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Tischtennis mit Jakob Nolte - Teil 1

Andreas Merkel

Sachbuchautor über Romane in Berlin. Letzte Veröffentlichung: "Mein Leben als Tennisroman" (Blumenbar). Kolumne "Bad Reading" im Freitag (das meinungsmedium).

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Andreas MerkelMittwoch, 30.06.2021

Beim Einspielen sieht es kurz so aus, als wäre man absolut chancenlos gegen ihn. An einem Dienstagnachmittag bin ich mit dem Autor, Dramatiker und Tischtennisspieler Jakob Nolte in Kreuzberg zum Steinplatten-Match verabredet. Der Grund ist sein neuer Roman Kurzes Buch über Tobias (Suhrkamp), in dem der Held Tobias Becker wie Nolte selbst im Verein Tischtennis spielt. Aber auch der Umstand, dass ich selbst gerade an einer Art Tischtennisroman schreibe.

Wir haben uns noch nie gesehen, aber Jakob Nolte war via Mail sofort angetan von der Idee. Als Austragungsort hat er einen kleinen Park an der Dudenstraße zwischen Kreuzberg und Schöneberg vorgeschlagen, wo zwei Tischtennis-Steinplatten etwas versteckt, aber malerisch im Grünen unter mächtigen Bäumen stehen (Baumsorte? Keine Ahnung). Die Bebaumung wird sich allerdings noch auszahlen; der Wetterbericht verspricht einen gewittrigen Sonne-Regen-Mix. Während wir uns plaudernd einschlagen, ziehen am Himmel beeindruckende Wolkenfronten vorüber, von den Büschen neben den Platten weht ein leichter Geruch von Pisse herüber.

Jakob Nolte wurde 1988 in Barsinghausen geboren. Er ist Autor der Romane ALFF und Schreckliche Gewalten (der für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde), Stückeschreiber mit Michel Decar (Tausend deutsche Discotheken) und gemeinsam mit Leif Randt (Allegro Pastell) Betreiber des Online-Textforums Tegel Media. Rechtshänder, 1,85 Meter groß. Die etwas schlaksige Erscheinung mit Harry-Potter-Brille und Hipster-Outfit (lila Sweatshirt, schwarze Asics-Jogger, Basecap mit terra0-Logo, wird zum Tischtennisspielen aber abgenommen) ist insofern gefährlich, als dass man ihn sportlich unterschätzen könnte. Dabei hat Jakob Nolte nicht nur eine niedersächsische Handballvergangenheit (bis zur A-Jugend!), sondern auch die perfekte Tischtennis-Schlagtechnik, mit der er mir die ersten Bälle lässig serviert. Merke: Die Guten schlagen sich immer langsam ein!

Sein Kurzes Buch über Tobias wirkt zunächst ebenso unscheinbar, entpuppt sich aber auf schlanken 230 Seiten als wahres Roberto- Bolaño-Monster von einem Roman und handelt von dem durchaus autobiographisch angelegten, personalen Erzähler Tobias Becker. Tobias war Student am Literaturinstitut in Hildesheim, trat in Klagenfurt beim Bachmann-Wettbewerb auf, veröffentlichte einen erfolgreichen Debütroman, hasst Thomas Pynchon, wird schwul und hört mit dem Schreiben auf, um Televangelist zu werden: Auf youtube verhilft ihm eine Hasspredigt nach dem Massaker von Christchurch zum Durchbruch.

Jakob Nolte hat dagegen an der Berliner UdK szenisches Schreiben studiert, war auch in Klagenfurt, hasst Pynchon aber nicht und hat nach seinem Debüt natürlich auch nicht mit dem Schreiben aufgehört. Sein neuer Roman liest sich wie eine Google-Recherche mit zu vielen offenen Fenstern auf Wikipedia: hochintelligent, stellenweise prosaisch brillant verdichtet, stellenweise lyrisch ausufernd.

Nolte kann im Grunde alles – und droht genau davon gelangweilt zu sein. Auf zwei, drei Seiten erledigt er ganze Genres, indem er zum Beispiel Leute auf einer Party „Über-30-Sein“ spielen lässt, das Studentenleben seiner Tischtennispartnerin Alina anhand ihres T-Shirts (auf dem Focus! steht) perfekt auf den Punkt bringt oder mit prätentiöser Hochgelehrten-Literatur à la Pynchon abrechnet: „… die zwanghafte Albernheit, die Figurennamen, die reißerischen Erwähnungen von Konzentrationslagern, die Selbstgefälligkeit des Erzählers, die verschachtelten Sätze, die unverschachtelten Sätze.“

Was Nolte allerdings auch alles kann: alberne Namen (einer heißt Tuchel), schlechte Dialoge (mit viel „Haha“), siebenseitige Gedichte, die Selbstporträt mit 26 Jahren heißen und in denen der Autor das sogenannte Bad Writing (also bewusstes, antiprätentiöses Schlechtschreiben) sowie die Lesergeduld ziemlich ausreizt.

Es gibt also viel zu bereden. Und das Tischtennis soll uns dabei ebenso wie im Roman erden.

Wir fangen an. Kurze Sätze bis elf. Entgegen der ersten Befürchtung entpuppt sich Jakob Nolte als sympathischer Erzähler und schlagbarer Gegner. Weil er den ganzen Winter nicht gespielt hat und Schulbuch-Tischtennis spielt. Ich dagegen den ganzen Winter draußen an der Steinplatte war und an meiner vom Tennis her improvisierten Wildwest-Technik gearbeitet habe ...

(...Teil 2)

Tischtennis mit Jakob Nolte - Teil 1

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