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Literatenfunk

Trost in der Sprache

Trost in der Sprache

Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus), Die Rückkehr der Tiere (Verlagshaus Berlin)

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Jan KuhlbrodtMontag, 23.08.2021

Von Adelheid Duvanel hatte ich noch nie etwas gelesen, aber ich bin ein Verehrer dieser Form, also der Kurzgeschichte. Auf wenigen Seiten wird eine Situation geschildert, die letztlich ein ganzes Leben beleuchtet, wenn es gelingt, oder ein Umschlag von etwas in ein Anderes, an dem sich beides erhellt.

Die Kurzgeschichte ist für mich das Zentrum der erzählenden Literatur, weil sie in der Imagination eine besondere Präzision verlangt, um nicht zu scheitern, nicht ins Leere zu gehen. Eine gesicherte Lakonie, wie ich sie bislang bei amerikanischen Autorinnen oder Autoren wie Lydia Davis oder Raymond Carver fand, was mich zu der trügerischen Annahme veranlasste, dass diese Form eine spezifisch amerikanische sei.

Und jetzt lese ich seit einiger Zeit eben Sämtliche Erzählungen von Adelheid Duvanel, die im Schweizer Limmat Verlag unter dem Titel "Fern von hier" erschienen sind. Ein Leinenband von ca. 800 Seiten und auf dem Leinen eine Schwarzweißfotografie der Autorin. 

Es handelt sich nicht nur um eines der beeinddruckensten Bücher, das ich las, sondern es ist auch eines der schönsten. Herausgegeben wurd der Band von Elsbeth Dangel-Pelloquin, die auch ein präzise verdichtetes Nachwort zu den Erzählungen lieferte. In einigen einzeln überschriebenen Abschnitten führt es knapp in das Leben und die Poetik dieser großen Autorin ein:

„Durch ihr Fremdsein haben die Figuren einen geschärften Blick und sehen ihre Umgebung genauso ausschnitthaft und auf Einzelheiten verdichtet wie ihre Erzählerin.“

Im Grunde gerinnt in diesem Satz das poetische Verfahren Duvanels. Und diesem Blick zu folgen, verwandelt auch den Leser oder die Leserin. Das Profane nimmt eine verzerrte Gestalt an. Dennoch hat man zuweilen das Gefühl einer Art des Trostes.

„Er kommt aus einem unerklärlichen Fundus, fast als hätten die Figuren noch in der größten Gefährdung einen Schutzengel, der sie zwar nicht vor dem Absturz retten kann, ihnen aber zur Seite steht.“

Dieser Schutzengel ist nicht die Sprache selbst, aber er lebt in der Sprache. Friederike Kretzen formuliert das in einem Essay der den Band beschließt so:

„Von dort kommt die Sprache Duvanels, sie ist von diesem Außerhalb durchdrungen, kann nicht aufhören, von dort her zu erzählen.“

Ich bin derart begeistert von diesen Texten, dass ich, um meiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen, auf diese, dem Buch beigegebenen Texte zurückgreifen muss, um meine eigenen Gedanken zu bändigen. 

Die Räume, in denen sich das Gelesene abspielt, sind meist beengte und beengende, aber sie gestatten den Blick auf eine beseelte Natur:

„Der Mond trank mit seinem schmalen goldenen Schnabel von den Wolken weg, doch es kamen immer wieder neue und setzten sich auf die Bäume.“

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Kommentare 1
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 3 Monaten

    Danke, das klingt ja wie eine künftige Klassikerin.

    So deutete es schon Daniel Graf. Im Beitrag finden sich etliche "Sätze wie böse Leuchtfische" und 2 Zeichnungen von Adelheid Duvanel:
    https://www.republik.c...?

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