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KRIEG AUS WEIBLICHER SICHT

KRIEG AUS WEIBLICHER SICHT

SABINE SCHOLL
Autorin
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SABINE SCHOLLSamstag, 13.11.2021

Über Vietnam, den Krieg, die Teilung des Landes war bislang vorwiegend aus amerikanischer Sicht zu erfahren. Seltener hörte man, wie Einheimische diese schwierigen Zeiten erlebten. Nguyễn Phan Quế Mai erzählt in Der Gesang der Berge aus der Perspektive von Vietnamesinnen, die nicht an der Front, sondern um ihr tägliches Überleben kämpften. Die nunmehr in Jakarta lebende Autorin schildert die Geschichte einer Familie über drei Generationen, geprägt von Fremdherrschaft und Repression. Derartige Darstellungen wurden aus der offiziellen Geschichtsschreibung jedoch entfernt, wie die Großmutter von Erzählerin Hu'o'ng betont:

„Es ist verboten, über Dinge zu sprechen, die mit Fehlern der Vergangenheit oder Verbrechen der Machthaber zu tun haben, denn sie nehmen sich das Recht, die Geschichte umzuschreiben. Aber du bist jetzt alt genug, um zu wissen, dass die Geschichte sich in das Gedächtnis der Menschen schreibt, und solange diese Erinnerungen weiterleben, besteht Hoffnung, dass wir es besser machen können.“

Dass Nguyễn Phan Quế Mai zunächst mit Gedichten hervorgetreten ist, lässt sich an der intensiven Sprache bemerken, in der sie den Schrecken zwar benennt, aber auch mit poetischen Momenten einen Ausgleich schafft. Gegen die Brutalität der Herrschenden steht außerdem die bewundernswerte Gestalt der Großmutter, die für das Mädchen sorgt und deren Schicksal in Rückblenden erzählt wird. Gewalt begleitet ihren Weg von Anfang an.

Diesem Erzählstrang läuft das Erleben des Mädchens Hu'o'ng während des Vietnamkriegs parallel, welcher mit Tonnen von Bomben, zerstörten Häusern, chemischen Waffen nicht minder grausam wütet. Immer wieder jedoch setzt die Autorin poetische Bilder, die diese Schilderungen gerade noch erträglich machen:

„Glücklicherweise rettete mich der Frühling. Blumen prahlten mit ihren leuchtenden Farben. Das Sonnenlicht schimmerte golden wie Honig. Die Luft roch nach Leben statt nach Tod und Sprengstoff.“

Ihre Mutter, die als Ärztin in den Krieg gezogen war, kehrt schwer gezeichnet zurück, kann sich nicht um das Kind kümmern, Hu'o'ngs Vater bleibt verschwunden. Auseinander gerissene Familien können als Parabel für das gesamte Land gelesen werden. Da die Mutter distanziert bleibt, forscht Hu'o'ng nach, liest in deren Tagebuch und findet darin nur noch mehr Grauen, Verrat und Tod. Als 1975 der Krieg dann endet, beginnt die Unterdrückung durch das kommunistische Regime. Viele Vietnamesen fliehen. Wieder gehen Risse durch die Familien.

Man kann der Autorin, deren Gedichte anfangs in vietnamesischer Sprache verfasst waren, dankbar sein, dass sie dieses wertvolle Zeugnis auf englisch geschrieben hat, so dass wir Zugang zu einem Teil der Weltgeschichte finden, der bislang entweder gelöscht oder durch traumatisierte amerikanische Männer erzählt wurde. Mit der Lektüre dieses Romans wird deutlich, wie sehr die Vietnamesinnen seit Jahrzehnten gelitten haben und welches Erbe die folgenden Generationen bis heute mit sich tragen.

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