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Hyparschalenpracht

Quelle: (c) Jochen Schmidt

Jochen Schmidt
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piqer: Jochen Schmidt

Hyparschalenpracht

Auch die DDR hat Dinge hervorgebracht, für die man vor der Ewigkeit seine Hand ins Feuer legen kann, für mich gehören die Hyparschalenbauten von Ulrich Müther dazu. "Ulrich Müther Schalenbauten " von Rahel Lämmler und Michael Wagner (2008 Verlag Niggli AG, Zürich) kann als exklusiver Architekturreiseführer dienen, der einen durch den Osten Deutschlands führt, aber auch nach Wolfsburg, Hannover, Tripolis oder Helsinki, überallhin, wo Müthers Bauten mit den unverwechselbaren geschwungenen Dächern stehen oder standen. Daß in Berlin an der Fischerinsel noch im Jahr 2000 die Großgaststätte Ahornblatt von 1973 abgerissen und durch einen gesichtslosen Neubau ersetzt wurde, ist nicht zu entschuldigen und ein Verlust für die in ihrer Bausubstanz ohnehin gebeutelte Stadt. Müthers Bauten brachen radikal mit dem anfänglich von der SED bevorzugten Stil der "nationalen Traditionen", sie stehen im internationalen Kontext und wirken modern, lebensfroh, verspielt, experimentierfreudig, kühn, man denke nur an die Seerose in Potsdam, den Teepott in Warnemünde oder die Rettungsstationen in Binz (auch hier wurde die zweite 1993 abgerissen.) Das kleine, schön bebilderte Buch erklärt, was eine Hyparfläche ist, die sich "nicht abwickeln läßt", und wie sich so etwas mit normaler Holzverschalung bauen läßt. Man erfährt, daß Müther gar nicht Architekt war, sondern Bauingenieur und daß er eine Betonspritze aus dem Westen einsetzte. Bauen war in der DDR ein zentraler, mythisch aufgeladener, ideologisch umkämpfter, identitätsstiftender Vorgang, wer die DDR verstehen will, muß mehr über ihre Bauingenieure wissen.

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