreiberinnen und -schreiber und einen Stab, der imstande ist, die Angriffe in einem extrem beschleunigten, teils schon toxischen Wahlkampf abzuwehren."

    2. Niels Benedikter
      Niels Benedikter · vor 4 Monaten

      @Jan Paersch Da ist wohl was dran. Es ehrt die Grünen, dass sie mit Fakten und Ehrlichkeit in den Wahlkampf gegen, aber in Anbetracht dessen, dass dieser Wahlkamp schon jetzt von CDU und Teilen der Wirtschaft vor allem mit Lügen und Schmutzkampagnen geführt wird, müssen die Grünen ihre Aggressivität wohl leider ausbauen.

    3. Niels Benedikter
      Niels Benedikter · vor 4 Monaten · bearbeitet vor 4 Monaten

      Ob Laschet das Potenzial hat Ernst genommen zu werden? Laschet kneift ja schon vor Rezo.
      Özdemir wäre auch mein Favorit gewesen. Ich bin immer wieder von seinen Interviews beeindruckt, er äußert sich immer sehr durchdacht und differenziert. Aber er kann ja z.B. Verkehrsminister werden.
      Baerbock ist natürlich recht jung, aber macht fachlich (entgegen mancher Behauptungen der Hater) einen sehr kompetenten Eindruck. Ihr Stil würde vermutlich eher ein Merkel-artiger Stil sein, der offene Konfrontationen vermeidet, aber das muss ja kein Nachteil sein.

  2. Astrid Kahmen
    Astrid Kahmen · vor 4 Monaten

    Sehr guter Beitrag!

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