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Literatenfunk

Karla Paul
Kulturjournalistin
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piqer: Karla Paul
Freitag, 31.07.2020

Rassismus im Kinderbuch – weshalb die Kulturbranche Vorbild sein sollte und nicht Teil des Problems!

Als ich mich neulich in den Netzwerken erkundigte, wie viele POC in Entscheidungs- bzw. Machtpositionen der Buchbranche den Follower*Innen einfielen, war großes Schweigen im digitalen Wald. Irgendwann fielen dann drei Namen, aber sowohl im Buchhandel als auch in der Presse, in Verlagen und weiteren Literaturunternehmen bestimmt bis heute die weiße Mittel- bis Oberschicht, was auf den Markt kommt, was sich verkauft und wie es einzuordnen ist. 

Entsprechend groß ist leider immer noch die Gegenwehr, diese Situation als Problem anzuerkennen oder sogar etwas zu verändern. Das Abgeben von eigenen Privilegien ist nicht akzeptabel, wenn doch alles so gut funktioniert. Aber tut es das? Gerade die Kulturbranche, die sich doch sonst als so vielfältig und tolerant feiert, setzt dies also in der Tat schon mal nicht um. Aber wie sieht es mit dem Wort aus, also dem eigentlichen Produkt? Fangen wir dort an, wo auch die ersten Vorurteile entstehen – im Kindesalter. 

Moritz Herrmann interviewt in der ZEIT Christiane Kassama, die sich für rassismuskritische Frühbildung einsetzt und unsere angeblich geliebten Kinderbuchklassiker mal unter die Lupe nimmt sowie die Probleme darin bezeichnet: 

"Ach, damit bin ich selbst groß geworden, so schlimm kann das nicht sein. Und dann wachen sie auf. Viele Bilderbücher transportieren unbewusst Klischees und damit Rassismus. Kinder, die von Rassismus betroffen sind, identifizieren sich damit und weiße Kinder wachsen mit dieser Einstellung unbewusst auf."

Kassama benennt genau, wo die Probleme liegen und wie sie lehrt, Vorurteile und alte Bilder zu erkennen und für die Kinder in einen Kontext zu stellen. Über 1.000 Kitas schult sie mit ihrem Wissen und möchte so bei der Aufklärung helfen. Wie schwer das ist, zeigt sich wiederum bei der Diskussion darum in den Netzwerken. Sofort wird geblockt und "Zensur" geschrien, ein mögliches Hinterfragen der Klassiker gilt schon als Kulturschändung. Eigentlich der beste Beweis dafür, dass wir diese Arbeit dringend nötig haben, so schmerzhaft sie sein mag. 

Aber auch und gerade der so viel geliebte und empathische Michael Ende würde heute sicherlich ganz andere Kinderbücher schreiben und wäre wie stets mit seinen Geschichten Teil der Lösung anstatt des Problems. Er und Astrid Lindgren sind keine Rassist*Innen, die Bücher sollten nicht verboten werden. Die rassistischen Momente sind im damaligen Kontext zu sehen und sollten dementsprechend besprochen werden. Heute müssen wir es besser machen und uns öffnen für die Fehler der Vergangenheit, um sie als Möglichkeit zur Aufarbeitung zu verwenden. Das gilt für fragwürdige Frauenbilder in "Pucki" ebenso wie für gewaltverherrlichende Märchen oder eben rassistische Merkmale. 

Wenn wir uns in der Literaturbranche einer diversen Kultur rühmen wollen, sollten wir uns sehr schnell mit dem Umsetzen der entsprechenden Werte beschäftigen und offen sein für die Kritik, die leider seit Jahren ihre Berechtigung hat. Denn das, was wir mit den Büchern vermitteln, hat lebenslange Folgen – wie auch Christiane Kassama im Artikel erklärt: 

"Für mich ist die Kita ein politischer Ort. Wir bereiten die Kinder für die Schule und für die Gesellschaft vor. Ja, stimmt: Unsere Kinder sind oft gut gebettet, kommen aus Akademikerhaushalten und werden ziemlich sicher ihren Weg machen. Wenn wir denen ganz früh einen rassismussensiblen, vielleicht sogar rassismusfreien Blick mitgeben, dann tragen die das weiter und dann haben wir was erreicht. Wenn aus den Kindern irgendwann Chefs oder Behördenentscheider werden und sie sich in der Position noch dieser Werte erinnern, ist das ein Meilenstein."
Rassismus im Kinderbuch – weshalb die Kulturbranche Vorbild sein sollte und nicht Teil des Problems!

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Kommentare 2
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 4 Monaten

    richtig so. kleines Beispiel: wenn/da Astrid Lindgren den Negerkönig jedenfalls nicht rassistisch gemeint hat - was spricht dagegen ihn neu zu formulieren? Oder mindestens eine Fußnote hinzu zusetzen?

    1. Karla Paul
      Karla Paul · vor 4 Monaten

      Genau das ist der Punkt - es geht darum, diese Inhalte in einen Kontext zu stellen. Aber sich einer aktualisierten Besprechung zu verweigern, ist Teil des Problems. Bei sowohl Ende als auch Lindgren ist klar, dass beide keine Rassist*Innen sind - aber trotzdem können eben, wie auch bei uns, rassistische Fragmente in ihren Büchern festgestellt werden. Das kann und sollte erklärt werden - was aber bisher von wenigen Erziehenden getan wird, geschweige denn von den Verlagen.

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