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Literatenfunk

Sally vs. Max, Mischa & die Tet-Offensive

Andreas Merkel

Sachbuchautor über Romane in Berlin. Letzte Veröffentlichung: "Mein Leben als Tennisroman" (Blumenbar). Kolumne "Bad Reading" im Freitag (das meinungsmedium).

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Andreas MerkelMontag, 19.08.2019

Für ein neues "Bad Reading" habe ich mich gerade mit der Buchhändlerin Katharina von Uslar zum Streitgespräch Buchhandel meets Literaturkritik getroffen, in dessen Verlauf sie mir die Bücher "Conversations with friends" von Sally Rooney und "Max, Mischa und die Tet-Offensive" von Johan Harstad empfahl, die ich ca. 1.580 Seiten später jetzt und hier gerne komparatistisch vorstellen möchte ...

Aber Achtung, unzuverlässiger Erzähler: Das Treffen war vor zwei Wochen. Aus dem Bad-Reading-Streitgespräch wurde nichts (weil Katharina von Uslars Lieblingsautorin Rachel Cusk ist und wir uns literarisch viel zu nahe standen). Bei Sally Rooney bin ich gerade auf Seite 68, bei Harstad immerhin auf 101. Außerdem hat Kollege Tino Hanekamp das große New-Yorker-Portrait "Sally Rooney gets in your head", das ich hier eigentlich verlinken wollte, bereits gestern gepiqt (damn!).

Nach diesem kurzen Transparenz-Intro hier dennoch drei Ansätze zum späteren Selber-weiter-Lesen:

1. Sally Rooney – beste junge neue Autorin ever, believe the hype & don't let the entrückte Young-Genius-Expression auf dem Autorinnen-Foto let you down (ein Schweizer Literaturkritiker bekam auf dem Twitter-#DichterDran zurecht schwer eine vor den Koffer, weil er sich über den Rehblick mit Schmollmund ungefähr so intelligent äußerte wie Clemens Tönnies über afrikanische Kernkraft... und dennoch: Wir befinden uns alle im Beobachtungs-Business & müssen täglich aushalten, dass die Beobachtung auch den Beobachter beobachtet und was auf Instagram sonst noch so los ist). Rooney ist "einfach" eine kluge, lakonische Autorin, die als ehemaliger EU-Debattierchampion genau weiß, wie es um Welt, Kulturszene, Women & Men bestellt ist. In "Conversation with friends" ("musst du auf Englisch lesen", lobte mich die junge Buchhändlerin bei Uslar & Rai für meine 10-Euro-Erwerbung) schreibt sie hart und klar aus der Perspektive einer begabten Ich-Erzählerin über eine Vierer-Konstellation zwischen zwei bisexuellen Poetry-Slammerinnen, einer etwas berühmteren Foto-Journalistin und ihrem vielleicht noch etwas berühmteren Schauspieler-Mann. Das Problem der begabten Ich-Erzählerin ist höchstens, dass sie beim Schreiben dauernd nur darüber staunt oder damit hadert, wie halb-gut sie aussieht, wie gut sie (nach harten Outsider-Jahren an der Schule) trotz/wegen ihrer Intelligenz rüberkommt und wie sie den ganzen Zauber also ständig durchschaut. Die Dinge klingen neu und vielversprechend durchtrieben, gleichzeitig aber auch vorhersehbar und altklug. Rooney weiß das natürlich alles selbst, and she isn't too cool not to tell us.

2. Johan Harstad – wurde mir mit fast schon physischer Gewalt von einem befreundeten Sportreporter empfohlen: "1.200 Seiten, man hasst den Autor sofort dafür, denn lesen MUSST du das trotzdem!" – "Max, Mischa und die Tet-Offensive" entpuppt sich dann schnell als Mansplaining-Gegenentwurf zu Sally Rooney. Ein noch junger, aber eben nicht mehr ganz so junger Autor (Rooney ist Jahrgang 1991, Harstad 1979, aber das Buch kam schon 2015 in Norwegen raus) im Vollbesitz seiner erzählerischen Kräfte von einem fiktiven norwegischen Theater-Regisseur aus New York, der zu Tode erschöpft und sehr erfolgreich mit einem Kapitalismus-Stück durch die Säle der USA tourt. Hundert Seiten Beschreibung, wie er in Hotels nicht mehr schlafen kann und sich in den USA jeder heimatlos fühlt. Hundert Seiten Beschreibung, wie er als Kind in Norwegen mit seinen Kumpels Stig und "Angst" (sic, geilster Spitzname ever!) im Wald Apocalypse Now nachspielt – die beste Zeit, bevor er mit seinen Kommunisten-Eltern tatsächlich genau dahin auswandern muss (also Amerika, nicht Vietnam). Man liest das alles nicht ganz so unbegeistert wie Iris Radisch in ihrem schönen ZEIT-Verriss (Link unten), aber irgendwo in Norwegen muss es eine staatliche Schreibschule geben (vielleicht die in Bergen aus Knausgårds "Träumen"), in der hoffnungsvollen Nachwuchsautoren diese todesverachtende Furchtlosigkeit vor Langeweile & Larmoyanz beigebracht wird, die einem dann die Nervenstärke (oder Naivität) verleiht, tatsächlich noch mal all die Kindheitsdialoge detailgetreu und retroselig nachzuspielen.

3. Wenn ich mir einen perfekten Jungliteratur-Roman wünschen oder selber bauen könnte, dann vielleicht einen, in dem sich Sally Rooney und Johan Harstad unromantisch begegnen und erst nicht ausstehen können, um dann gemeinsam mit ihren Stärken und Schwächen (wie es in der Eheberatung heißt) herauszufinden, dass es unter dieser Sonne nichts Neues mehr gibt, über das sich trotzdem immer noch super schreiben lässt.

Sally vs. Max, Mischa & die Tet-Offensive

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