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Literatenfunk

Felix Lorenz
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piqer: Felix Lorenz
Freitag, 29.09.2017

Weniger hässliche Bücher

Ohne das Internet wäre ich wahrscheinlich ein anderer Mensch geworden. Wenn mir als Jugendlichem nicht (auf legalen Wegen) so vieles frei zugänglich gewesen wäre oder ich es mir (auf illegalen Wegen) zugänglich gemacht hätte, wäre mir niemals die Art von Weltzugang möglich gewesen, die ich brauchte. Dort, wo ich aufgewachsen bin, waren andere Einflüsse spärlich, und mir war die meiste Zeit entsetzlich langweilig, bis das Internet kam und aus der ganzen entsetzlichen Langeweile eine zumindest reduzierte Langeweile machen konnte.

Aber eigenartigerweise habe ich, in der Zeit, bevor es E-Books gab, nie Bücher im Netz gelesen, obwohl es voll davon war. Immer nur über Literatur, nie die Literatur selbst, auch keine gemeinfreie. Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass ich relativ früh auf Textausgaben wert gelegt habe – ich wollte immer wissen, in welchem Zustand ich ein Buch lese, ob der Text ordentlich aufbereitet wurde oder nicht, wer an ihm noch herumgekürzt hat und welche Übersetzung es unbedingt sein muss. (Schuld daran sind, wie an allem, natürlich Franz Kafka und Max Brod.) Aber ich fand die ins Internet geklatschten Sammlungen von literarischen Klassikern auch immer wahnsinnig hässlich, auf eine unangemessene, die Stilhöhe verfehlende Art lieblos.

So ganz hat sich diese Abneigung nie gelegt, aber immerhin kenne ich mittlerweile Versuche, es besser zu machen. Einer davon ist Standard Ebooks, ein Projekt, bei dem gemeinfreie englischsprachige Literatur von Project Gutenberg, dem Internet Archive und anderen Quellen übernommen, durchgesehen und in ein ansehnlicheres Format gebracht wird. Den Unterschied zu automatisch generierten E-Books kann man gleich am Schriftsatz erkennen und mittlerweile gibt es auch eine schon recht umfangreiche Bibliothek zum Abruf. Mein kleiner innerer Philologe wird dadurch zwar auch weiterhin nicht vollumfassend befriedigt werden können (kann er es je?), aber es ist ein Anfang, und der Anfang tut im Auge nicht mehr so weh.

Weniger hässliche Bücher
8,9
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Kommentare 1
  1. David Kretz
    David Kretz · vor 3 Monaten

    Großartiges Projekt :) Wird gleich weiterempfohlen...