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Literatenfunk

SOMMERLEKTÜRE 2

Quelle: privat

SOMMERLEKTÜRE 2

SABINE SCHOLL
Autorin
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SABINE SCHOLLMontag, 25.09.2017

Kurz vor meiner Abreise entdeckte ich im Musikraum des Sommerhauses die englischsprachige Ausgabe von Elena Ferrantes Freundinnenepos. Vor einem Jahr hatte ich aufgrund eines Italienbesuches damit begonnen: Das erste Buch fand ich auf Dauer langweilig. Das zweite, das den schwierigen Aufstieg der Erzählerin aus bildungsfernem Niveau in bürgerliche Umgebung und die vielen Hindernisse dabei schilderte, berührte und erinnerte mich an meine eigene Geschichte. Das dritte brach ich ab, weil mir das Schicksal ihrer Freundin Lila, die Beschreibung eines Niedergangs von der Existenz als reicher Gattin eines mafiösen Drogenhändlers bis zur Arbeiterin in einer Fleischfabrik, die sich beim Hantieren mit Messern ständig verletzte, zu schrecklich war. Trotzdem griff ich nun nach dem vierten Band, der vor allem das abwechslungsreiche Leben der mittlerweile renommierten Autorin Elena Greco schildert, die aus verschiedenen Gründen in ihr Herkunftsmilieu, ja sogar ins Haus der Freundin zurückkehrt.

Wieder war ich gefesselt. Nicht weil der Roman so viel Neues berichtet hätte, sondern weil er Bekanntes darstellt: Dinge, die man meist nur engsten Freunden und das selten gesteht, will man doch die Aura des mühsam errungenen Status einer publizierten Autorin nicht verlieren. Ausführlich beschreibt Ferrante in diesem letzten Band die Ängste, das Versagen, den Druck, die Geldsorgen, Kränkung durch schlechte Kritiken, abgelehnte Manuskripte, und das Verlorengehen in Präsentationen, gesellschaftlichen Pflichten, sowie das nagende Gefühl eines möglichen Verrats gegenüber denen, die als Vorlage für ihre Romane dienten.

Ein weiteres Thema ist das ständige Justieren einer freundschaftlichen Beziehung zwischen Frauen, die jahrelange Pausen erträgt, wechselseitige Kränkungen, schmerzhafte Projektionen. Diese einerseits fragile, andererseits unausweichlich scheinende Verbindung, befruchtend und ausbeuterisch zugleich, zeichnet Ferrante bis in kleinste Schwankungen nach, auch hier gnadenlos, so dass ich beim Lesen vergesse, dass es sich um Fiktion handelt, weil es so nahe dem ist, was ich selbst erlebe und vielleicht nicht genug reflektiere. Fast in jedem Kapitel wird abgerechnet, gezweifelt, konkurriert, versprochen, abgeschworen, verletzt und der Faden wiederaufgenommen. Ich habe noch nie ähnliches gelesen. Eine Mischung aus normalerweise als Frauentratsch abgetanen Befindlichkeiten und einer komplexen Reflexion weiblicher Wirklichkeit.

Die Lebenswege der beiden Frauen bleiben unausweichlich miteinander verflochten, auch durch gemeinsame Liebhaber, geteilte Schwangerschaften, aus Not getauschte Kinder. Das setzt sich fort bis in die nächste Generation, in der Elenas Töchter dem Sohn Lilas verfallen.

Auch als Autorin ringt die Erzählerin um Selbstbestimmung, wähnt sich mal als von der Freundin manipuliert, indem sie durch ihre Berühmtheit alte Feinde Lilas beseitigen helfen soll, mal zweifelt sie daran, ob nicht Lila, die eigentlich geniale Freundin und ihre eigenen Werke im fiktiv bleibendem Vergleich dazu armselig seien. Zum Schluss verschwinden zwei der Akteure. Und möglicherweise hat Elena ihre Freundin tatsächlich bloß erfunden.

Ich strengte mich an, bis ans Ende des Buches zu kommen, las auch in Pausen, in denen ich eigentlich auf die schöne Landschaft hätte starren sollen, die ich bald verlassen würde und stellte das Buch schließlich am Tag der Abreise zurück ins Regal.

Elena Ferrante: The Story of a Lost Child. 

(Erscheint auf Deutsch erst im Februar 2018).

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