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Literatenfunk

Lena Gorelik
Autorin
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piqer: Lena Gorelik
Freitag, 25.11.2016

Herzzerbrechende Katastrophen und was daraus wird

Zu den Spleens, die ich mir als Autorin leiste, gehört, dass das Notizbuch, in das ich meine Gedanken, Zitate, Dialogfetzen, Ideen und sonstigen Kram, den ich eigentlich nie wieder lese, aber eben trotzdem festhalten zu müssen meine, ein besonderes ist. Auf dem, das ich derzeit voll kritzle, steht „The creative adult is the child who survived."

Ähnliches sagt die Performance-Künstlerin Marina Abramović in diesem piq: 

„Mein Leben war nicht einfach, es ist voller herzzerbrechender Erfahrungen und Katastrophen, aber jedes einzelne Erlebnis hat mich stärker gemacht."

Auch aus diesen Erfahrungen schöpfe sie für die Kunst. Sie erzählt davon, wie sie ihre ganze Kindheit lang unter ihrer strengen, kommunistisch orientierten und aktiven Mutter gelitten hätte, sich nie geliebt gefühlt habe, und dann nach dem Tod dieser Aufzeichnungen dieser gefunden hat — die nur so vor Liebe strotzten.

Marina Abramović ist bekannt für Performances, die auch Grenzerfahrungen waren, für persönliche, aber auch politische Kunst. Eine ihrer berühmtesten Arbeiten ist „The Artist is Present", für die sie im New Yorker MoMA zweieinhalb Monate lang von morgens bis abends auf einem Stuhl saß und Menschen einlud, sich ihr gegenüber zu setzen und sie anzuschauen. Viele haben geweint, einer von ihnen war ihr langjähriger Partner und Künstler Ulay, den sie zu diesem Zeitpunkt lange nicht gesehen hatte. Nun hat Marina Abramović, 70-jährig, ein Buch über ihr Leben geschrieben, wie das viele in diesem Alter tun, eine Autobiografie mit dem Titel „Durch Mauern gehen".

Ich bin keine begeisterte Leserin von Autobiografien: Ich neige dazu, sie arroganterweise als narzisstisch abzukapseln, wenn sie, wie in dem Fall, in einem Alter erscheinen, in dem sich der Autor meist aus seinem eigentlichen Metier zurück zieht, als einen (verzweifelten) Versuch, sich selbst noch einmal ins Gespräch zu bringen. Und die meisten Personen interessieren mich nicht genug, als dass ich meine spärliche Lesezeit einem einzigen Leben widmen würde; ich kann also auch dieses Werk nicht empfehlen.

Empfehlen kann ich aber dieses spannende Interview, in dem die Künstlerin über ihre Erinnerungen, ihr Verhältnis zum Älterwerden, über ihr Selbstbild als Frau, über die Liebe und über ihre wichtigsten Werke spricht. Im besten Falle fasst es die gesamte Autobiografie zusammen. 

Herzzerbrechende Katastrophen und was daraus wird
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