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SOMMERLEKTÜRE: AUSSEERLAND

SOMMERLEKTÜRE: AUSSEERLAND

SABINE SCHOLL
Autorin
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SABINE SCHOLLFreitag, 10.09.2021

Das Buch „Die Villen vom Ausseerland“ der Autorin Marie-Theres Arnbom gibt detaillierte Einblicke in die wechselvollen Vorgänge im Salzkammergut, welche mit der Machtübernahme der Nazis in Österreich einsetzten. Die eindrucksvolle Gegend in den Bergen mit eiskalten, glasklaren Seen war seit Ende des 19. Jahrhunderts zu einer beliebten Sommerfrische für wohlhabende adelige und bürgerliche Wienerinnen geworden, die sich hier Häuser errichten ließen oder in Hotels und Pensionen einmieteten. Freigeister, Künstler, Schauspielerinnen, Intellektuelle trafen sich in Salons und auf Spaziergängen. Auch aufstrebende jüdische Geschäftsleute leisteten sich Häuser. Auffällig ist, dass viele emanzipierte Frauen die Gegend frequentierten. Von der Reformpädagogin und Gründerin eines Erholungsheims, Eugenie Schwarzwald, über die Schauspielerin Elisabeth Neumann, die Frauenrechtlerin Clara Schreiber, bis zu den promovierten Chemikerinnen Käthe und Lene Gallia, und vielen anderen mehr. Von den Schriftstellern wären Jakob Wassermann, Hugo von Hofmannsthal und Friedrich Torberg zu nennen. Den Sommer über wurde gedichtet, gemalt, komponiert, musiziert, diskutiert und diniert. Die Städter liebten es überdies in fantasieren Trachten durch die Landschaft zu flanieren. Dieser Teil der Geschichte ist es, der den besonderen Ruf der Region begründete. Als dann jedoch die Nationalsozialisten die Herrschaft übernahmen, endete die kreative Idylle. Jüdische Hausbesitzer und Feriengäste waren vorher schon getriezt und diffamiert worden, sie verließen das Salzkammergut, solange sie noch konnten. Entweder sie verkauften zu schlechten Bedingungen oder wurden enteignet. Regimetreue Interessenten standen schon bereit, die prächtigen Villen zu übernehmen. Besonders hochrangige Nazis fühlten sich hier wohl, Kaltenbrunner, Eigruber, Eichmann, Goebbels etwa, brachten zeitweise Frauen, Kinder, Geliebte und sich selbst in dem abgelegenen Tal in Sicherheit und ließen es sich gut gehen. Diese Epoche wurde allerdings nach Kriegsende verschwiegen, das vorliegende Buch füllt diesbezüglich bedeutende Lücken.

Ausgestattet mit vielen Fotos und einer Landkarte, in der die Häuser verzeichnet sind, lassen sich die Schauplätze in Spaziergängen erkunden. Fast alle dieser mit den schönen Häusern verwobenen Lebensgeschichten erzählen von Aufstieg, Fortschritt und Entwicklung bis zum Einfall der Nationalsozialisten, die schleunigst begannen, sowohl Familienverbände, als auch Firmen, soziale Projekte und künstlerischen Austausch zu zerstören. Die Villenbesitzer mussten ins Ausland fliehen, falls ihnen das rechtzeitig gelang, manche Familienmitglieder wurden in Lagern ermordet. Nicht immer bekamen die Überlebenden ihre Habe nach Kriegsende zurück. Die Autorin porträtiert auch einen besonders eifrigen Arisierer, das NSDAP-Mitglied Eduard Beyerer, einen Kurdirektor, der sich um die verlassenen Häuser „kümmerte“ und sich dafür selbst als Treuhänder einsetzte. Später wird er behaupten, er hätte jüdisches Eigentum bloß geschützt, die Interessen jüdischer Besitzer gewahrt, alles ohne Eigennutz. Es wurde ihm geglaubt und er kam straffrei davon. Nach dem Krieg wollte sowieso keiner wissen oder gewusst haben, was davor und währenddessen wirklich geschehen war. Das Schweigen, das seitdem über Landschaft und Häusern lag, wird glücklicherweise seit einiger Zeit von Historikerinnen mit Forschungen und Publikationen durchbrochen. Mittlerweile gibt es auch Wanderwege, die an Villen mit ehemals berühmten Bewohnerinnen vorbeiführen, doch die Informationen, die man auf Schautafeln dazu findet, sind eher spärlich. Erst durch dieses Buch wird es möglich die vollständigen Geschichten inklusive ihrer hässlichen Seiten zu erfahren. Eine Reise dorthin lohnt sich mit dem Buch im Gepäck umso mehr.

Marie-Theres Arnbom: Die Villen vom Ausseerland, Wenn Häuser Geschichten erzählen, Amalthea-Verlag, Wien 2021 

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