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Literatur

Freys Erzählungen

Freys Erzählungen

Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus), Die Rückkehr der Tiere (Verlagshaus Berlin)

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Jan KuhlbrodtDienstag, 11.01.2022

Im Elsinor Verlag erscheinen nach und nach Werke des deutschen Autors Alexander Moritz Frey. Herausgegeben werden sie von den in Kanada lehrenden Germanistinnen Paola Mayer und Rüdiger Mueller. Kanada scheint zumindest für einige Autoren der Weimarer Republik ein Erinnerungs- und Rettungsanker zu sein.

Ich denke da zum Beispiel an Walter Bauer, der Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg aus Enttäuschung über die mangelnde Geschichtsaufarbeitung verlassen hatte und eben in Kanada in einer neuen Sprache ein Leben beginnt. Eindrücklich beschrieben hat er das in seinem Roman "Die Stimme".

Frey aber gehörte schon in den Zwanzigern zu denen, die vor dem Nationalsozialismus gewarnt haben und deshalb nach dessen Machtergreifung das Land verlassen mussten. Er wurde von Anfang an auf den Todeslisten der Nazis geführt. Die Flucht zunächst nach Österreich gelang ihm versteckt im Kofferraum eines Kraftwagens. 

Bedroht durch den Anschluss Österreichs an das faschistische Deutschland floh er weiter in die Schweiz wo es dann bis in die FünfzigerJahre dauerte, bis er Arbeitserlaubnis und eine Schweizer Staatsbürgerschaft bekam.

In den Zwanzigerjahren war der 1881 geborene Frey ein erfolgreicher Schriftsteller in der Weimarer Republik und er starb 1957 verarmt im währenden Exil.

Mit "Der Mensch und andere Erzählungen" liegt nun eine Band vor der Freys prosaisches Talent in seiner ganzen Breite und Entwicklung aufzeigt. Es handelt sich zum großen Teil um bislang unveröffentlichte Texte oder solche, die verstreut in Zeitschriften erschienen.

Besonders beeindruckt haben mich seine schon da durch Internationalismus und Menschlichkeit geprägten frühen Erzählungen. Wenn zum Beispiel einer einen Pass findet, ein Deutscher einen französischen und sich daraufhin das Leid und die Unmenschlichkeit des ersten Weltkrieges vor den Augen des Lesers entlädt.

Diese Erfahrung des Krieges führt zwar zu einem pessimistischen Weltbild, das aber dennoch von Mitgeschöpflichkeit geprägt ist, denn Freys Wärme macht vor Menschen nicht halt. Wir finden zum Beispiel die Zauberhafte Beschreibung einer riesigen Kröte im Text der "Das Märchen von der Zehe" heißt, das aber ein tieftrauriges Ende findet. 

Überhaupt scheinen Tiere dort, wo der Mensch versagt und ein Gott das Fernste ist, so etwas wie eine Hoffnung zu verkörpern. Diese Gedanken schienen einige spätere Emigranten mit sich herumgetragen zu haben. Erinnert sei hier auch an die Tiergeschichten von Friedrich Wolf.

Freys Stil verliert übrigens seine expressionistische Anmutung nie ganz, was mir als Leser sehr entgegen kommt.

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