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Literatenfunk

Rebell im Roggen
Andreas Merkel
Einzelsportarten, die man nicht allein betreiben kann

Sachbuchautor über Romane in Berlin. Letzte Veröffentlichung: über ein Leben mit dem 1. FC Köln ("Fanfibel", culturcon). Kolumne "Bad Reading" im Freitag (das meinungsmedium).

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piqer: Andreas Merkel
Montag, 11.09.2017

Rebell im Roggen

Amerikanisches Tagebuch - Teil 1: Freitagabend hab ich mir gleich nach der Ankunft noch die New York Times des inzwischen fast schon abgelaufenen Tages besorgt. Zurück auf dem Zimmer fiel ich aus allen Wolken, als ich hinten in der Arts-Abteilung neben den Film Reviews die Anzeige entdeckte. Sie hatten - weil sie den Roman nicht verfilmen durften - gewissermaßen sein Leben (und Schreiben) verfilmt. Nicholas "Kill your friends" Hoult und Kevin "House of Cards" Spacey spielen die Hauptrollen (aber wer ist Salinger?) in dem riveting, incredibly sensitive masterpiece über eines "der meistgeliebten Bücher aller Zeiten": Rebel In The Rye - The Writing of The Catcher In The Rye. Von der ganzen Sache hatte ich bisher absolut nichts mitbekommen. Sie hatten offenbar die Rechte an Kenneth Slawenskis ausführlicher Biographie gekauft (nachdem vor Jahren ja auch schon die 1000-Seiten-Materialsammlung von Shapiro und Shields verfilmt worden war). Ich befand mich selbstverständlich im Besitz beider Bücher. Bei Shapiro und Shields überzeugten vor allem die historischen Fotos. Bei Slawenski die Nacherzählung einer kurzen Ehe mit der deutschen Psychologin Sylvia Welter, die Salinger eigentlich bei der Entnazifizerung helfen sollte, beziehungsweise ihn nach einem bei der Entnazifizierung erlittenen Nervenzusammenbruch in der Nähe von Nürnberg betreut hatte. Irgendwann bei der Hälfte war ich ausgestiegen, weil mir Slawenski zu moralin (und ausführlich) geworden war. Und jetzt hatte also jemand namens Danny Strong, von dem ich ebenfalls noch nie gehört hatte, daraus tatsächlich auch noch einen Spielfilm gemacht...! Drei Zeitungsseiten später klärte mich die Kurzkritik im redaktionellen Teil der Times auf. Glenn Kenny urteilte:

"Mr. Strong seizes on the idea of Holden Caulfield as a Salinger alter ego and runs hard with it. While "Rebel in the Rye" isn't quite as bad as its pile-of-bricks-clunky title suggests, it's both simple- and literal-minded, less concerned with Salinger's consciousness or sensibility than with his ostensible ontological status as a Tortured Creative Giant. Its depiction of Salinger's probable PTSD, the product of his service in World War II, is almost insultingly hackneyed. (...) Nicholas Hoult plays Salinger with keen timing and palpable commitment, yet seems respectfully removed from the role. The only moments that set a spark pit him against Kevin Spacey as Whit Burnett, an early mentor. Their last scene together ends on a note that would, in a better movie, carry real emotional devastation."

Das reichte mir schon an Bad Writing-Bezügen: Die Rückübersetzung von etwas Filmischem (Leben) in etwas Biographisches (Buch) in etwas noch Fiktiveres (Hollywood)... (Mir fiel außerdem noch "Finding Forrester" ein, in dem Sean Connery mal eine Art Salinger spielen musste, der zurückgezogen in einem New Yorker Hochhaus lebte, um sich dann mit einem jungen schwarzen Basketballer anzufreunden...) Den Scheiß würde ich mir auf jeden Fall angucken. Aber gestern waren wir beim Hip Hop und heute Nacht träumte ich von Jan Brandt ("Gegen die Welt"). Brandt war 1,90 groß und trug einen grünen Anzug. Nachdem ich ihm versichert hatte, dass ich seinen Auto-Test-Essay in der WamS gelesen hatte, verstanden wir uns wieder super.

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