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Literatenfunk

Lentz

Andreas Merkel

Sachbuchautor über Romane in Berlin. Letzte Veröffentlichung: "Mein Leben als Tennisroman" (Blumenbar). Kolumne "Bad Reading" im Freitag (das meinungsmedium).

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Andreas MerkelMittwoch, 29.08.2018

Man nennt es Schreiben, Punkt. Kein Schutzumschlag, kein Klappentext, keine Kurzbiographie (und schon gar kein nosferatuhaftes Autorenfoto!) – nur Titel und Autor und dieser erste und letzte Romansatz auf einem tausendseitigen dunklen Ziegelstein: Lentz war uns allen immer schon Lichtjahre voraus! Früher war man kurz befreundet, superbegeistert, superanstrengend. Er machte perfekte Lesungen in seinem witzigen Kölsch, zur Not im Liegestütz, bewertete Gesprächsbeiträge mit „sehr gut“ und leitete ein Höllen-Kickbox-Training in Weissensee. Irgendwann verlor man sich aus den Augen, seine apodiktischen FAZ-Rezensionen und Meisterwerk-Ansagen gingen mir auf den Geist. Zum letzten Mal gesehen habe ich ihn auf Herrndorfs Beerdigung.

Dass er einen neuen Roman draußen hat (der genau heute erscheint), erfuhr ich erst aus der Empörung im Qualitäts-Feuilleton darüber, dass es „Schattenfroh“ (allein schon der Titel!) nicht auf die Longlist des DBP (keine Sexpraktik, sondern Deutscher Buch-Preis) geschafft hat – im Gegensatz zu den handelsüblichen Strebern und Oldfucks (Adolf Muschg!). Ein Segen. „Schattenfroh“ also sofort bestellt und innerlich auf alles vorbereitet.

Denn leider gab es dann doch eine ebenso hochtönende, hochfliegende „Inhaltsangabe“ im Internet, die sich im Unwesentlichen um autoritäre Vater-Scheiße, pathetisches Nicht-Schreiben-Können im Angesicht des Todes und zu allem Überfluss auch noch Dürener Bombennächte von 1944 drehte. Bitte nicht, machst du jetzt auch den Rothmann?

Als das Buch dann ankam, fehlte erst mal die Kraft (oder Krankheit oder Zeit) zum Selberlesen. Beim Reinblättern Bewunderung für den tollen Einstieg und den Brutalnerv mit siebzig Seiten mit linksgeneigt handgeschriebene Namen – aber auch Ärger über die Einschüchterungs-Architektur des ganzen Buchs, die den Leser gleich in so eine Bibel-Haltung zum Text zwingt.

Abhilfe schaffte dann aber glücklicherweise das super Portrait von Richard Kämmerlings letzten Sonnabend, der sich tatsächlich auf ein Treffen mit Big Old Lentz eingelassen hat. So ungern ich die Welt mit ihrem Springer-Boys-Club sonst lese oder verlinke, diesmal muss das sein. Es ist, als hätte man ihn selbst wiedergesehen. – „Die Uridee war, dass jemand den Zwang hat, sich verhören zu lassen“!

Bei der ganzen Todes- und Folterthematik dachte ich außerdem aus irgendeinem Grund dauernd an David Bowies letztes Album „Blackstar“, aber das würde Lentz natürlich nie zugeben.


Lentz

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