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Literatenfunk

Zwei Bücher

Zwei Bücher

Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus), Die Rückkehr der Tiere (Verlagshaus Berlin)

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Jan KuhlbrodtMontag, 07.06.2021

2019 erschienen im Wallstein Verlag die Tagebücher und Aufzeichnungen von Rahel Levin Varnhagen. Inhaltlich ein Abenteuer des Denkens, und wenn man die Erschließungs- und Publikationsgeschichte betrachtet, auch allemal abenteuerlich. Nachdem die Texte, die zunächst in Berlin lagen, als verschollen galten, wurden sie Anfang des Jahrtausends wiederentdeckt.

Auf Seite 251 findet sich folgender Eintrag:

„Vernunft weiß nur, daß sie Vernunft ist, wenn sie bis zum Herzenswunsch zum letzten Wollen hinführen kann; und so ist Zusammenhang da für ein Meer von Daseyn, vor und hinter uns; und nicht kommt es auf unser schwankendes unglücksseeliges Schiff an; … Für die beßten ist das Ellement nur Trost, und Leitung, in der harten schmeichlenden unbesiegten Fahrt. … Alles ist Zwang; Zwang zur höchsten Freyheit, und Zustimmung.“

Zum ersten Mal sind hier die Tagebücher und Aufzeichnungen Rahel Levin Varnhagens vollständig erschienen. Dieses Buch ist ein großartiges Dokument eines Denkens, das in vielerlei Hinsicht grenzüberschreitend ist, das zwischen den Genres springt und zwischen den Sprachen, dem zu folgen man zuweilen schon eine gründliche Edition benötigt und einen umfangreichen Apparat. Beides liefert dieser Band, gründlich ediert und herausgegeben von Ursula Isselstein.

Im Rahmen der Kritischen Gesamtausgabe der Werke Hannah Arendts, die von Barabara Hahn herausgegeben wird, ist in diesem Frühjahr unter der Mitarbeit von Johanna Egger und Friederike Wein der Band 2 erschienen, der den Text und Texte aus dem Umfeld des Buches „Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin“ enthält. Alle Arbeiten zweisprachig Englisch und Deutsch. 

Beide Bücher, also Arendts und Varnhagens, nebeneinander gestellt geben nicht nur ein grandioses Bild ab, sondern verkörpern mehr als die Entstehungs-, Publikations- und Rezeptionsgeschichte ihrer selbst. Sie bilden gewissermaßen 200 Jahre deutscher Geistesgeschichte ab und führen damit auch zum Tiefpunkt dieser, in den Schatten der Barbarei, der 1933 über das Land kommen sollte.

Am Anfang der endlich 1958 in New York erschienenen Ausgabe von „Rahel Varnhagen“ schreibt Arendt:

„Dreiundsechzig Jahre hat sie gebraucht zu lernen, was 1700 Jahre vor ihrer Geburt begann, zur Zeit ihres Lebens eine entscheidende Wendung, und hundert Jahre nach ihre Tode – sie starb am 7. März 1833 – ein vorläufiges Ende nahm.“

Der Arendt-Band enthält die Texte von Typoskripten, veröffentlichten Büchern und kleinere Arbeiten Arendts im Kontext der Auseinandersetzung mit Leben und Werk von Rahel Levin Varnhagen, und eröffnet zugleich die akribische Arbeit der Theoretikerin vor dem Hintergrund der sich verändernden Quellenlage, bis ihr der Zugang letztlich 1933 vollständig abgeschnitten wurde, und sie sich auf ihre Notizen und schon geschriebenen Texte stützte. Trotz all dieser Schwierigkeiten und mannigfaltiger anderer Arbeiten blieb sie aber am Thema. Und wir Nachgeborenen haben nun die Möglichkeit, dieses Festhalten zu verstehen und nachzuvollziehen. Und aufgrund des Kommentars gelingt es zuweilen, die Bedingungen des Entstehens der Texte fast physisch zu erfassen. 

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Kommentare 3
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 16 Tagen

    Aufschlussreich. Aber in diesem Zitat stimmt was nicht: "was 1700 Jahre vor ihrer Geburt begann". Es müsste eigentlich mehr geändert werden als nur 170 Jahre.

    1. Jan Kuhlbrodt
      Jan Kuhlbrodt · vor 16 Tagen

      Arendt bezieht sich hier auf die Zeit der Diaspora.

    2. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor 16 Tagen

      @Jan Kuhlbrodt Die beiden Zeiten für die Diaspora passen nicht.
      https://de.wikipedia.o...

      Möglicherweise meinte Arendt den Beginn unserer Zeitrechnung, aber auch dann bleibt ein Zahlendreher: Rahel von Varnhagen starb nicht mit 63, sondern mit 61 Jahren.

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