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Literatenfunk

Weltroman
Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus)

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piqer: Jan Kuhlbrodt
Montag, 29.04.2019

Weltroman

„Der Weltroman von Tanja Schwarz ist nur als E-Book erhältlich, mag sein, dass sich kein Printverlag dafür gefunden hat. Und E-Books haben es schwer, einen Weg in die Feuilletons zu finden. Aber dieser Umstand hat auch seine Bedeutung, räumt gerade dieses E-Book doch mit einigen Momenten europäischer Gemütlichkeit auf.“

So begann ich vor einigen Jahren die Besprechung eines Buches, das nun (endlich) auch im Print vorliegt. Ich sage das nicht, weil ich prinzipiell etwas gegen E-Books einzuwenden habe, ich lese sie ja und sie erleichtern mir das Reisen, aber ich habe die Befürchtung, dass Produkte im Print immer noch eine breitere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und eine breitere Aufmerksamkeit wünsche ich diesem Roman, der in der Welt spielt, in der heutigen Welt, deren Probleme sich lang schon jenseits aller nationalen Grenzen (auch der Kontinentalen, liebe Europäer) konstituieren, denn die Neuzeit begann mit der Entdeckung Amerikas für die Europäer, und deren krakenhaftem Aufstieg. 

Was wir uns also so zusammenfischten, begegnet uns heute als globalisierte Welt, in der natürlich die verschiedensten Akteure hinzutreten und die von einer Krise in die andere stolpert.

"Nachdem am Morgen der Geiselnahme die Maschinen stundenlang still standen, und das Schiff unter stechender Sonne dahintrieb, ging es am Nachmittag weiter."

Das ist ein Satz des Romans, der natürlich nicht als allegorischer gemeint ist. Er stammt aus der Beschreibung einer Szene, einer Geiselnahme vor der Küste Somalias, aber man könnte diese Beschreibung als Allegorie lesen, oder als Beleg, dass sich der Irrsinn des Großen in den kleineren Begebenheiten abbildet. Der Roman aber bleibt eng bei seinen Protagonisten und ergeht sich nicht in belehrender Reflexion. Er ist eher ein spannender Abenteuerroman, der das Danken des Lesers im Fortgang anheizt. Spannend! Weil eng an die Schicksale der Protagonisten geknüpft.

Der Roman erschien als E-Book kurz nach der Finanzkrise, der die von uns so bezeichnete Flüchtlingskrise folgte, und hinter alldem dräut eine allgemeine ökologische Krise, deren Auswirkungen auch hier langsam sichtbar werden. Einerseits haben wir also eine globale Vereinheitlichung und andererseits eine wachsende Unübersichtlichkeit, was das Navigieren auf diesem politischen Planeten nicht gerade vereinfacht. Das ist ein Momentum, dass sich in der Covergestaltung des Buches auf grandiose Art wiederfindet. Im globalen Wirrwarr verlieren sich die Schicksale. Die Schicksalsträger suchen halt in zum Teil archaischen Ritualen.

„Er versucht also im sich einschwärzenden Dämmerlicht zu beten, um die richtige Art Liebe, den Gott für großes ausersehen hat.“

Im Weltroman von Tania Schwarz treffen wir also auf Protagonisten aus verschiedenen Zipfeln der Welt und begleiten Sie ein Stück ihres Weges und durchstreifen Gegenden vom entvölkerten Brandenburg bis in die Megacities Asiens und Afrikas. Es ist also jetzt auf Papier als Forumbuch #2 der Forum Hamburger Autoren in Textem Verlag erhältlich.

Es gibt wenige Autorinnen und Autoren, die sich den Phänomenen der Globalisierung auf diese Weise stellen wie Tanja Schwarz. Und sprachlich ist das Buch eine Wucht.

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