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Literatenfunk

Mars am Frauentag

Mars am Frauentag

Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus), Die Rückkehr der Tiere (Verlagshaus Berlin)

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Jan KuhlbrodtSamstag, 06.03.2021

Der Mars ist von der Sonne aus der vierte Planet im Sonnensystem und der äußere Nachbar der Erde. Er zählt zu den erdähnlichen (terrestrischen) Planeten. Im Augenblick ist er, glaubt man den Sternenkundigen, gut sichtbar. Naja, und er ist ein römischer Kriegsgott mit komischen Helmen.

„Mars“ aber ist vor allem ein Buch, das am 8. März 2021 im Verbrecher Verlag als zweites Buch der Reihe „kurze form“ erscheint. Es versammelt Kurzgeschichten der kroatisch-bosnischen Autorin Asja Bakić, die von Alida Bremer aus dem Kroatischen ins Deutsche übertragen wurden. Und dieser Band ist sensationell.

Mir schwante ja schon immer, dass Poe, Kafka und den Brüdern Strugatzki eigentlich eine feministische Literatur vorgeschwebt hatte, sie aber diesen heißen und innigen Wunsch aufgrund ihrer verdammten Männlichkeit kaum ausleben konnten. Entstanden sind auf diese Weise Texte, die zu den eindringlichsten der Weltliteratur gehören. Der Riss im Gemäuer des Hauses Asher, das sternzwirnige Wesen in Kafkas „Sorge des Hausvaters“ oder der depressive Führer in „Picknick am Wegesrand“, dieses grandiosen Romans der Strugatzkis, der sich in der kongenialen Verfilmung Tarkowskis entlud, sind Beispiele für die Darstellung fluider Gewissheiten und von Selbstzweifeln geplagter männlicher Protagonisten.

Ich oute mich an dieser Stelle als Fan der Genreliteratur, obwohl das nicht ganz richtig ist. Es stimmt insoweit, als ich liebend gerne phantastische Literatur lese, ob Horror oder Science-Fiction. Allerdings wird mir diese Vorliebe auszuleben, nicht immer ganz leicht gemacht. Häufig verlieren sich Texte mechanisch im Genre und gehen nicht über das in dieser Art schon Geschriebene hinaus. Dann erfasst mich die Langeweile und es kann schon einmal geschehen, dass ich ein Buch in die Ecke pfeffere, weil sein Titel mir eine Einsicht in die Welt versprach, die sich im Text nicht fand.

Ganz anders hier, in diesem Buch. Da verwandelt sich das Außen auch in ein Innen, da wird eine Journalistin mit einem Sektenführer konfrontiert, der seine Macht letztlich aus ihren Unglauben zieht. Oder eine künstliche Intelligenz emanzipiert sich gerade deshalb von ihrem Schöpfer, weil er sie nur nach den ihm gemäßen Vorgaben entworfen hat. Seine Selbstsucht wird letztlich ihm zum Verhängnis, während sie aus ihrem Nichtwissen letztlich einen Antrieb macht, der sie aus der häuslichen Zelle treibt, die ihr zugedacht war.

Es gibt dieses Außen, aber es ist nicht zu fassen. In der letzten Erzählung des Bandes von Bakić findet sich folgender Satz, der das Unheimliche beschreibt, das uns in den oben angegebenen Werken begegnet:

„Wenn man auf einem Planeten lebt, der für einen nicht geschaffen ist, erinnert einen alles daran, wie schwach man ist und wie ohnmächtig der eigene Organismus ist. Als würde man in einer Falle schlafen.“

Diesen Satz kann man durchaus postfeministisch lesen, als Zeichen sich auflösender Identitäten.

Allerdings könnte der Planet, der nicht für eine geschaffen ist, neben dem Mars, auf den die Protagonistin, weil sie Schriftstellerin ist und ausgesiedelt wurde, eben auch ihr Herkunftsplanet, die Erde, sein. Es scheint so richtig keinen Ort zu geben. Für niemanden. Allerdings ist dieses Andernorts hier, in diesem Buch großartig erzählt.

Ich lese mit angehaltenem Atem. 

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