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Literatenfunk

Sister Outsider

Sister Outsider

Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus), Die Rückkehr der Tiere (Verlagshaus Berlin)

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Jan KuhlbrodtSamstag, 10.07.2021
„Und möglicherweise hängt die Zukunft unserer Erde von der Fähigkeit aller Frauen ab, neue Definitionen von Macht zu finden und zu entwickeln, und neue Muster, sich über alle Unterschiede hinweg aufeinander zu beziehen.“

Dieser Satz entstammt einem Text von 1980! Es ist der Text eines Vortrages, den Lorde beim Copland Colloquium am Amherst College gehalten hat. Er hat nicht an Aktualität eingebüßt. Und um eines zu betonen. Dieser Satz richtet sich an Frauen. Der Vortrag heißt: Alter, Race, Geschlecht, Gender: Frauen definieren Verschiedenheit neu.

Ich bin ein weißer männlicher Mitteleuropäer, fühle mich von diesem Text aber weder angegriffen noch ausgegrenzt; weil die Ausgrenzung, auf die der Text abhebt, ja nun mal nicht von ihm ausgeht, sondern das Produkt einer alten gesellschaftlichen Praxis ist, die Praxis einer Gesellschaft, die von Männern dominiert war und immer noch ist.

In Berlin aber wird es künftig eine Audre Lorde Straße geben. Ein Teil der Manteuffelstraße wird also den Namen einer amerikanischen schwarzen lesbischen Dichterin und Aktivistin tragen.

Audre Lorde wurde 1934 in Harlem geboren und starb 1992 auf den amerikanischen Jungferninseln an einer Krebserkrankung, gegen die sie 14 Jahre gekämpft hatte. Auch diesen Kampf hat sie in ihren „Krebstagebüchern“ dokumentiert, (wie übrigens auch die österreichische Autorin Maxie Wander; die in der in den Siebzigern in der DDR lebte und ihr Sterben an Brustkrebs dokumentierte. Das sei an dieser Stelle deshalb erwähnt, weil die Vielzahl der Fronten in einem kampfgeprägten Leben auch verschiedenste Parallelen offenbaren.)

Lorde lehrte und kam in den Achtzigerjahren und am Anfang der Neunziger des Öfteren nach Berlin und half maßgeblich bei der Entstehung einer afrodeutschen Bewegung mit. Zeitweise hatte hatte sie eine Gastprofessur am John-F.-Kennedy-Insitut für Nordamerikastudien an der FU Berlin inne.

Im Hanser Verlag ist unter dem Titel „Sister Outsider“, ein Buch mit politischen Texten Lordes erschienen. Übersetzt wurden die Texte von Eva Bonné und Marion Kraft. Kraft steuert auch ein Nachwort bei, in der sie Lordes Bedeutung in Deutschland beleuchtet. Ein weiteres Nachwort kommt von Nikita Dhawan.

„Es gibt keine neuen Ideen, nur neue Wege, den für gut befundenen Ideen Kraft einzuhauchen und sie auf unser Leben einwirken zu lassen.“

Das schreibt Lorde und dafür ist dieses Buch ein gutes Beispiel. Die Entstehung der Texte liegt zuweilen über 40 Jahre zurück. Dennoch erscheinen sie geradezu bedrückend aktuell.

Lordes Texte sind kraftvoll und direkt. Sie sind geprägt von verschiedensten Unterdrückungserfahrungen und legen gleichzeitig den Prozess einer Selbstfindung offen. Einen Kampf um die eigene Bestimmung, um Individualität und Identität. Und diese Verschiedenheit der Unterdrückungserfahrungen ist es wahrscheinlich, die Lordes Offenheit für einen gemeinschaftlichen Diskurs ausmacht.

Wir haben einander gewählt/ und die Scheidelinie unserer jeweiligen Kämpfe/ der Krieg ist derselbe/ falls wir verlieren/ wird eines Tages das Blut von Frauen gerinnen/ auf einem toten Planeten/ ob wir gewinnen/ ist nicht zu sagen/ wir suchen jenseits der Geschichte/ nach einer neuen und möglichen Begegnung.

Meine Töchter haben schon ihren Anspruch auf dieses Buch angemeldet. 

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Kommentare 3
  1. Monica Weispfennig Buchfeld
    Monica Weispfennig Buchfeld · vor 17 Tagen

    Danke für diesen Artikel

  2. Jan Kuhlbrodt
  3. Jan Kuhlbrodt

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