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Literatenfunk

SCHNELLER ALS DIE SONNE
Monika Rinck
Autorin

Monika Rinck ist Autorin, Herausgeberin, Übersetzerin und lehrt von Zeit zu Zeit. Zuletzt erschienen "Risiko und Idiotie" bei kookbooks und "Wir - Phänomene im Plural" im Verlagshaus Frank.

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piqer: Monika Rinck

SCHNELLER ALS DIE SONNE

Drei Bücher: Auf "Speed – Eine Gesellschaft auf Droge" von Hans-Christian Dany folgte 2013, fünf Jahre später, der Essay: "Morgen werde ich Idiot - Kybernetik und Kontrollgesellschaft", der in einem Hamburger Hühneropfer-Hinterzimmer in Gegenwart des Konstruktivisten Heinz von Förster sein unvergessliches Ende finden sollte. Rasend traurig war das Kapitel über Judy Garland in dem erstgenannten Buch "Speed". Eben gerade, 2015, demnach in immer knapperen Intervallen, erschien „SCHNELLER ALS DIE SONNE – Aus dem rasenden Stillstand in eine unbekannte Zukunft“, vom gleichen Autor, im selben Verlag.

Dieses Buch beginnt so: „Ich wollte Dir am Ende des Winters schreiben, aber es ging nicht. Als ich endlich anfing, war mir nicht klar, ob ich schrieb oder nur vor mich hinmurmelte. Was in die Sprache fand, las sich wie der Bericht einer Reise, die nicht beginnen wollte. Schreibend versuchte ich eine Abreise zu formulieren, ging immer wieder zum Bahnhof, stieg aber in keinen Zug.“ Im Barock entstanden die Wahrscheinlichkeitsrechnung, der Roman und das Roulette. So zeigen sich unterschiedliche Leistungen der Fiktionalisierung einer nicht mehr gottgegebenen Welt. Casinos und Kapselwelten. Der kaum noch unterdrückte Wunsch, zu verlieren. Innenträume einer Stillstandwelt. Die runden Tische im Keller-Casino des Warschauer Hotels Europa. Der komplette Verlust der Orientierung im Angesicht des Glücks und seiner ritschen Spiegel, respektive hellen Rätsel. Seltsam bin ich hineingeschwungen in dieses Buch wie in einen sehr diskreten Briefwechsel, der mir nicht galt. Abgeklungene Affekte, die schon sehr laut sind, nur bin ich selbst so fern, dass nicht zu hören ist, wie laut sie sind oder wären, für sich. Gleichzeitig weisen diese Zeugnisse der Vergangenheit auf eine andere Gegenwart, vadammt. Und so endet das Buch: „Es gibt kein Recht auf Zukunft. Von wem sollte es eingefordert werden? Jede Forderung würde nur die falsche Ordnung anerkennen. Von der großen Datenumwälzmaschine lässt sich wenig verlangen. Sie ist darauf geeicht, unsere Wünsche durch deren verschobene Erfüllung gegen uns zu wenden. Wir können ihre Programmierung nur zerstören.“ Das ist die zweitletzte Seite des Buches. Also noch nicht die letzte.

Hans-Christian Dany: Speed. Eine Gesellschaft auf Droge. Hamburg 2008.

Hans-Christian Dany: Morgen werde ich Idiot. Kybernetik und Kontrollgesellschaft. Hamburg 2013.

Hans-Christian Dany: Schneller als die Sonne. Aus dem rasenden Stillstand in eine unbekannte Zukunft. Hamburg 2015.

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Kommentare 1
  1. Annika Reich
    Annika Reich · vor 11 Monaten

    Wenn Du solche piqds schreibst, liebe Monika, dann will ich gleich den nächsten lesen.

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