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Literatenfunk

Zwei Farben Rot

Quelle: privat

Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus)

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piqer: Jan Kuhlbrodt
Dienstag, 28.01.2020

Zwei Farben Rot

Man sollte hin und wieder über den Roman als Form nachdenken; beziehungsweise geht es mir so, dass ich dann und wann auf Texte stoße, die meine Vorstellung von diesem Begriff aushebeln. Der neunmalkluge Hegel sagte, dass der Roman die Apotheose der bürgerlichen Gesellschaft sei. Er kannte den Film nicht. Vor allem nicht die Filme der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts, er kannte Paul Kemp nicht, und sah nicht, wie Kemp den Götterboten Hermes spielte, dem es im Film oblag, Neid und Missgunst zwischen Göttern und Menschen auszugleichen. Die Götter und Griechen trugen zumindest auf der Leinwand dieselben süßen Herrenkleidchen und stellten spärlich behaarte Männerbeine zur Schau. Dies jedoch derart kokett, dass von einem selbstverständlichen Umgang mit derartiger Bekleidung keine Rede mehr sein konnte. Es war ein unaufhörliches Hüpfen über die Leinwand. Ein putziger Umgang mit der Begierde und stets an der Grenze zur Pornografie. Eine Grenze, die man jedoch nie überschritt, um den sogenannten „Volkskörper“ nicht zu schockieren. Gottlob sind diese Zeiten vorbei.

Hegel kannte unsere Gegenwart nicht. Wie auch? Er hatte zwar einige prophetische Momente, aber er konnte literarische Formen nicht vorwegnehmen und auch nicht wissen, wie tradierte Formen sich verwandeln würden.

Jedenfalls ist im vergangenem Jahr bei S. Fischer ein Buch erschienen, das die Erwartung an einen Roman, aber auch die Antikerezeption, wie sie derzeit im Allgemeinen vorherrscht, doch unterläuft, auch wenn Romane in Versen keine Erfindung der Kanadischen Autorin Anne Carson sind. Es ist eine Form, die immer mal wieder fast abrupt im lyrischen Kontext erscheint und wahrscheinlich so alt ist, wie die Literatur selbst, älter womöglich als die Prosa. Vom Poem unterscheidet sie sich dahingehend, dass sie zwar Vers, aber keine gebundene Rede verwendet.

„Die beiden anderen sprachen über Feminismus das Leben in Hades bröckeligen Asphalt oder war das aus der Britannica? Ein Gemisch“

In langen Versen erzählt Anne Carson in „Rot“ dem ersten der beiden Versromane, die im Buch gebündelt sind und von Anja Utler übersetzt, die unmögliche Liebe der antiken Figuren Geryon und Herkules, wobei Geryon sich in Carsons Erzählung vom roten beflügelten Ungeheuer, das er in der Antike war, in einen jungen Mann verwandelt, der in den brutalen Herakles verliebt ist und kleine Flügelchen auf dem Rücken unter dem T-Shirt trägt.

Carson adaptiert den Stoff so, dass er alles staubig Akademische verliert, das man in der Arbeit einer universitären Altphilologin vielleicht erwartet. (Wobei: die meisten Altphilologen, die ich kenne, sind eigentlich ganz witzige Gesellen.) Und Utler übersetzt die langen Verse des ersten Romans, wie auch die gebrocheneren kurzen des zweiten, "Rot Doc>", in ein elegantes und leichtfüßiges Deutsch.

Im zweiten Teil übrigens werden die Verse zwar kürzer, was merkwürdigerweise den Prosagestus verstärkt und auch eine erweiterte Reflexion über die Geschichte hinaus ermöglicht, bis zu solchen kurzen zauberhaften Gebilden:

Das Lächeln aus dem/ Inneren (ihrem) ein/ Bravourstück.
8,6
5 Stimmen
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