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Wie Elizabeth Shaw nach Berlin kam
Jochen Schmidt
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piqer: Jochen Schmidt

Wie Elizabeth Shaw nach Berlin kam

Elizabeth Shaw? Der Name spaltet Deutschland. Wer im Osten ein Kind war, liebt die Bücher dieser genialen Irin, die nach dem Krieg nach Ostberlin gezogen ist. Im Westen ist sie, die schon von Brecht gepriesen wurde, bis heute eine Unbekannte. Dabei werden unsere Kinderbuchregale von unsäglichem Kitsch und talentlos gekritzeltem Schund verstopft und Eltern brauchen viel Standhaftigkeit, um sich dagegen zu wehren. "Bella Belchaud und ihre Papageien", "Bettina bummelt", "Als Robert verschwand", "Der kleine Angsthase", jedes dieser Bücher ist ein Klassiker. Was für ein Mensch die für uns schwer auszusprechende Autorin war, wußten wir als Kinder nicht. Erst 1990 hat Elizabeth Shaw ihre Autobiographie ("Wie ich nach Berlin kam", Verlag für Berlin-Brandenburg) geschrieben. Was für eine humorvolle, beeindruckende Frau und Künstlerin tritt einem hier entgegen, die zu Lebzeiten im Schatten ihres Mannes stand, des kommunistischen Malers und Bildhauers René Graetz. Künstlerin, Mutter und Hausfrau in einem mußte sie sein. Wie man seine Kinder nicht erziehen sollte, schreibt Shaw im Buch: "'Niemals', sagte meine Mutter, als ich mit siebzehn von zu Hause fortging, um an der Chelsea Art School in London zu studieren, 'heb ein Taschentuch auf, das von einer alten Dame fallen gelassen wurde, sie könnte dich mit Chloroform betäuben wollen, und du würdest als weißer Sklave in Südamerika aufwachen.'" Anders als ihre Karikaturen sind die Kinderbücher völlig frei von Politik und doch so berührend in ihren einfachen, aber menschlich tiefen Botschaften. Daß sie auch ganz anders zeichnen konnte, wußte ich gar nicht. Am Ende des Buchs findet sich eine Kohlezeichnung, der Blick aus Shaws Pankower Fenster. Ganz klein sieht man ein Kind mit roter Regenjacke und Schultasche. Man versteht sofort, daß sie dort auch sich gezeichnet hat, als kleines Mädchen, das neugierig und unverbraucht die ersten selbständigen Schritte macht. Die Liebe zu Kindern und die Melancholie der erwachsenen Frau, die ihre Kindheit verloren hat, in einem Bild.

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Kommentare 1
  1. Annett Gröschner
    Annett Gröschner · vor 11 Monaten

    Verrätst Du uns noch das Ende?

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